. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
19. März 2009, 09:30 Uhr

Schlacht am Little Big Matterhorn

Der Streit zwischen Finanzminister Peer Steinbrück und der Schweiz um die Rolle des Landes für Steuerflüchtlinge eskaliert zusehends. Der Minister erhält inzwischen sogar Drohbriefe aus dem Alpenland. Und das alles wegen einer kruden Wild-West-Drohkulisse, die mehr mit Kino als mit Historie zu tun hat.

Peer Steinbrück

Die Zeitung "Blick am Abend" beschreibt Peer Steinbrücks Image in der Schweiz© DPA

Der Streit zwischen der Schweiz und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück über die Rolle des Landes für Steuerflüchtlinge nimmt an Schärfe zu und hat den Charakter eines Wild-West-Duells. "Ich bekomme Drohbriefe aus der Schweiz und werde als Nazi-Scherge beschimpft", sagte Steinbrück der "Süddeutschen Zeitung". "Das ist absolut unverhältnismäßig und inakzeptabel", kritisierte er. Zugleich legte er nach: "Die Schweiz lädt Ausländer dazu ein, gegen Gesetze in ihren Heimatländern zu verstoßen", hielt der Minister dem Nachbarland vor. "Die Aufregung resultiert wohl eher aus dem Bewusstsein, dass man jenseits der internationalen Vereinbarungen steht."

Der Schweizer Wirtschaftsstaatssekretär Jean-Daniel Gerber lässt sicher aber kein schlechtes Gewissen einreden. Er wies im "Handelsblatt" den Vorwurf mangelnder Kooperation im Kampf gegen die Steuerhinterziehung zurück. "Wir haben Bundesminister Steinbrück im September Verhandlungen über das Doppelbesteuerungsabkommen angeboten, aber bis heute keine positive Reaktion darauf bekommen", sagte Gerber. "In den vergangenen sechs Monaten hat Herr Steinbrück keinen Kontakt mit unserem Finanzminister gesucht."

Steinbrück: "Niemand droht"

Steinbrück wies den Vorwurf zurück, er habe der Schweiz wegen ihrer mangelnden Kooperationsbereitschaft in Steuerdingen mit Peitsche und Kavallerie gedroht. "Niemand droht", betont er nun, das sei abwegig. Allerdings hätten die Schweiz und auch andere Steueroasen ohne weltweiten Druck wohl kaum angekündigt, das Bankgeheimnis zu lockern.

Auslöser des aktuellen Streits waren Äußerungen des Ministers nach der G20-Finanzministerkonferenz in Horsham am vergangenen Wochenende. Dort hatte der Minister gesagt, dass von der OECD eine schwarze Liste mit Steueroasen erarbeitet werden könnte, sei "die siebte Kavallerie in Fort Yuma, die man auch ausreiten lassen kann". Sie müsse aber nicht unbedingt ausreiten: "Die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt." Er hatte zugleich aber gesagt, seines Wissens stünden die Schweizer nicht auf einer solchen schwarzen Liste, die er zudem auch nicht kenne.

Zwischen Western und Historie

In der Schweiz waren Steinbrücks Äußerungen mit Empörung aufgenommen worden. Sie wurden offensichtlich als Drohung verstanden, da die siebte US-Kavallerie unter anderem für das ebenso grausame wie berühmte Massaker an einem Stamm der Sioux-Indianer am 29. Dezember 1890 bei Wounded Knee in South Dakota verantwortlich gemacht wird. Allerdings operierte die siebte Kavallerie, die zudem berühmt ist für ihre Niederlage gegen eine indianische Übermacht am Little Big Horn (25. Juni 1876), nie von Fort Yuma aus, das sich in Arizona befand. Hier vermischte der Minister wohl seine Wild-West- mit seinen historischen Kenntnissen.

Dessen ungeachtet nannte die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey Steinbrücks Worte "unannehmbar, beleidigend und aggressiv, sowohl im Inhalt als auch in der Form". In der Alpenrepublik wird daher längst mit gleicher Münze und historisch ebenso daneben liegend zurückgezahlt. Ausgerechnet einen SPD-Politiker - in unseligen Zeiten von den Nazis verfolgt und drangsaliert - betitelt die dortige Boulevardpresse nun als "Herrenmenschen" und "hässlichen Deutschen". Hinzu kommen die Drohbriefe. Steinbrücks Sprecher warf den Eidgenossen inzwischen Überempfindlichkeit vor.

Im Wilden Westen würde die Entwicklung allmählich auf ein direktes Duell zulaufen. Wie wäre es mit der filmreifen Kulisse des Matterhorns?

Reuters/dho
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
utospatz (21.03.2009, 20:18 Uhr)
@cipollo, es gab nicht immer
einen heiligen Büffel! Das mag in Indien wohl so sein! Doch in der BRD ist nur das Arschloch, das Du gewählt, Buddahs neuer Heiligenschein! Sollten dieß tatsächlich sogenannte demokratische Parteien sein?
cipollo (21.03.2009, 12:46 Uhr)
der heilige Büffel "Bankgeheimnis"
Das Bankgeheimnis ist für das Überleben des indianischen Finanzplatzes (generiert 8% des BSP) offenbar entbehrlich und wird wohl bald nicht mehr in dieser Form existieren,wie die laufenden innerindianischen Diskussionen zeigen.
Damit werden 98% der Indianer gut leben können. Aber eigentlich geht es um einen grundlegenden kulturellen Unterschied:
Wir Indianer betrachten unseren Staat als Dienstleistungsbetrieb, den wir bezahlen, in dessen Verwaltungsstrukturen wir relativ problemlos Einfluss nehmen können und der für uns arbeitet. Wir sind nicht die Untertanen des Staates; der Staat ist für uns da.
Das ist für unsere deutschen Freunde v.a. denjenigen aus preussischen Gebieten wenig nachvollziehbar oder noch etwas suspekt.
Wir Indianer kämpfen laufend dagegen, dass unser Staat sich nicht zu sehr aufbläht, zuviel Einfluss auf unsere Privatsphäre nehmen kann und zu viel unnötige Kosten verursacht. Und deswegen ist die Steuerhinterziehung in der Schweiz mit geschätzten 8% Anteil des Steuervolumens moderat, gegenüber den geschätzten 16% in Deutschland.
Und somit ist die jüngste Rhetorik des Kavalleriefeldweibels Steinbrück und von Kavalleriehauptmann Müntefering nicht nur flegelhaft, sondern auf einem heiklen historischen Kontext schockierend.
Wir Indianer fragen uns: Wie sprechen diese Leute wohl, wenn sie unter sich sind und keine Rücksichten auf Reaktionen des Publikums nehmen müssen? Und sprechen sie aus, was dem allgemeinen Konsens der Bevölkerung entspricht? Dies wäre sogar für uns Indianer beängstigend und für die vielen deutschen Freunde, die bei uns leben noch mehr.
Und da wir Indianer zurzeit keine Kriegshäuptlinge mehr haben, sondern den Harmonie suchenden Häuptling "geschmeidiger Hals", sind wir quasi als Sündenböcke prädestiniert. Und somit liegt der Gedanke nahe, dass das laute Bellen deutscher politischer Verantwortungsträger von eigenen Missständen im heimischen Stall ablenken soll. Es ist zu hoffen, dass dies durchschaut und bei den nächsten Wahlen in Deutschland entsprechend honoriert wird.
utospatz (20.03.2009, 04:30 Uhr)
Wie war das doch gleich?
Wer anderen in der Nase bohrt ist selbst ein, oder das Gleiche! z.Bsp.
Denk ich an meine Landesbank, werd ich von Geburt an schon krank! Dort haben sich Alle politische Größen die ich über die Parteiliste gewählt im Verwaltungsrat versammelt!
Welches Parteibuch hat wohl der "Z" oder "I"mwinkel? Schwarz, Rot, Grün?
Hätte er Gelb, dann wäre er der politische Neandertaler der Neuzeit!
Mit einer Schacherjustiz bin als Demokrat ich Allzeit bereit!
Welches Parteibuch hat der Steinbrück? SPD? Buchstabiert man wie A=Atom-Clement, G wie Gaz-Prom Gerd, und M wie Müller seines Zeichens parteilos wie ohne Charakter! Dann fahre ich niemals in den Hartz, sonst werd ich umgetauft, und wäre der IVte!
Oh Herr was für eine Demokratie!
grossnik (19.03.2009, 23:19 Uhr)
Einfach kein Anstand
Ok, ich bin ein Schweizer.
Wir sind es nicht gewohnt auf kriegerische Art angegriffen zu werden. Bemerkungen wie "wir könnten auch Soldaten senden" sind wirklich nicht hilfreich. Aber auch Nazi-Vergleiche von Schweizer Politikern nicht.
Aber zur Sache:
1) Seltsam, dass niemand anerkennt, dass die Schweiz ja sogar für Deutschland die Steuern einkassiert und weiterleitet. nennt sich Verrechnunssteuer: 35% vom Kapitalertrag wir einbezogen und für Deutsche Bürger nach Deutschlang gesendet. Es gibt keinen anderen Staat, der das für Deutschland macht.
2) Steuerhinterziehung im grossen Stil mach mach mit einem Trust - die sind in CH verboten. In UK aber erlaubt. Warum regt das den Finanzminister nicht auf?
Administrator (19.03.2009, 14:30 Uhr)
@Tendina
Liebe/r Tendina,
vielen Dank für Ihren Beitrag. Sie mögen mit Ihrer Einschätzung der Sprache Recht oder Unrecht haben - dasbeurteilen wir nicht. Allerdings hat es mnmaximal am Rande einen thematischen Zusammenhang mit dem Artikel und ist entsprechend als off-topic-Beitrag gelöscht worden.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
gaga007 (19.03.2009, 13:54 Uhr)
Liebe Schweizer ...
... vielen Dank für Ihre Beiträge. Bitte diskutieren Sie auch diesen Beitrag sachlich und unseren Regeln entsprechend. Unsachliche und beleidigende Beiträge werden gelöscht.
Mit freundlichen Grüßen aus Deutschland :-))
auwei (19.03.2009, 13:40 Uhr)
Steinbrück hat Recht
...in der Causa Schweiz. Seine Wortwahl mag unhöflich sein, aber sie ist amüsant. Und es stimmt: Ohne Druck würden die Helfershelfer der Steuerhinterzieher munter weitermachen. Nichts gegen kuschelige Eidgenossen, aber schon meine Oma wusste: Unrecht Gut gedeiht zwar prächtig, doch wenn mal Schluss ist, raucht es mächtig. Grüezi miteinand...
the_Nick (19.03.2009, 13:33 Uhr)
Keine-Ahnung-Steinbrück
Anstelle sich mit der Schweiz anzulegen, sollte er die Steuergesetzgebung reformieren. Oder MwSt senken...
Das ist ein Ablenkungsmanöver für ganz Blöde...
gkahr78 (19.03.2009, 13:29 Uhr)
Wieso hat er dafür eigentlich Zeit?
Sollte der gute Mann nicht damit beschäftigt sein die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu verbessern und sich überlegen, wie er die Milliarden wieder hereinbekommt, die er die letzten Monate verschenkt hat.
.
Warum muss er ausgerechnet Indianer und Kavallerie als Vergleich nehmen. Wir wissen ja alle, was die gloreiche Kavallerie mit den Indianeren gemacht hat - aktiver Völkermord.
Lenn01 (19.03.2009, 13:25 Uhr)
Wo rohe Kräfte sinnlos walten
Es ist jetzt schon der zweite Kommentar dieser Art (1. Peitsche, 2. Indianer). Mit dieser Krawallrhetorik kommt man nie weit, wenn man ernsthaft an Lösungen und Kooperation interessiert ist. Wenn man dann noch die verbale Entgleisung von Müntefering dazunimmt ("früher hätte man Soldaten geschickt") dann ist die Empörung der Schweiz nicht nur zu verstehen, sondern vor allem auch berechtigt. So spricht man nicht mit einem souveränen demokratischen Staat.
Es geht hier auch Herrn Steinbrück nicht um die Millionen in der Schweiz. Es geht ihm hier einzig und allein um ein populäres Thema im Wahlkampf. Da sich die SPD wie ein Hühnerhaufen benimmt, der Partei in Basisproblemen die Antworten fehlen und auch keine Besserung in Sicht ist muss man halt mit anderen Themen Aufmerksamkeit erringen. So jedenfalls das Kalkül.
Aber wenn er sich schon des Themas annimmt, dann sollte er genau die gleiche Rhetorik gegenüber England (Steuerparadiese Kanalinseln usw.) benutzen. Aber dazu fehlt im das Rückgrat.
MEHR ZUM ARTIKEL
Botschafter einbestellt Steinbrück erzürnt Schweizer

Da lockert die Schweiz nach langem Ringen ihr "heiliges" Bankgeheimnis - und Finanzminister Peer Steinbrück wird noch beleidigend. Vollkommen "inakzeptabel" findet die Regierung in Bern das Verhalten des deutschen Ministers. Berlins Botschafter in Bern wird nun einbestellt; schon zum zweiten Mal wegen Steinbrück. mehr...

Finanzpolitik Schweiz lockert offiziell Bankgeheimnis

Die Aussicht, auf einer von den G-20-Staaten geführten Schwarzen Liste für Steuerschlupflöcher zu landen, hat die Schweiz offenbar einlenken lassen. Das Land hat nun offiziell sein Bankgeheimnis gelockert und damit eine Bastion eingerissen. Österreich, Liechtenstein und Luxemburg reagierten ebenfalls. mehr...

Steuerflucht Generalangriff aufs Bankgeheimnis

Bislang blitzten Steuerfahnder regelmäßig ab, wenn sie Bankkonten in der Schweiz, in Liechtenstein oder Österreich einsehen wollten. Das Einlenken des sonst so verschwiegenen Großinstituts UBS zeigt: Die für Kunden so attraktive Verschwiegenheit ist europaweit in Gefahr. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe