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20. Oktober 2009, 11:12 Uhr

Neue Stipendien schon ab 2010

300 Euro pro Monat und Nase - solche Stipendien will die schwarz-gelbe Koalition bundesweit für maximal 125.000 Studenten vergeben. Die FDP, insbesondere Nordrhein-Westfalens Innovationsminister Andreas Pinkwart, drücken bei der Umsetzung aufs Tempo. Von Nikolai Fichtner

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Mehr Stipendien: Nordrhein-Westfalens Innovationsminister Andreas Pinkwart, FDP© David Ebener/DPA

Wenn es nach dem FDP-Vize geht, soll das neue Stipendienmodell bald kommen. "Die Hochschulen sollten zum Wintersemester 2010/11 loslegen können", sagte Andreas Pinkwart der Financial Times Deutschland (FTD). "Unser Ziel ist, dass bis spätestens 2015 die besten zehn Prozent der Studierenden ein Stipendium bekommen."

Damit konkretisiert Pinkwart den Beschluss der Koalitionsrunde vom Wochenende. Im Entwurf des Koalitionsvertrags ist die Rede von einem "mittelfristigen" Ausbau. Bislang bekommen nur zwei Prozent der rund 1,3 Millionen Studenten in Deutschland ein Stipendium, die meisten über die etablierten Begabtenförderungswerke. Die Koalitionäre rechnen nun mit einem schrittweisen Ausbau auf zehn Prozent, also rund 125.000 Stipendien. Das würde bedeuten, dass pro Jahr 20.000 Stipendien zusätzlich vergeben werden.

Die Ausgestaltung der neuen Stipendien in Höhe von 300 Euro steht bereits fest: Sie sollen laut Entwurf "ausschließlich nach Begabung einkommensunabhängig vergeben" und zur Hälfte von Unternehmen finanziert werden. "Vorbild ist unser Stipendienmodell in Nordrhein-Westfalen, das bereits seit diesem Wintersemester läuft", sagte Pinkwart. Dort organisieren die Hochschulen die Stipendienvergabe selbst.

"Die Koalition gibt damit ein Signal für eine neue Stipendienkultur in Deutschland", sagte Pinkwart. "Ich rechne mit einem großen Interesse seitens der Unternehmen und anderer privater Förderer." In Nordrhein-Westfalen haben Stiftungen, Verbände, Unternehmen und Private in einem ersten Testlauf im Frühjahr Mittel für 1400 Stipendien bereitgestellt. Der Mindestbeitrag beträgt 1800 Euro pro Jahr und wird von Bund und Ländern in gleicher Höhe aufgestockt. Als Gegenleistung dürfen die Unternehmen die Förderkriterien mitbestimmen. So fördert der Maschinenbauer Pleiger explizit einen Maschinenbauer und die Sparkasse Herne einen Studenten aus Herne.

Die Kosten für das bundesweite Modell betragen in der letzten Stufe 450 Millionen Euro. Die Hälfte davon kommt aus der Wirtschaft, die andere von Bund und Ländern. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) begrüßte am Montag das neue Modell als "hervorragende Idee", forderte jedoch, gleichzeitig das Bafög auszubauen. "Wir brauchen beides, mehr Stipendien und mehr Bafög", sagte DSW-Präsident Rolf Dobischat. Im Entwurf des Koalitionsvertrags heißt es lediglich, man wolle das Bafög "sichern und weiterentwickeln".

Gefunden in... Financial Times Deutschland

Von Nikolai Fichtner
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
Halodri73 (21.10.2009, 12:35 Uhr)
@graw82
Natürlich gehören auch die von Ihnen angesprochenen "Soft Skills" zu einem guten Arzt, wie zu jeder guten Führungskraft und in gewissem Maße auch zu einem Forscherspezialisten, der vermeintlich nur in seinem Labor sitzt. Diese Soft Skills zu messen übersteigt jedoch nicht nur die Fähigkeit, als auch die Ausbildung eines Hochschulprofessors!! Diese sollen sich darauf beschränken, die fachliche Leistung zu bewerten. Und NUR DAFÜR gibt es dann das Stipendium. Die Soft Skills werden später schon noch entwickelt, ansonsten gibt es von den Kollegen recht schnell Erziehungsmaßnahmen.
Ich habe übrigens nicht zufällig das Beispiel des Arztes gewählt. Denn dieser braucht natürlich auch Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit und einen starken, moralisch einwandfreien Charakter. Aber wenn ich wählen müsste, was wichtiger ist... Ich nehm das geniale Arschloch. Der nette darf später am Bett sitzen und pflegen - als Pfleger! ( Obacht, nicht abwertend gemeint gegenüber dem Pflegepersonal!!!! ) Es geht um Zielsetzung. Das Ziel ist beschleunigter Nachwuchs an Fachkräften. Dafür ist ein Stipendium ein geeignetes Mittel.
graw82 (20.10.2009, 19:25 Uhr)
@Halodri73
Sie haben vollkommen Recht: "Reiche Studenten" sollten auch Zugang zu solchen Fördermaßnahmen haben. Die Betonung liegt auf dem "auch". Bisher sieht es aber so aus, dass Kinder aus gutem Hause überproportional bevorteilt werden. Es fällt auf, dass auf dieser Ebene eine gewisse Gleichmacherei herrscht. Diese kann nicht gewünscht sein. Gerade in der Forschung werden doch auch Kreative und Unangepasst gebraucht.
Auch an anderer Stelle wird Ihre Argumentation getragen von einer zumindest fraglichen Grundannahme, nämlich jener, dass Profs und ähnliche in der Lage sind, die "Besten" zu identifizieren. Dem ist, wie ich unten schon erwähnte, nicht so. Die psychometrische Qualität von Noten an Hochschulen ist hoch umstritten, viele andere Kriterien (die man soft skills nennen könnte) wären aufwendig zu erheben und spielen daher keine Rolle. Ihr Beispiel mit dem Chirurgen will ich auch gern aufgreifen, denn in diesem Bereich bin ich auch aktiv: Nach meiner Erfahrung sind fachliche und menschliche Skills auch hier nicht voneinander zu trennen, selbst wenn viele vortreffliche "Techniker" das nicht gerne hören. Nur wer soft skills hat, wird im Team arbeiten können, andere Meinungen hören und ernstnehmen u.ä. und damit auch das bestmögliche Resultat erzielen. Wie gut gerade im Massenbetrieb Medizinstudium die Bewertungskriterien von Ausbildern funktionieren, zeigen unter zahlreichen anderen die Fälle Friedl oder Christian E.
hamburg123 (20.10.2009, 15:45 Uhr)
Ja super
jedes Jahr wird dieses Vorhaben 750 Millionen Euro kosten. Etwas viel, nicht wahr?
mighty_bender (20.10.2009, 14:53 Uhr)
Tolle Idee.
Die besten 10% derjenigen, die sich ein Studium leisten können (denn es müssen ja erst Leistungen nachgewiesen werden, damit man zu den 10% usw...). 100% derjenigen, die diesen Nachweis gar nicht erst erbringen können, weil sie sich ein Studium mittlerweile nicht mehr leisten können, gucken in die Röhre.
Halodri73 (20.10.2009, 14:49 Uhr)
@rockyciano
Stimme zu. Auch die Studiengebühren sollten an bestimmte Studienzeiten geknüpft sein. Wer im Zeitplan bleibt, wird befreit. Wer länger will, zahlt. Die menschliche Kompetenz lässt sich natürlich nicht an Noten ablesen. Aber der Chirurg darf gern ein Arsch sein, sofern er mich sauber operiert. Ist mir lieber, als ein netter Doc, der mich umbringt auf dem Tisch... Ganz plastisch gesprochen.
*gg*

Natürlich kann nur fachliche Leistung durch Noten bewertet werden, aber zunächst mal kommt es ( ob "leider" oder nicht ) darauf an.

Also sage ich: Her mit einem Belohnungssystem für gute Leistungen im Studium. Wer wie ich in Trimestern studiert hat, weiß, daß das auch nicht zuviel Stress ist...
rockyciano (20.10.2009, 14:29 Uhr)
@Halodri73
JA, wir brauchen qualifizierte Fachkräfte. Dieser Weg ist aber nicht der richtige.- Oberstes Ziel müsste es doch sein , alle Studenten mitzunehmen und zu berücksichtigen.Die Studiengebühren stellen doch für viele eine finanzielle Hürde dar. Diese müssen abgeschafft werden und würden niemanden benachteiligen.Ob zensurorientierte letzendlich auch die besseren Fachkräfte sind (Sozialkompetenz) sei dahingestellt und zu überlegen!!!
whisper (20.10.2009, 14:00 Uhr)
Ungerecht und Förderung ohne Sinn und Verstandt
Es kann doch nicht der Wille einer Gesellschaft sein, dass wir Menschen unterstützen die eh schon genügend Geld haben. Es ist doch belegt, dass die Ungerechtigkeit unseres Bildungssystems vor allen arme Kinder und Migranten trifft. Aber gerade hier ist belegt, dass wir viel Potenzial verschenken. Es ist also völliger Schwachsinn ein Stipendiumprogramm für die 10% aufzulegen die das Geld überhaupt nicht benötigen. Aber liebe Leser, die FDP will dies so, damit die Geldelite unter sich bleibt. Die FDP möchte gerne Schulgeld einführen und eine drei Klassen Bildung aufbauen. Bitte lest doch mal das Parteiprogramm und dann fragt noch mal wer diese Partei gewählt hat.
Halodri73 (20.10.2009, 13:54 Uhr)
@rockyciano
Meine Argumentation ist wohldurchdacht aber danke für den Tip.

Wenn es ein Anreizsystem zur Förderung von schulischen/studentischen Leistungen sein soll ( und nichts anderes sind Stipendien ), warum dürfen "reichere" Studenten ( und da ist sicher noch zu klären, wer das denn genau sein soll...) dann nicht mitspielen? Sind die fauler? Dümmer? Nein, ein Anreizsystem muss für alle gelten. Um mit der Herkunft verbundene Finanzielle Lücken auszugleichen, gibt es BaFöG. Letzlich geht es um das Ziel eines Universitären Bildungssystems. Und dieses Ziel ist zum einen die Erweiterung des Wissens auf allen Gebieten und zum anderen das Hervorbringen von qualifizierten Fachkräften für den Arbeitsmarkt. Mehr Geld für Leistung? Ja, bitte! Und wenn die Professoren und Dekane dann festlegen, wie hoch die Hürden sind, was ist dann daran falsch??

rockyciano (20.10.2009, 13:33 Uhr)
@Halodri73
Wer definiert oder gibt denn hier vor- was Leistung ist. Mal allen Ernstes: braucht ein besserverdienender Student noch einen Anreiz???? - Bitte überdenk deine Argumentation nochmal-ja!
graw82 (20.10.2009, 13:19 Uhr)
Ich kann.....
.....einigen meiner Vorredner nur zustimmen. Dieser Vorstoß ist absoluter Schwachsinn und passt darüber hinaus gut zu dem Verständnis eines "Leistungsträgers", das die FDP in letzter Zeit öfter propagiert hat. Die Ausbildungsforschung zeigt von Kindergarten bis Universität, wie deutlich Vorteile bei jenen angehäuft werden, die ohnehin schon die besten Grundvoraussetzungen haben. An diesem Punkt ist einfach nicht zu rütteln. Unter hunderten Studenten in einem Fachbereich jene zu identifizieren, die eine Förderung tatsächlich verdient haben, ist eine Riesenherausforderung. Ich spreche da aus Erfahrung, war selbst einige Zeit mit an solchen Auswahlen beteiligt und kann ganz klar sagen: Aus Zeitdruck, aber auch inhaltlichem Desinteresse werden am Ende meist einfach nur jene ausgewählt, die entweder in den Notenlisten ganz oben stehen oder die sich durch sonstige Oberflächlichkeiten (nicht selten ihren Namen oder ihre Herkunft) hervortun. Auch bei einigen der etablierten Förderwerke ist das so. Das darf nicht sein. Die selbsternannte Bildungselite wird damit langfristig einen ganz ungünstigen Akademiker-Prototypen schaffen. Ich persönlich habe mich entschlossen, an solchen - durchaus karriereentscheidenden - Großauswahlen nicht mehr zu beteiligen und meine Fördervorschläge anhängig zu machen von den Beiträgen in der Vorlesung. Die wird nämlich in der Regel nicht bewertet......
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