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11. Oktober 2009, 15:33 Uhr

Kompromisse im Schneckentempo

Ob Steuerreform, Sparmaßnahmen oder Innere Sicherheit: Die Verhandlungen zwischen CDU und FDP gehen nur zäh voran. Wann die Arbeitsgruppen zu abschließenden Ergebnissen kommen, ist unklar - doch es wird wohl länger dauern als gedacht.

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Haben noch zähe Verhandlungen vor sich: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und FDP-Vorsitzender Guido Westerwelle© Gero Breloer/AP

Auf dem Weg in ihre "Wunschkoalition" kommt Schwarz-Gelb nur sehr mühsam voran. Vor dem Start in die zweite Verhandlungsrunde an diesem Montag können Union und FDP kaum Erfolge vorweisen. Die Euphorie der Startphase ist verflogen, die Gespräche stehen unter dem Diktat des Rotstifts. Noch ist offen, wann die zehn Arbeitsgruppen zu einem Abschluss kommen und der schwarz-gelbe Koalitionsvertrag unterschriftsreif ist.

Zwei Wochen waren für die Verhandlungen zunächst angesetzt. Doch vor allem die FDP will sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen: "Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit". Die erstarkten Liberalen wissen, dass sie als kleinerer Partner vor allem in der Anfangsphase auftrumpfen müssen, wenn sie etwas erreichen wollen. Elf Jahre habe seine Partei auf diesen Moment gewartet, da könne er doch auch elf Tage länger verhandeln, meinte jüngst FDP-Chef Guido Westerwelle.

Was die Suche nach dem Kompromiss so schwer macht, ist die Ebbe in den Kassen. Weil kein Geld da ist, können Steuererleichterungen nur auf Pump finanziert werden. Dabei klaffen riesige Löcher im Etat. Die Krankenkassen, die bereits in diesem Jahr auf ein Darlehen des Bundes angewiesen sind, trudeln 2010 mit voraussichtlich 7,5 Milliarden Euro in die roten Zahlen, die Bundesagentur für Arbeit mit bis zu 20 Milliarden Euro. Der Bund wird jeweils einspringen müssen, ohne aber zu wissen, ob - und wenn ja - wann er das Geld zurückbekommt.

Die Steuerreform verschlingt 20 Milliarden Euro

Auch die versprochene Steuerreform schlägt gewaltig zu Buche. 20 Milliarden Euro will die Union dafür aus dem Bundeshaushalt bis 2013 locker machen, die FDP gerne mehr. Das Geld fehlt anschließend im Bundeshaushalt, der unter massivem Konsolidierungsdruck steht: Rund 30 Milliarden Euro sind einzusparen, um die neue Schuldenregel im Grundgesetz einzuhalten. Das entspricht etwa einem Zehntel des Bundeshaushaltes.

Als größte Sparbüchse hat die FDP das Arbeitsministerium entdeckt: Dort müssten die Ausgaben in den kommenden Jahren um bis zu 18 Milliarden Euro zusammengestrichen werden, was vor allem zu Lasten von Arbeitslosen ginge. Während die Union nur "besonders teure und ineffektive Maßnahmen" auf den Prüfstand stellen will, dringt die FDP darauf, gleich das ganze Hartz-IV-System zu entsorgen. "Wenn man das alles sakrosankt stellt, wird man die Einsparungen nicht erbringen können", sagt der FDP-Experte Heinrich Kolb.

Dass der Fortschritt in den schwarz-gelben Gesprächen eine Schnecke ist, zeigte sich in der vergangenen Woche: Nur wenige Punkte - wie die Übertragung der Bankenaufsicht an die Bundesbank - konnten abgehakt werden. Eine Einigung im Kulturausschuss, die deutsche Sprache ins Grundgesetz aufzunehmen, wurde wieder einkassiert. Verständigt haben sich die Unterhändler vor allem auf Grundsätzliches: Etwa die Anhebung des Schonvermögens sowie höhere Hinzuverdienstgrenzen für Hartz-IV-Bezieher. Die Details blieben aber offen, die Finanzierung ebenfalls.

"Die Liste der Differenzen ist wieder länger geworden", zeigte sich ein Unterhändler enttäuscht. Beide Seiten sind bei den Mühen der Ebene angekommen, mühen sich aber auch miteinander ab: In der Union schüttelt man den Kopf über "überzogene Ziele" der Liberalen und deren "Wolkenkuckucksheime". Bei der FDP heißt es, die Union habe "immer noch nicht die Koalition mit der SPD hinter sich gelassen".

Der Ton wird schärfer

Vor diesem Hintergrund deutet sich an, dass das Tauziehen um Kompromisse in der zweiten Runde heftiger wird. Es hakt besonders bei den Themen Finanzen, Innere Sicherheit, Soziales und Gesundheit. Die Verhandlungen dürften sich - sagen Insider - eine oder zwei weitere Wochen hinziehen. Erst dann wird sich erweisen, wie viel Schwarz und wie viel Gelb im Koalitionsvertrag enthalten sind.

Der Vertrag wird, davon ist auszugehen, viele Punkte offen halten und konkrete Festlegungen vermeiden. Der Grund: Im kommenden Mai sind Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen. Die Koalitionäre müssten fürchten, dort für Einschnitte bei Arbeitslosen oder Rentnern, aber auch für eine Erhöhung des Beitrags zur Krankenkasse vom Wähler abgestraft zu werden. Das wollen CDU und FDP - die in NRW gemeinsam regieren - natürlich vermeiden.

Günther Voss/DPA
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Royo (13.10.2009, 14:47 Uhr)
Das Volk wieder mal kräftig belogen
@sensitiv
Solche Versprechen werden gemacht weil die Leute es hören wollten. Da ein großteil der Bevölkerung nicht mehr in der Lage ist das eigene Hirn einzuschalten klappt es auch immer wieder. Steuersenkung ist toll da wähle ich doch mal die FDP. Die haben das ja schließlich versprochen.
Es ist halt so das sich die dümmsten Schweine ihren Schlachter selber aussuchen.
Ich bin mal gespannt wielange es noch dauert bis das Volk auf die Straße geht und die Volksverräter aus Berlin jagd.
Westerle.Merkwelle (11.10.2009, 22:58 Uhr)
Steuer Lügen haben kurze Beine
Seit Wochen will man uns einschläfern mit der Behauptung, dass die Wirtschaftskrise nicht so schlimm sei und bis zum Jahresende alles wieder so weiter gehen können wie früher. Leider fielen darauf die meisten Leute herein und gaben ausgerechnet denjenigen im Herbst wieder ihre Stimme, die durch ihre neoliberale Politik der letzten Jahre die Wirtschaftskatastrophe zu verantworten haben.

Die FDP ist verlogen! Glaube es wer will - ich niemals: Die FDP gaukelt jetzt Überraschung über die Haushaltslage.
"Kurz vor entscheidenden Arbeitsgruppensitzungen von Union und FDP zur Bildung einer neuen Regierungskoalition ließen auch die Liberalen erkennen, dass sie rasche Steuersenkungen im großen Umfang nicht für möglich halten."

Das allergrößte ist doch, wie FDP-Solms jetzt jammert, die alte Regierung hätte ihm bei den Finanzen einen Scherbenhaufen hinterlassen. Klüngelt er nicht gerade mit der alten Kanzlerin? Was soll denn da jetzt besser laufen?

Also entweder ist die FDP unfähig oder verlogen. Ich tippe auf Letzteres.


Schamlose Lügen und Schönfärbereien.

Bis heute belügen uns die Politiker über das wahre Ausmaß der Finanzkrise und die nachfolgende Wirtschaftskrise.

Die neoliberale Einheitsfront und die ihr hörigen "Journalisten" taten alles, um bis zur Bundestagswahl die Ursachen und Folgen zu vertuschen und schön zu reden. Jetzt kommen sie häppchenweise mit ihren "Erkenntnisssen".

Zum Beispiel: Steuergerechtigkeit:
Lesen Sie von Ernst Schmiederer und Hans Weiss das Buch "Asoziale Marktwirtschaft" (ISBN 3-462-03643-2), um zu erfahren, wie skandalös unsozial unsere Steuergesetze sind. Jährlich entgehen dem Fiskus 117 Mrd ? alleine durch hinterzogene Umsatzsteuern!! Das stellte bereits 2006 der Bundesrechnungshof fest. Was ist seitdem passiert? Nur soviel: Während ein Steuerfahnder im Schnitt jährlich 2 Mio Steuern eintreibt, werden die Planstellen für Steuerfahnder gestrichen!!!

Unsere Politiker lügen auch bei dem wichtigen Thema Steuerhinterziehung was das Zeug hält. Sie wollen gar keine wirkliche Bekämpfung der Steuerhinterziehung. Die Kassen sind leer.

100te Mrd ? werden den Banken geschenkt, aber für Schulen und Krankenhäuser fehlt das Geld.

Da lobe ich mir die Positionen der Linken:
http://die-linke.de/wahlen/positionen/themen_az/pt/steuerhinterziehung/ als alleinige Alternative zum Berliner Korruptions- und Selbstbedienungssumpf.
sensitiv (11.10.2009, 22:26 Uhr)
Erst versprechen dann brechen
Und das geht ganz einfach: Vor der Wahl: Man verspricht Steuersenkungen (FDP)
Nach der Wahl: Feststellung der FDP: Staatskasse ist ein scherbenhaufen und Steuersenkungen nicht möglich. Hallo? Gehts noch? Das weiss doch jeder Depp, dass die Staatskassen leer sind! Warum werden dann solche Versprechungen abgegeben????
waldfest2006 (11.10.2009, 18:03 Uhr)
Sozimod
2 Jahre sind zu lang, es wird sehr viel früher geschehen.
107Summer (11.10.2009, 17:34 Uhr)
Ganz einfach
Hartz 4 kürzen, Autobahmaut einführen, die Bahn privatisieren (geht einher mit verteuerten Fahrkarten sowie Stilllegung von nicht profitablen Nebenstrecken), Kündigungsschutz weiter kürzen, Krankenkassenbeiträge hoch setzen sowie Leistungen weiter kürzen (Stichwort "mehr Eigenverantwortung") und schon kann man die Steuern für unsere ach so geliebten Leistungsträger (Bank-ster, Versager-Manager usw. ) senken. Oder glaubte irgend ein Trottel ernsthaft daran, dass sein Arbeiter/Angestellten-Gehalt steuerlich weniger belastet wird? Arbeiter/Angestellten sind nach neoliberaler Logik keine Leistungsträger, Leistungsträger sind nach deren Usus einzig und alleine Groß-Kapital-Besitzer.
Sozimod (11.10.2009, 16:57 Uhr)
Hintertür für die SPD?
Die FDP kann in der Tat ein schwieriger Koaltionspartner sein, als die SPD. Eines wird aber wieder deutlich, die großen Wahlversprechen werden gebrochen, geshreddert. Frau Merkel hat nichts versprochen, somit wird sie auch nichts brechen. Die FDP hat einiges zu verlieren. Die einzige Möglichkeit, diese Krise in den Griff zu bekommen, wäre den Großunternehmen an die Tasche zu gehen. Dazu sind beide Parteien nicht prädestiniert. In 2 Jahren wird es Neuwahlen geben.
VolkerRockel (11.10.2009, 16:47 Uhr)
Die Tigerenten-Koaltion macht ihrem Namen Ehre!
Da hat wohl Frau Merkel jetzt ein riesiges Problem: Sie ist auf Gedeih und Verderb einer Einigung mit der FDP ausgeliefert!
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