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6. September 2010, 20:30 Uhr

Willy schwirrt ab

Ab sofort ist Kati Witt das alleinige Gesicht der Münchner Olympiabewerbung. Unternehmer Willy Bogner ist raus, offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Doch dahinter steckt mehr. Von Sebastian Kemnitzer

München, Olympiabewerbung, Olympische Spiele 2018, Willy Bogner, Horst Seehofer, Christian Ude, Allianz, Landwirte, Grundstücke, Sponsoren

Willy Bogner will weiterhin helfen, die Olympischen Winterspiele 2018 nach München zu holen© Peter Kneffel / DPA

Schon lange stand er in der zweiten Reihe. Er, der eigentlich als Hoffnungsträger galt. Was Franz Beckenbauer für die WM 2006 war, sollte Bogner für die Olympischen Winterspiele 2018 sein - ein Publikumsliebling, der das Event nach Deutschland holt, diesmal nach München, die Stadt der Olympischen Sommerspiele 1972. München soll als erste Stadt weltweit Sommer- und Winterspiele ausrichten. Jetzt ist Willy Bogner nicht mehr Bewerbungschef, offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Die Gründe mögen stimmen. Allerdings hat sich der 68-Jährige in den letzten Monaten selbst ins Aus geschossen. Sein Abschied bedeutet nicht weniger als einen Neustart für die Olympiabewerbung.

Im Herbst vergangenen Jahres herrschte noch eitel Sonnenschein. Stolz präsentierten die Organisatoren der Münchner Olympiabewerbung Willy Bogner. Den Willy Bogner, der erst als Skiheld Furore machte, dann Szenen für James-Bond-Filme drehte und anschließend als Unternehmer durchstartete. Für das symbolische Honorar von einem Euro im Monat sollte Bogner dafür sorgen, dass mit der Bewerbung Münchens alles klar geht. Bogner grinste, wie immer spitzbübisch, wirkte sehr gelassen, selbstsicher, fast ein wenig selbstherrlich.

Die Landwirte hat er nie ernst genommen

Doch schon im Januar ging es mit der Bewerbung bergab. Ein grüner Landtagsabgeordneter namens Ludwig Hartmann rief das Aktionsbündnis "Nolympia" ins Leben. Ein Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft, Richard Adam, musste aufgrund interner Querelen gehen. Der zentrale Punkt im Umweltkonzept, ein Biosphärenreservat, wurde gestrichen. Angeblich, weil die Bevölkerung nicht mitgezogen hatte. Und immer wieder versprach Bogner neue Sponsoren - ein Versprechen, dass er bis heute nicht einhalten konnte. Trotz des neuen Großsponsors Allianz fehlen immer noch etliche Millionen zum Budget von 33 Millionen Euro. Damit nicht genug: Im Juli wurde kurzerhand Oberammergau als Veranstaltungsort gestrichen. Im Passionsspielort hatten Bürger Unterschriften gegen die Spiele gesammelt.

Pleiten, Pech und Pannen, für die mehr oder weniger Bogner als Bewerbungschef die Verantwortung trägt. Geradezu töricht handelte der millionenschwere Unternehmen allerdings in Bezug auf Landwirte in Garmisch-Partenkirchen, die für die Olympischen Spiele ihr Grundstück zur Verfügung stellen sollen. Bogner tadelte deren Verhalten. "Der Einzelne muss im Zweifel auch zurückstecken. Das gehört zu seinen staatsbürgerlichen Pflichten." Immer wieder der gleiche dumme Satz, der die Fronten verhärtete. Dem Ski-Idol mangelte es einfach an Einfühlungsvermögen - nie traf er den richtigen Ton zur richtigen Zeit.

Spitzenpolitiker hatten ihn schon länger kaltgestellt

Das hatte natürlich auch schon lange die bayerische Spitzenpolitik bemerkt. Olympia gilt als Prestigeobjekt. Mit Olympia wollen sich der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) und Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ein Denkmal setzen. Deshalb griffen sie Mitte Juli rigoros durch, entmachteten Willy Bogner weitgehend. Bei einer Pressekonferenz im Juli stand der sonst so selbstbewusste Bogner kleinlaut in der zweiten Reihe, es sprachen fast nur Seehofer und Ude.

Nach Bogners Abgang soll die Einskunstläuferin Kati Witt die Münchner Olympiabewerbung retten. Allerdings nicht als Geschäftsführerin; dafür haben Seehofer und Ude jetzt ausschließlich Experten bestellt. Witt soll nur präsentieren. Übersetzt heißt das: Lächeln, um die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees zu überzeugen. Nächstes Jahr fällt in Durban die Entscheidung, ob München den Zuschlag erhält. Südafrika war in diesem Jahr noch kein Ort des Triumphes für die Deutschen.

Von Sebastian Kemnitzer
 
 
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