"Reißt Euch den Arsch auf, Piraten"

10. Mai 2013, 21:36 Uhr

Sie studiert, klagt vor dem Verfassungsgericht und muss nun die Piraten in den Wahlkampf führen: Nichts weniger als sich den "Arsch aufzureißen" verlangt Katharina Nocun von ihrer kriselnden Partei.

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Die neue Chefin bei den Piraten: Katharina Nocun©

Für die Masterarbeit wird Katharina Nocun die nächsten Monate keine Zeit mehr haben: "Ich werde wohl ein Urlaubssemester einreichen." Die 26-Jährige, die Politik und Wirtschaftsinformatik studiert und im niedersächsischen Dissen bei Osnabrück wohnt, ist neue Geschäftsführerin der Piratenpartei.

Nocun erzielte ein Traumergebnis von 81,7 Prozent - dabei war die Abgabe mehrerer Stimmen erlaubt. Die mehr als 1000 Piraten in Neumarkt feierten ihre "kattascha" (so lautet ihr Twitter-Name), die bis zur Bundestagswahl die Partei wieder in die Offensive bringen will. Ihr Schwerpunkt ist der Datenschutz, wo sie gerade als eine Hauptbeschwerdeführerin eine Verfassungsbeschwerde gegen das Bestandsdatengesetz vorantreibt.

Die zweite Frau nach Marina Weisband

Die Internet-Partei kämpft seit Monaten mit internen Querelen und ist in Umfragen abgestürzt. Die Hoffnung ist groß, dass die charismatische, erst 26 Jahre alte Nocun eine ähnlich wichtige Rolle spielen kann wie früher Vorzeige-Piratin Marina Weisband in gleicher Funktion.

Nocun gab sich kämpferisch: "Wir müssen als Team verdammt noch mal zusammenarbeiten, die anderen vor uns hertreiben, denn sie haben es verdient." Die Partei müsse sich nun "den Arsch aufreißen". Sie wolle von keinem Piraten mehr hören, "dass wir die Bundestagswahl nicht wuppen können".

Respekt vor Johannes Ponader

Sie selbst kandidiert in Niedersachsen auf Listenplatz 2 für den Bundestag. Die Online-Redakteurin setzte sich gegen vier Kandidaten durch und erhielt im ersten Wahlgang 796 von 974 Stimmen. Allerdings können Piraten mehrere Stimmen pro Wahlgang abgeben. In den Bundesvorstand wurden am Abend Andi Popp und Christophe Chan Hin gewählt.

Die neue an der Spitze will nun innere Strukturen und die Außendarstellung verbessern. Als Kritik an ihrem Vorgänger Johannes Ponader will sie das aber nicht verstanden wissen: "Ich habe großen Respekt davor, was er geleistet hat." Vor Kritik und den berüchtigten "Shitstorms" im Netz fürchtet sie sich nicht. So etwas habe sie persönlich nie erlebt. Gegenseitiger Respekt sei wichtig, sagt die 26-Jährige.

nik/DPA/AFP
 
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