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8. Januar 2009, 17:12 Uhr

Der Mann, der die Löschtaste fand

Anti-Ausländerwahlkampf? Verkorkste Bildungsreform? Studiengebühren? Alles vergessen. Roland Koch gibt den besorgten Landesvater, den Kümmerer, dem die Jobs in Hessen am Herzen liegen. Und der fast Totgeglaubte hat gute Chancen, damit seine politische Wiederauferstehung zu feiern. Eine Reportage von Sebastian Christ

Roland Koch, CDU, Hessen

Roland Koch auf Wahlkampftour in Hessen: Die CDU liegt in den Umfragen derzeit weit vor der SPD© Boris Roessler dpa/lhe

Es ist ein eiskalter Abend in Mittelhessen, minus 14 Grad. Gut ein halbes Dutzend Beamte des Landeskriminalamts und der Polizei betreten ein McDonald's-Restaurant in der Nähe von Gießen. Sie werden begleitet von einigen Mitarbeitern des hessischen Ministerpräsidenten. Dann geht alles ganz schnell: Ein Tross von Journalisten und Wahlkampfhelfern drängt durch die Eingangstür, Fotografen trippeln bis hinter die Theke, Blitzlichter zucken durch die Luft und die Bedienung steht fröhlich bis aufgeregt vor ihrer Kasse, wartet auf die Bestellung. Mitten drin, irgendwo, da ist Roland Koch. Er hat Hunger.

Viele Jugendliche sind hier, sie essen zu Abend oder genehmigen sich noch einen Burger, bevor sie in die Diskotheken und Bars starten. Ein kräftig gebauter Junge mit dunklen Haaren sitzt da und staunt mit offenem Mund in den Raum hinein. Er trägt eine Baseballmütze, auf der in Versalien das Wort "FICKEN" steht. Einen Tisch weiter sitzen drei Mädchen.
"Wer ist denn das da vorne?", fragt eine von ihnen.
"Kennt ihr nicht den Mann mit den grauen Haaren und der Brille?"
"Nee, wer ist denn das?"
"Das ist Roland Koch"
"Wer ist das denn?"
"Der Ministerpräsident."

Koch ist seit 14 Stunden unterwegs, er hat heute eine Wahlkampfrede gehalten, sich auf einer Podiumsdiskussion mit Auszubildenden und Studenten über Bildungspolitik unterhalten und insgesamt drei Firmen besichtigt. Er bestellt einen Royal TS im Menü, Pommes pur ohne Sauce, und setzt sich auf den Platz, den die Mädchen halb im Schreck verlassen. Schnell scharen sich Journalisten und Fotografen um ihn herum. Ein besonders neugieriger Reporter hat sich an die Kopfseite des Tisches gesetzt, wo sein rotes Plastiktablett latent absturzgefährdet auf der Plattenkante hängt. Koch - bekennender Fastfood-Fan - drückt seinen Burger zwischen Daumen und Zeigefinger und antwortet geduldig auf alle Fragen. Wie selbstverständlich redet er bei McDonald's über Strategie und Theorie im Fünfparteiensystem. Als er aufsteht, ist sein Tablett nicht nur leer gegessen, sondern auch aufgeräumt: Die Burger-Schachtel in der linken Ecke, die Pommes-Schachtel rechts. Und in der Mitte steht, wie ein Bergfried, der leere Cola-Becher. Januar 2009: Bei Roland Koch ist alles in bester Ordnung.

2008: Der Nachrichten-Hagel

An einem normalen Januartag im Jahr 2008 bedeutete Wahlkampf für Koch, dass er aus dem Bus heraus auf die ständig herab prasselnden Negativnachrichten antworten musste. Oft sah man ihn, wie er mit seiner damaligen Pressesprecherin Esther Petry im Hinterabteil seines Busses verschwand, die Tür schloss und nach Antworten auf immer neue Hiobsbotschaften suchte, die ihn in Form von Agenturmeldungen und Anrufen erreichten. Mal fanden Journalisten heraus, dass Kochs Regierung zu wenig Richter beschäftige, um straffällig gewordene Jugendliche zu verurteilen. Ein anderes Mal erfuhr er zwischen zwei Wahlkampfterminen, dass die CDU in den Umfragen um vier Prozent abgestürzt war. Vorne hockten die Politjournalisten auf den Polstern des Busses und feixten vor seiner Nase über den Abstieg eines Landesvaters, der sich mit seiner ressentimentschwangeren Kampagne beinahe um Job und Ansehen brachte. Je später im Januar 2008, desto mehr geriet der gesamte Landesverband der hessischen Christdemokraten in die Defensive. Die Kreisverbände bekamen nicht mehr genügend freiwillige Helfer zusammen, um in der heißen Phase des Wahlkampfes - wie ursprünglich geplant - einen Großteil der hessischen Haushalte persönlich zu erreichen.

Zu allem Überfluss litt Koch damals an einer schweren Grippe. Seine Stimme klang zeitweise nach dem Geräusch, das entsteht, wenn man einen zu dicken Ast in den Motorhexler wirft. Am 27. Januar, dem Wahltag in Hessen, war er nicht nur politisch, sondern auch körperlich beinahe am Ende.

2009: Dreifaches Glück

Politik kann Drama, Komödie und Heldenepos sein. Parteivorsitzende scheitern, sie blamieren sich und manchmal bewegen sie auch Großes. Roland Koch hat in der Neuauflage des hessischen Winterwahlkampfs sein eigenes Genre erfunden: Wahlkampf als Sience Fiction. Der Mann aus Eschborn ist der erste deutsche Landespolitiker, der den Delete-Knopf nach einem Wahldebakel gefunden hat. Seine Anti-Jugendkriminalitätskampagne mit ausländerfeindlichen Untertiteln: gelöscht. Die Fehlschläge in der Bildungspolitik: gelöscht. Versäumnisse in der Innenpolitik: gelöscht. Wenn er mit seinem Wahlkampfbus in diesen Tagen durch die verschneiten Mittelgebirgsdörfer der hessischen Provinz tourt, sieht er auf Plakaten sein eigenes Gesicht: Staatstragende Pose, schwarzer Hintergrund, geradlinige, serifenlose Schrift: "In Zeiten wie diesen" steht da. Und sein Foto will sagen: "braucht ihr mich".

Koch hat zeitgeschichtlich gesehen gleich dreifach Glück gehabt. Zuerst hat er ein innerparteiliches Gemetzel nach der Wahlschlappe abwenden können. Dann verprasste seine Rivalin Andrea Ypsilanti mit der Inbrunst eines Teenagers ihr eigenes politisches Kapital. Im Herbst brach schließlich die Finanzkrise über Deutschland herein, und Krisenzeiten sind immer gute Zeiten für Ministerpräsidenten. Auch wenn der nur noch geschäftsführend regiert.

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KOMMENTARE (10 von 63)
 
vegefranz (12.01.2009, 11:42 Uhr)
unheilige Kommentare
warum sollte ich dich meinen? Du bist doch völlig uninteressant
keinheiliger (12.01.2009, 03:03 Uhr)
@vegefranz
Da ich annehme, dass sie mit “unheilig“ meine Kommentare ankratzen, waere ich ihnen dankbar, wenn sie mir in diesem Thread einen nennen koennten, in dem ich die von ihren angefuehrten Termini gegen einen Foristen benutzt habe.
Sie werden keinen finden, ausser, dass ich Koch fuer einen aeusserst rechten Demagogen halte, aber selbst ihn habe ich nicht als “Nazi“ bezeichnet.
Sie sollten im Fussballblog bleiben vegefranz, da muessen sie nicht lesen koennen, sondern duerfen nach Herzenslust rumsenfen, auch wenn sie davon ebenfalls nichts verstehen.
Andererseits tragen ihre Politbeitraege haeufig zum allgemeinen Amusement bei, je nach dem was ihr Supermarkt an Hochprozentigem im Angebot hatte. Bleiben sie bei diesem Niveau, das andere koennen sie nicht. MfG
keinheiliger (12.01.2009, 02:28 Uhr)
@manesse
In welchem Gefaengnis hat sie denn eine Wahlkampfrede gehalten??
manesse (11.01.2009, 23:05 Uhr)
@keinheiliger
Es war diese Ypsilanti, die im Wahlkampf 2007/8 zu den Kriminellen ausländischer Herkunft und zu deren Sympathisanten wörtlich sagte: "Ihr gehört alle zu uns!"
Jaynay (11.01.2009, 22:43 Uhr)
unheilig?
? :D
Vegefranz - mir Verlaub, ich halte sie für einen politischen Borderliner.
Sie sehen nur schwarz und weiss und ihr Hang zum Maschosismus muss auch ausgeprägt sein, sonst würden sie hier nicht schreiben und andauernd verbal eine kassieren.
Aber mal im Ernst- Ich habe Konservative in meinem Freundeskreis, die ebenfalls Koch hassen.
Er ist ein mieser kleiner Demagoge.
Wenn die CDU jemand anderen aufstellen würde, hätte ich gar nicht mal solche Probleme damit, wenn die CDU ein paar Stimmen abbekäme?
Aber Koch ? der geht gar nicht.
vegefranz (11.01.2009, 19:15 Uhr)
dieses unheilige Geschreibsel hier ist unerträglich
typischer Gutmenschenreflex: Ist jemand anderer Meinung, muss es sich (wahlweise) um einen "Nazi", einen "Rechten" oder einen "Rassisten" handeln. armselig
keinheiliger (11.01.2009, 17:36 Uhr)
@manesse
Sie sollten sich mal ihr Geschreibsel durchlesen, welches sie hier zum Besten geben. Ihre anmassende Terminologie zeugt von einer derart antidemokratischen Haltung, bei der es einfach sinnlos ist, eine Debatte zu fuehren.
Allein ihren kosmischen Behauptungen fehlt jeder Beleg, da kann man nur den Kopf schuetteln und sich fragen, ist der Mann zu alt, zu d..m oder zu “hicks“.
Aber sie duerfen ja weiter auf eine Fuehrung hoffen, da sich die SPD noch nicht soweit demokratisch normalisiert hat, das selbst SPD Anhaenger, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, diesen angebraeunten Baumfrosch waehlen duerfen und werden.
Sei’s drum. Nochmals, viel Spass mit diesem rechten Deppen. Dazu faellt mir nur das alte Bibelzitat ein: Seelig sind die Armen im Geiste. Dem moechte ich nur hinzufuegen: Und die Reichen mit dem Rest, solange sie noch gebraucht werden.
MfG
Jaynay (11.01.2009, 16:39 Uhr)
@Manesse:
Darf ich fragen, welche Kriminellen sie da meinten?
manesse (11.01.2009, 13:47 Uhr)
@jaynay
Hingegen hat sich die SPD während des letzten Wahlkampfs mit den Kriminellen und ihren Sympathisanten gemein gemacht, weil sie auf die Wahlstimmen aus diesen Kreisen angewiesen ist. Eine Politik gegen Gewalt im öffentlichen Raum wäre von der hessischen SPD zurückgefahren worden, weil sie sich eben dem Milieu, aus dem solche Täter stammen, verpflichtet hat.
Jaynay (11.01.2009, 13:40 Uhr)
sollte koch gewinnen...
Dann spricht das für die Dummheit der Rechten.
Versteht ihr es nicht?
Selbst wenn Koch das, was er sagt, wirklich glauben sollte - er macht seinen Job nicht gut.
Seine Rezepte zur Kriminalitätsbekämpfung sind einfach nicht effektiv.
Er nutzt doch nur eure Vorurteile aus.
Mehr macht er nicht in seiner kalten Art.
Habt ihr vergessen, wer jahrelang Stellen bei Polizisten, Lehrern und Richtern gestrichen hat?
Selbst wenn ihr knallharte Law-and-order wollt - dann hat Koch jahrelang bewiesen, dass er es nicht kann.
Er ist nur ein hässlicher Demagoge, der mit seinen dicken Fischlippen einem dreist ins Gesicht lügt.
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