10. November 2009, 23:48 Uhr

Robert Enke begeht Selbstmord

Der deutsche Fußball steht unter Schock: Nationaltorhüter Robert Enke ist tot. Sein Berater erklärte, der 32-Jährige habe sich selbst das Leben genommen. Enke hinterlässt Frau und Kind.

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Gegen 18.25 Uhr wurde Robert Enke in Neustadt am Rübenberge von einem Zug erfasst und getötet

Nationaltorwart Robert Enke ist tot. Sein Berater Jörg Neblung erklärte am späten Dienstagabend, der Fußball-Nationaltorhüter habe sich das Leben genommen. "Es war Selbstmord", sagte Neblung der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Zuvor hatte bereits die Polizei darauf hingewiesen, dass vieles auf einen Suizid des 32 Jahre alten Fußballprofis von Hannover 96 hindeute. "Es hat einen tödlichen Unfall an einem Bahnübergang gegeben", sagte der Leitende Beamte vom Dienst, Olaf Schanz, auf Anfrage von stern.de. Alles spreche für eine Selbsttötung: "Bei einem Unfall am Gleiskörper mit einem Zug muss man von Selbstmord ausgehen", so Schanz wörtlich. Enke sei gegen 18.25 Uhr an einem Bahnübergang in Neustadt am Rübenberge, in der Nähe seines Wohnorts, von einem Zug erfasst und tödlich verletzt worden.

Auf einer Pressekonferenz in der Nacht berichtete die Polizei, Enke habe sein Auto etwa zehn Meter von den Gleisen entfernt abgestellt. Der Spitzensportler habe sein Portemonnaie auf dem Beifahrersitz des nicht verschlossenen Wagens liegenlassen. Anschließend müsse Enke mehrere Hundert Meter an den Gleisen entlang gegangen sein, bevor er von einem aus Bremen in Richtung Hannover fahrenden Regionalzug erfasst wurde.

In einer ersten Befragung gab der Zugführer zu Protokoll, dass er eine Person auf den Gleisen habe stehen sehen. Er und ein weiterer im Führerhaus anwesender Lokführer hätten sofort eine Notbremsung eingeleitet. An der Unglücksstelle fahre der Zug aber mit hohem Tempo, sodass die Notbremsung letzlich nicht ausgereicht habe. Weitere Augenzeugen für das Unglück gibt es laut Polizei nicht. Fragen nach einem Abschiedsbrief Enkes wurden nicht beantwortet.

"Das ist ganz furchtbar"

Der verheiratete Fußballprofi und seine Frau hatten vor drei Jahren ihre Tochter Lara im Alter von zwei Jahren verloren, die an einem angeborenen Herzfehler litt und im Krankenhaus starb. Der aus Jena stammende Enke hinterlässt außer seiner Frau Teresa eine acht Monate alte Tochter, die das Paar im Mai adoptiert hatte.

Der für Hannover 96 spielende Enke war in diesem Jahr wegen einer rätselhaften Viruserkrankung länger ausgefallen. Er hatte acht Mal für die Nationalmannschaft gespielt. "Das ist ganz furchtbar", sagte der Präsident des Fußball-Bundesligisten Hannover 96, Martin Kind. Er war von der Sitzung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zurückgekehrt, auf der er die 50+1-Regelung kippen wollte, und bekam am Flughafen den schockierenden Anruf. "Man rechnet mit vielem, aber nicht mit so etwas", sagte Kind der DPA. "Ich weiß nicht, warum es und wie es passiert ist", so Kind. Der 96-Chef zeigte sich jedoch sicher, "dass es nichts mit Fußball zu tun hat. Er war labil. Er hat das überlagert."

"Deutschland verliert einen Ausnahmesportler"

Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) wurde die Nachricht mit "tiefer Fassungslosigkeit" aufgenommen. Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff informierten die Spieler und Betreuer im DFB-Quartier in Bonn. "Wir sind alle geschockt, uns fehlen die Worte", sagte Bierhoff. DFB-Präsident Theo Zwanziger ergänzte: "Wir sind fassungslos und voller Trauer. Unser ganzes Mitgefühl gilt der Frau von Robert Enke und seiner Familie."

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) zeigte sich ebenfalls tief betroffen. "Deutschland verliert einen Ausnahmesportler und einen sensiblen Menschen, der für viele ein Vorbild war. Wir trauern um ihn und unser Mitgefühl ist bei seiner Frau, seiner Familie, seinen Angehörigen und vielen Freunden."

Enke hatte wegen einer Erkrankung, die als Bakterien-Infektion des Darmes angegeben wurde, zuletzt Qualifikationsspiele für die Weltmeisterschaft verpasst. Er war auch nicht für die beiden Länderspiele gegen Chile und die Elfenbeinküste am 14. und 18. November eingeladen worden. Löw hatte dem Hannoveraner aber deutlich signalisiert, dass er weiter ein Favorit auf die Nummer eins bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika sei.

Nach der EM und dem Rücktritt von Jens Lehmann war Enke bald Stammtorhüter der DFB-Auswahl geworden. Sein erstes Länderspiel bestritt Enke vor zwei Jahren beim 0:1 gegen Dänemark. Bereits beim Confed Cup 1999 hatte er zum DFB-Kader gehört, blieb aber ohne Einsatz. Insgesamt hütete er in sechs von elf Länderspielen in der Saison 2008/09 das Tor.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 43)
 
Administrator (11.11.2009, 14:23 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre vielen Beiträge. Wir haben ein Kondolenz-Buch eingerichtet, in dem Sie Ihre Gedanken zum Tod von Robert Enke sowie Ihre Beileidswünsche an die Familie hinterlassen können, Sie finden es hier http://www.stern.de/sport/fussball/kondolenz-buch-ihre-gedanken-zum-tod-von-robert-enke-1521029.html.

Die Kommentare zu diesem Artikel schleißen wir an dieser Stelle.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
Administrator (11.11.2009, 10:37 Uhr)
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle einige pietätlose Kommentare und die sich darauf beziehenden Antworten gelöscht. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl.

Herzliche Grüße

Ihre stern.de-Admins
Wakecountyman (11.11.2009, 01:32 Uhr)
Lieber Robert
Ich hoffe Gott hat Gnade und Mitgefuehl.
Ich bete fuer dich und deine Tochter und das ihr zwei jetzt fuer immer zusammen bleiben koennt.
Wir alle kennen dich und wir lieben dich und wir werden dich nicht so schnell vergessen.
Wie traurig und verzweifelt musst du gewesen sein. Haettest du uns doch nur ein ganz kleines Zeichen gegeben.
Wir waeren alle aufgesprungen und zu dir gelaufen um dir zu helfen.
Menschen koennen nicht immer mit ihrem Schicksal umgehen. Aber wir alle koennen eine Gemeinschaft sein und helfen. Robert Enke wir lieben dich und wir alle respektieren dich. Es tut uns einfach schrecklich leid. Es macht uns traurig das wir dich alleine gelassen haben.
Nimm deine Tochter an die Hand, halte sie im Arm . Gott wir dich aufnehmen.
Cosmopolitan173 (11.11.2009, 01:28 Uhr)
Lieber Robert
Obwohl ich mich wohl als Fußballfan bezeichnen kann, bist du mir nie besonders aufgefallen, hattest nie die Möglichkeit mich so richtig zu begeistern. Nun bist du die Topschlagzeile auf jeder deutschen Internetseite, du bist die Eilmeldung, die mich seit halb neun vor dem Computer sitzen lässt.
Es ist mühselig über die Gründe für das, was heute Abend geschehen ist, nachzudenken. Eigentlich wollte ich dir nur sagen, dass es mir unendlich leid tut, dass du auf der großen, weiten Welt keinen Platz, keine Aufgabe und keinen Sinn mehr für dich finden konntest. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass der Ort, an dem du dich jetzt befindest, eine solche Lücke für dich bietet und dir die Möglichkeit gibt, deine kleine Tochter in die Arme zu schließen. Ruhe in Frieden.
Bebuquin (11.11.2009, 00:53 Uhr)
Wie wärs, wenn...
... man im Titel das Wort "Selbstmord" durch ein passenderes, weniger (ab)wertendes ersetzt?
jackiki (11.11.2009, 00:13 Uhr)
mein mitGEFÜHL...
...für ROBERT ENKE und für sonst niemanden!!!
meine güte, was für eine kranke welt in der ein mensch nicht weiter weiß als sich umzubringen!
JoeSkeleton (10.11.2009, 23:49 Uhr)
ich weiss nicht
welche Gedanken Robert dazu bewegt haben,Suizid sollte niemals eine Alternative sein.Bin immernoch geschockt,kann icht glauben das es so war,wie es geschildert wird,und wie es wohl auch zutrifft.Wenn man sich vor einen Zug wirft,dann bedeutet das,das man wirklich ein Ende setzten will,und nicht nur ein Warnzeichen setzen möchte.Er hat seine Qual hinter sich,seine Angehörigen werden dieses grausame Ende mit ins Grab nehmen.
Mach`s gut Robert,du warst ein feiner Kerl.Ich hoffe und bete,das du deinen Frieden findest.Deiner Familie wünsche ich all die Kraft,um dieses Schicksal zu verarbeiten...
HombreUno (10.11.2009, 23:36 Uhr)
@Kleinformat
Egoistisch und Feige ist es, wenn Sie die Entscheidung Ihres Vaters nicht respektieren. Nur weil man als Angehöriger die Gründe für eine solche Entscheidung nicht kennt oder nicht verstehen kann, sollte man sie doch respektieren. Es kann eine absolut reale Entscheidung gewesen sein, die unter Abwägung aller Bekastungen für die Familie zu Stande kam. Das Problem ist natürlich, dass ein Vater seinem Sohn diese Abwägungen nicht mehr mitteilen kann. Die Tochter des Fussballers wird genau wie Sie und ich damit leben müssen.
wotan3101 (10.11.2009, 23:15 Uhr)
Traurig
Ich bin einfach nur traurig das dieser sympathische Sportsmann so früh von uns gehen musste. Als Fan der Kölner Haie musste ich schon den viel zu frühen Tod von Robert Müller ertragen, aber das ist genau so tragisch.. Mein aufrichtiges Beileid an die Familie von Robert Enke, er möge in Frieden ruhen
afsoen (10.11.2009, 23:07 Uhr)
@kleinformat
ein hervorragender Beitrag, der es auf den Punkt bringt. Mein Mitgefuehl gilt ebenso den Hinterbliebenen aber auch den Menschen, deren Schmerz so ueberwaeltigend scheint, dass sie nicht mehr weiterleben moechten.
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