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7. November 2009, 20:19 Uhr

Es brennt lichterloh

Die Bayern sind nach dem enttäuschenden Remis gegen Schalke auf den achten Tabellenplatz abgerutscht. Der Rekordmeister steckt in einer schweren Krise - endgültig. Vor dem Spiel attackierte Philipp Lahm die Club-Führung, Uli Hoeneß kündigte Konsequenzen an. Die Bayern stehen kurz vor der Explosion. Von Sebastian Gierke, München

Zoom
bayern, wolfsburg

Philipp Lahm: Ein Interview als Brandbeschleuniger© Oliver Lang/DDP

Im Spielertunnel, Sekunden vor dem Anpfiff dieses für den FC Bayern so bedeutenden Bundesligaspiels gegen den FC Schalke 04, drängelt Philipp Lahm durch seine Mannschaftskollegen nach vorne. Er drückt sich an seinen Mitspielern vorbei, tätschelte jeden freundschaftlich ab, die meisten tätscheln zurück. Sogar Anatoliy Tymoshchuk. Und auch Mark van Bommel. Alle Augen waren jetzt auf Philipp Lahm gerichtet. Denn Philipp Lahm hatte ein Interview gegeben, das in der Arena in Fröttmaning einschlug, wie eine Bombe. Dieses Interview, es wird die Bayern noch lange beschäftigen.

Dabei hätte es auch andere interessante Geschichten gegeben: Die Rückkehr von Felix Magath nach München, der in der vergangenen Saison, damals noch Trainer beim VfL Wolfsburg, mit einem 5:1 und einem Torwartwechsel den FC Ruhmreich demütigte. Es war der Anfang vom Ende der Ära Jürgen Klinsmann. Das magere 1:1 gegen Schalke könnte der Anfang vom Ende der Regentschaft Louis van Gaals in München sein.

Was Manager Uli Hoeneß nach dem Spiel sagte, muss für van Gaal bedrohlich klingen: "Wir werden in aller Ruhe bis Weihnachten abwarten. Und dann schauen was Sache ist." Im Klartext: Bei Bayern brennt es nach dem Beinahe-Aus in der Champions League und dem nicht gewonnen Heimspiel gegen Schalke lichterloh. Und Philipp Lahm könnte als Brandbeschleuniger fungieren.

Lahm analysiert schonungslos
Wieder einmal. Er hatte sich auch unter Klinsmann als erster mit heftiger Kritik zu Wort gemeldet. So wie jetzt vor dem Spiel gegen Schalke. In der "Süddeutschen Zeitung" zerlegte der Nationalspieler seinen FC Bayern in die Einzelteile, es war eine Generalabrechnung mit dem Verein, mit der Führung, mit seinen Mannschaftskollegen. Lahm schonungslos: "Ich glaube einfach, unser größtes Problem liegt im Mittelfeld. Man macht uns ja den Vorwurf, dass wir zu viel hinten herum spielen. Nur: Wen soll man denn anspielen? Wo ist jemand, der mal was bewegt, der den Ball zur Seite mitnimmt, nach vorne schaut und irgendwie den Ball durchsteckt, dass man nachrücken kann? Das passiert bei uns kaum." Ein böses Foul gegenüber seinen Mannschaftskollegen, vor allem gegenüber Anatoly Tymoshchuk und Kapitän van Bommel. Solche Sätze direkt vor einem wegweisenden Spiel, das braucht Mut, da muss sich sehr viel Unzufriedenheit, sehr viel Ärger, sehr viel Frust angesammelt haben. Und natürlich ist es eine Binse, dass solchen Worten Taten folgen müssen, sonst steht man schnell als Nestbeschmutzer da - und alleine.

Das Spiel beginnt, der erste Pass Lahms: zum Gegner. In der neunten Minute ließ sich der Nationalspieler auf seiner rechten Seite überlaufen. Doch dann steigerte sich Lahm - wie die gesamte Mannschaft. Der FC Bayern war die bessere Mannschaft, überlegen. Wieder einmal. Schon vor dem Spiel war viel von den Fehlervermeidungs-Bayern die Rede gewesen. Von einer Mannschaft, die jedes Spiel dominiert, die überragende Werte hat, was den Ballbesitz angeht, der aber im Spiel nach vorne der Mut fehlt, nichts gelingen mag. Ein Loch klaffe im Mittelfeld, ein Kreativloch. Van Bommel hatte gescherzt: "Wir spielen schneller als vergangene Saison." Kunstpause. "Schneller quer." Galgenhumor.

Tatsächlich hatte sich die Mannschaft etwas vorgenommen. Man konnte das Bemühen erkennen, schneller nach vorne zu spielen. Dennoch blieb vieles Stückwerk, meist wurden die Bälle einfach hoch vor geschlagen, die zündende Idee fehlte. Und so musste eine Standartsituation helfen. In der 31. Minute fiel Daniel van Buyten nach einem Freistoß der Ball vor die Füße, er musste nur noch einschieben. Die Freude währte nicht lang. Kurz vor der Halbzeit machte der Überraschungscoup Magaths, Joel Matip, ansonsten bei Schalkes A-Junioren am Ball, nach einem Freistoß den Ausgleich. Der 18-jährige Matip, der Mann des Tages auf Schalker Seite, sagte nach dem Spiel, er müsse am Montag wieder in die Schule. Dann schleppte er die Kiste mit den Fußballschuhen zum Bus. Den Bayern bleibt nichts erspart.

Affront von Toni gegen den Trainer
Das restliche Spiel, nichts Neues: Die Bayern waren überlegen, Ballbesitz 61 Prozent, erspielten sich auch ein paar Chancen. Vor allem die Hereinnahme von Arjen Robben brachte Schwung. Wieder einmal. Doch es reichte nicht, um noch ein Tor zu erzielen. Wieder einmal. Luca Toni, der für Robben in der Halbzeit ausgewechselt worden war, verließ gleich nach dem Duschen das Stadion. 51. Minute. Ein Affront gegen den Trainer, gegen den Verein, ein gewaltiger Aufreger. Eigentlich. Wäre da nicht Philip Lahm und dessen Interview gewesen.

Der FC Bayern ist in der Tabelle auf Rang acht abgerutscht. Das ist in München ein großes Problem. Doch auch ein strukturelles Problem wird immer offensichtlicher. Der Verein ist ein Fußballclub ohne Philosophie, ohne eine fußballerische Identität. In der ersten Halbzeit versuchte man es mit der Brechstange und einem 4-4-2-System. In der zweiten mit einem schöner anzuschauenden, aber ebenfalls uneffektiven 4-3-3.

Philipp Lahm hat das erkannt. Für ihn ist das das größte Problem beim FC Bayern. "Wenn man unsere Mannschaft mit anderen Topteams vergleicht, dann sind diese eben auf sieben, acht Positionen strategisch erstklassig besetzt - und das fehlt uns." Bayern fehle eine klare Philosophie. Im Spiel und bei den Transfers. Zwar habe der Verein ordentlich investiert - "aber ich glaube, in der Vergangenheit lief das mit den Transfers nicht immer glücklich. Vereine wie Manchester oder Barcelona geben ein System vor - und dann kauft man Personal für dieses System. Man holt gezielt Spieler - und dann steht die Mannschaft." Deutlicher geht es nicht. Das geht gegen die Oberen. Doch die Oberen scheinen beim FC Bayern unangreifbar. Der Trainer nicht.

Und die Oberen werden das keinesfalls auf sich sitzen lassen. Er werde das Interview am Wochenende mal in aller Ruhe lesen, sagte Uli Hoeneß nach dem Spiel. Er sagte es ganz ruhig. Wenn Uli Hoeneß etwas so ruhig sagt, dann sollte man den Kopf einziehen, dann steht er kurz vor der Explosion. "Wir werden darüber in der nächsten Woche reden, in meinem Büro." Hoeneß lächelte, er lächelte grimmig. Es mache keinen Sinn jetzt Urteilssprüche abzugeben. Und dann: "Sie können sich sicher sein, dass er dieses Interview noch bedauern wird". Philipp Lahm jedenfalls drängelte nach dem Spiel nicht mehr nach vorne. Er tauchte ab.

Von Sebastian Gierke, München
KOMMENTARE (10 von 28)
 
asbaminga (09.11.2009, 12:22 Uhr)
Chapeau für Lahm
Er hat Recht. Schlicht und einfach! Das Interview ist hervorragend, sachlich und gut durchdacht. Der Zeitpunkt hervoragend gewählt- er konnte sicher sein, die volle Aufmerksamkeit aller zu bekommen. Die Strafe wird er einkalkuliert haben, und mit Sicherheit hat er im Vorfeld versucht, mit der Führung des FCB zu reden. Bei denen beginnt aber vermutlich der Altersstarrsinn.. und Majestätsbeleidigungen waren und sind in Bayern kein Kavaliersdelikt. Ich bin sehr gespannt, ob und wie die Führung des FCB reagiert, wenn sie das Interview selbst analysiert haben und wenn die Wut dem Verstehen weicht.....Hut ab vor Philip Lahm, der sich richtig verantwortlich fühlt für seinen Verein und seine Mitspieler..wenn man das Interview nämlich richtig liest, übt er keinerlei Kritik an seinen Spielern und dem Trainer, im Gegenteil!!
Administrator (09.11.2009, 09:28 Uhr)
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle einige Kommentare gelöscht. Bitte diskutieren Sie das Thema sachlich.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
duxgermany@gmx.de (08.11.2009, 18:57 Uhr)
Hoeness,Rummenigge usw.
Wir schreiben heute ein historisches Datum.
Fall der Mauer und Abgang der Betonköpfe.
Wenn ein verdienter und pfiffiger Spieler des FCB seine berechtigte und korrekte Meinung sagt , damit > ? 50.000 Strafe bezahlen soll, haben Sie meine Herren die Zeichen der Zeit nicht verstanden.
muemmelfrau (08.11.2009, 14:10 Uhr)
lachhaft
ich will bezweifeln das dem ph. lahm das interview noch "leid tun wird".
über ne geldstrafe kann der blos lachen und welche konsequenzen sollte der fürchten ?? das er am ende doch noch zum FC Barcelona muss ??
DasBertl (08.11.2009, 12:33 Uhr)
@vegefranz
Sehen Siem dass sieht man in Bayernm bzw. bei den FCBayernfans dann doch etwas anders: Die fühlen sich vom Schiedsrichter immer benachteiligt. Nicht umsonst sind die zwei meistgesungenen Fanlieder in der Arena: "Schiri wir wissen wo Dein Auto steht" und "Du bist scheisse wie der Helmut Krug". Schiedsrichterbashing ist nicht angebracht, egal von welcher Seitem schließlich sind auch das nur Menschen und es gäbe nur eine Möglichkeit, dran etwas zu ändern: Microchips in die Bälle und der Videobeweis....
Doch so lange die Tatsachenentscheidung gil, wird es immer Fehler geben. Oder wie man im Volksmund sagt: "Wo gehobelt wird da fallen Späne". Wo gearbeitet wird, werden Fehler gemacht, nur wo nicht gearbeitet wird, passieren keine Fehler... (da bin ich mal gespannt wie das ohne Schiedsrichter aussähe; wohl nach Fightclub mit Ball....).

Aber naja, ist ja nichts neues, dass Sie die Realität am Eingang zur VR regelmäßig abgeben....
Padi908586 (08.11.2009, 12:01 Uhr)
Lahm hat recht...
das Bayern diese Saison nichts reissen wird war vorher schon klar. Und Lahm hat mit dem Interview schon vollkommen recht. Man kann nicht einfach 10 neue Spieler holen, dann einen Trainer, der kein Konzept hat und schon in Barcelona probleme mit Stars hatte. Wer nach einem Drittel der Saison immer noch nicht seine Stammelf, Taktik und Spielweise kennt ist als Trainer ne wurst. Den groessten Scheiss haben aber Ulli und KHR in den letzten Jahren verbockt. Die Transfer politik ging voll in die Hose.
vegefranz (08.11.2009, 11:01 Uhr)
ohne ständige Bevorzugung durch die Schiedsrichter hätten die Seppls 1/6 der Meisterschaften


die ständige Bevorzugung durch die Schiedsrichter ist besorgniserregend. Die Bundesliga ist keine Veranstaltung, bei welcher die Chancengleichheit gewährleistet ist

In der CL pfeiffen die Schiris objektiv. Ergo:

Keine Chancen für die Seppls

silver-quattro3.0 (08.11.2009, 10:34 Uhr)
es ist immer leicht....
........den Chef´s die Schuld zu geben wenn die Angestellten Mist bauen. Dass Lahm auf der linken Seite besser ist, hat man doch gestern wieder gesehen. Weshalb beharrt er dann auf die rechte Seite? Da muß er sich schon an die eigene Nase fassen. ZUGEGEBEN - Bei den Bayern läuft´s im Moment nicht rund .Dies ist aber nicht das Ende! Bei wievielen Clubs ist das denn nicht so- über die Zeit ? Bei allen ! Und da wird kein Bahöö daraus gemacht. Da wird nicht von den Clubgegnern beleidigt, so wie es z.B. Vegefranz mit seinem Dreifach-Account macht. Wir Bayern-Mitglieder sehen es ganz gelassen. Jeder Motor braucht einmal eine Inspektion. Und wenn man schon von den Spielern spricht: Die Zeit des überaus sympathischen Klose ist eben um. Gomez ist ein faules Früchtchen der in seiner Überheblichkeit meint, alle müssten für Ihn da sein, die Bälle nicht erarbeiten zu müssen. Von Ribery hat man sich zu abhängig gemacht. Die Fehler mit den Verkäufen von Ze Roberto und Lucio hat man längst eingesehen. Und wer macht schon keine Fehler ? ? Na ja, die eben die gar nichts tun. Und wer von den Usern den Bayern das CL-Aus wünscht, zeigt doch seine Gesinnung. Anstelle zufrieden zu sein daß Deutsche Clubs da mitmischen und auf diese Weise die BULI stützen. Aber so ist es halt bei schlichten Gemütern: Hass um jeden Preis.
Zugegeben: Robben hätte gestern eine rote Karte verdient ? da war der Schiri nicht konsequent. Zum Ausgleich hat er die bei einem Schalker auch stecken lassen.
Also, gelassen bleiben und auch ´mal die Hassbrille ablegen.
silver-quattro3.0 (08.11.2009, 10:33 Uhr)
es ist immer leicht..
........den Chef´s die Schuld zu geben wenn die Angestellten Mist bauen. Dass Lahm auf der linken Seite besser ist, hat man doch gestern wieder gesehen. Weshalb beharrt er dann auf die rechte Seite? Da muß er sich schon an die eigene Nase fassen. ZUGEGEBEN - Bei den Bayern läuft´s im Moment nicht rund .Dies ist aber nicht das Ende! Bei wievielen Clubs ist das denn nicht so- über die Zeit ? Bei allen ! Und da wird kein Bahöö daraus gemacht. Da wird nicht von den Clubgegnern beleidigt, so wie es z.B. Vegefranz mit seinem Dreifach-Account macht. Wir Bayern-Mitglieder sehen es ganz gelassen. Jeder Motor braucht einmal eine Inspektion. Und wenn man schon von den Spielern spricht: Die Zeit des überaus sympathischen Klose ist eben um. Gomez ist ein faules Früchtchen der in seiner Überheblichkeit meint, alle müssten für Ihn da sein, die Bälle nicht erarbeiten zu müssen. Von Ribery hat man sich zu abhängig gemacht. Die Fehler mit den Verkäufen von Ze Roberto und Lucio hat man längst eingesehen. Und wer macht schon keine Fehler ? ? Na ja, die eben die gar nichts tun. Und wer von den Usern den Bayern das CL-Aus wünscht, zeigt doch seine Gesinnung. Anstelle zufrieden zu sein daß Deutsche Clubs da mitmischen und auf diese Weise die BULI stützen. Aber so ist es halt bei schlichten Gemütern: Hass um jeden Preis.
Zugegeben: Robben hätte gestern eine rote Karte verdient ? da war der Schiri nicht konsequent. Zum Ausgleich hat er die bei einem Schalker auch stecken lassen.
Also, gelassen bleiben und auch ´mal die Hassbrille ablegen.
mariahellwig (08.11.2009, 10:04 Uhr)
Ball hinten raus spielen
Philipp Lahm hat recht. Es fehlt jemand der das Spiel von hinten heraus eröffnen kann. Wo man wieder beim Thema Ballack ist. Man hat ihn auch nach 3 Jahren nicht adäquat ersetzen können!
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