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17. Juni 2010, 14:00 Uhr

Riskanter Kraft-Akt

Die Kehrtwende von Hannelore Kraft hin zur Minderheitsregierung kam überraschend. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers spricht von Wählertäuschung. Tappt Kraft in die Ypsilanti-Falle?

NRW, Kraft, rot-grüne Minderheitsregierung

Nun also doch: Eine rot-grüne Minderheitsgregierung soll es in NRW richten© DDP

Überraschende Wende im nordrhein-westfälischen Koalitionspoker: SPD und Grüne wollen nun doch noch vor der Sommerpause eine Minderheitsregierung im bevölkerungsreichsten Bundesland bilden. Die SPD-Landeschefin Hannelore Kraft kündigte am Donnerstag in Düsseldorf an, sie werde sich voraussichtlich entweder am 13. oder am 14. Juli im Düsseldorfer Landtag als Ministerpräsidentin zur Wahl stellen. Bis dahin wollen beide Parteien ein Regierungsprogramm ausarbeiten und auf getrennten Landesparteitagen zur Abstimmung stellen.

Die SPD-Chefin vollzog damit völlig überraschend eine 180-Grad-Wende. Noch am Mittwoch hatte sie angekündigt, sie wolle vorerst keine Minderheitsregierung bilden, sondern aus dem Landtag heraus Gesetze mit SPD-Handschrift durchsetzen. Kraft begründete die Kehrtwende damit, dass der FDP-Landeschef und amtierende stellvertretenden Ministerpräsident Andreas Pinkwart in einem Interview die schwarz-gelbe Koalition aufgekündigt habe. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers verfüge damit nicht mehr über eine handlungsfähige Regierung.

"Diese Wende kam für uns völlig überraschend"

Bei CDU und FDP stieß diese Darstellung allerdings auf heftigen Widerspruch. Rüttgers bezeichnete sie als vorgeschoben. In den letzten Tagen habe sich nichts an der Situation des Landes geändert. Die Landesregierung sei nach wie vor handlungsfähig. Rüttgers warf Kraft vor, sie mache sich mit der geplanten Minderheitsregierung zum "Spielball der Linkspartei" und beschere dem Land die denkbar instabilste Regierung. Denn die SPD-Chefin verfüge nicht über eine eigene Mehrheit im Landtag und sei auf die Stimmen der Linken angewiesen.

Pinkwart bezeichnete die Pläne als "Akt der Verzweiflung". Er warf den beiden künftigen Koalitionspartnern vor, bei den Sondierungsgesprächen mit FDP und CDU ganz bewusst die Möglichkeit für eine stabile Regierung sabotiert zu haben, um sich nun von der Linkspartei tolerieren zu lassen. Er kündigte an, die FDP werde bei der Wahl des Ministerpräsidenten geschlossen für Rüttgers stimmen.

Özdemir begrüßt Meinungswandel

Die Fraktionschefin der Grünen im Düsseldorfer Landtag, Sylvia Löhrmann, begrüßte unterdessen den Meinungswandel bei der SPD. "Wir freuen uns, die Zukunft Nordrhein-Westfalens gemeinsam zu gestalten", sagte sie. Das Land beschreite mit der geplanten Minderheitsregierung einen neuen Weg. Alle Fraktionen seien nun eingeladen, daran konstruktiv mitzuwirken. Auf jeden Fall werde die neue Minderheitenregierung eine bessere Arbeit leisten, als Schwarz-Gelb in Berlin.

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir betonte im Gespräch mit "Spiegel online", eine rot-grüne Minderheitsregierung an Rhein und Ruhr sorge im Bundesrat für eine Mehrheit gegen die Laufzeitverlängerung bei Kernkraftwerken und die Einführung einer Kopfpauschale im Gesundheitswesen. In den vergangenen Tagen war der Druck auf Kraft ständig gewachsen, doch noch eine Minderheitsregierung im bevölkerungsreichsten Bundesland zu wagen. Vor allem die Grünen hatten zuletzt massiven Druck auf Kraft ausgeübt. Auch ver.di-Chef Franks Bsirske hatte am Donnerstag in der "Rheinischen Post" die SPD aufgefordert, nicht länger beim Griff nach der Regierungsmacht zu zögern.

Eine ähnliche Situation wie heute in NRW gab es 2008 in Hessen. Damals wollte sich die SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti mit Unterstützung von Grünen und Linkspartei zu Regierungschefin wählen lassen. Kurz vor der Wahl verweigerten ihr aber vier Abgeordnete aus ihrer eigenen Partei die Unterstützung. Daher scheiterte die rot-grüne Regierung unter Tolerierung der Linkspartei. Bei der folgenden Neuwahl des Landtages erreichten CDU und FDP wieder eine eigene Mehrheit.

zen/AFP/DPA/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 57)
 
Dirk_37 (17.06.2010, 21:24 Uhr)
Polit-Posse Hoch Zehn;-)
Arme Frau Kraft: da stolpert sie hilflos von einem Interview ins nächste und verkündet ständig neue Rückzieher, da muss sich wohl der Parteivorstand eingeklinkt haben. Genau dieses Rumgewurschtel, quer durch alle Parteien, macht die Leute politikverdrossen! Bei der Dame darf angenommen werden, daß der Name noch das kräftigste an ihr ist........
Wahrhyde (17.06.2010, 20:18 Uhr)
Achtung, total unpolitischer Lifestyle-Kommentar
Frau Löhrmann sieht nicht nur aus wie Gutemine, das Fachblatt comedix.de adelt diese Auffassung auch mit einem Verweis auf ursächliche Zusammenhänge:

"Im "Geschenk Cäsars" gerät sie [Gutemine, d. Verf.] mit der Frau von Orthopädix, Gelatine, aneinander, die generell nichts von den Menschen in der Provinz hält und Gutemines Anspruch die Häuptlingsfrau des Dorfes zu sein nicht den von Gutemine erwünschten Respekt entgegenbringt. Schließlich setzt sie sich im folgenden Wahlkampf natürlich für ihren Mann ein und setzt auch die Frist für den Wahlkampf: "In vierzehn Tagen ist das Fest des Gottes Lug. Wenn an diesem Tag euer blöder Mann mehr Anhänger als meiner hat, wird er Chef des Dorfes!"."
Johann58 (17.06.2010, 19:52 Uhr)
@tannebaum (17.06.2010, 19:49 Uhr)
Wie? mischt der Kohl sich jetzt auch wieder ein?
tannebaum (17.06.2010, 19:49 Uhr)
abhängigkeit von den linken...
alles nur, weil der dicke das so will. aber das geht eh in die hosen. da mache ich mir gar keine sorgen. freue mich auf den ersten eklat im parlament...
rheinelbe (17.06.2010, 19:16 Uhr)
Ende der Merkel-Regierung
Eine rot-grüne Minderheitsregierung in NRW bietet die Chance, das unsoziale "Sparpaket" der Bundesregierung im Bundesrat zu stoppen und die Studiengebühren im Land abzuschaffen. Dies kann das Ende der zerstrittenen schwarz-gelben Koalition in Berlin einläuten.
teresila (17.06.2010, 18:46 Uhr)
Arme Frau Kraft !
Es muss doch scheusslich sein,immer wieder nach Linksaussen schauen zu müssen.
Die Linke freut sich,nach dem Sprichwort:
"Willst Du nicht mein Liebchen sein, hau'ich Dir den Schädel ein "
Übrigens: Rüttgers kann sich bei Merkel und deren Politik bedanken !
whismerh2 (17.06.2010, 18:40 Uhr)
@stern Danke für das Bild
Wenn ich dieses Bild mir genauer betrachte,
bekomme ich das kalte Gruseln.
Worüber freuen sich eigentlich diese politclowns ???
Darüber erfreut nach Wochen nix in die Gänge gebracht zu haben
Ihre Bezüge in trockene Tücher geschaftt zu haben
jeglichen Angriff auf den Mittelstand nicht zu verteidigen wissen
den Lobbyismus weiter Türen und Tor geöffnet zu haben
Willenlos zusehen wie die breite und arbeitende Bevölkerung durch immer weitere Abgaben mehr und mehr belastet wird
in der Erwartung das die vollkommenen haltlosen Bezüge demnächst erhöht werden.
Sklavenjobs durch Förderungen der Zeitarbeiterfirmen zu ermöglichen.
Bei Allem Ernst, diesen Selbstbedienungsverein, kann man getrost und frustriert vergessen.
.
@johann58
.
Deiner Meinung.
Im Prinzip hat unsere momentane Regierung nichts anders verdient,
wie Hohn und Spott, für mehr taugt diese Gauklertruppe leider nicht.
Ich wollt und das würde ich, was positives posten, aber bei der Truppe, muss ich wahrscheinlich vorher was Rauchen.oder mir ne Flasche Korn in den Hals gießen.
Dieses ganze Truppe ist nur noch peinlich, der einzige Trost, es gibt immer noch Schlimmere, diese Tatsache erhält oben genannte Kollegen am Leben.
Einiges aber zu Wenig, wenn man betrachtet, wie wir leben könnten mit mehr Gerchtigkeit und Fairniss.
rockyciano (17.06.2010, 18:38 Uhr)
Insgesamt ein positiver Tag -
auf dem Nebenschauspaltz "NRW" haben sich die Wogen geglättet, war ja auch nur eine Frage der Zeit,nicht wahr??!!

Auf dem Hauptschauplatz "Berlin" tut sich auch einiges - das Handelsblatt titel heute :" CSU riskiert Ende der schwarz-gelben Koalition". Ich zitiere die wichtigsten Passagen:
Das von der FDP Gesundheitsminister Rösler präferierte Modell einer einkommensunabhängigen Gesundheitsprämie hat kaum noch eine Chance auf Realisierung.

Kurz vor der Gesundheitsklasur erteilte die CSU dem Projekt eine endgültige Absage.Das Prämienmodell ist nicht mehr Gegenstand der Diskussion in der Koalition,sagte Dobrindt.

Es gehe statt Erhöhungen nun ausschließlich um Ausgabenreduzierungen. Die CSU machte unmissverständlich klar, dass sie eine "Kopfpauschale" und Beitragserhöhungen nicht mitträgt.

Der nächste Punkt; die Koalition will eine öffentliche Befragung von Guttenberg und Merkel vor dem Kunduz-Untersuchungsausschuss verhindern. Die Opposition will notfalls klagen - nachzulesen in einem heutigen Artikel in der Zeit.

Auffällig. auffällig - alle Artikel zu schwarz-gelb wurden vom Stern herausgenommen................vielleicht sind deren Journalisten ja lieber mit Frau Merkel unterwegs, nicht wahr??!!
bluewine (17.06.2010, 18:29 Uhr)
Prologo - Alles klar
Jetzt weiß ich auch, warum Sie heute so einen Unfug verzapfen und Sie so nervös sind!
Ist klar, dass dieses heutige Datum nicht gerade IHR Jahrestag ist!
beeswax (17.06.2010, 18:19 Uhr)
@Johann58
am beleidigen von regierung und frau kanzlerin hat in deutschland momentan doch besonders viel spass. das scheint mir weniger verboten als gefördert zu werden.

ist konstruktive kritik eigentlich out?
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