Was Milliardär Hopp verschweigt

16. November 2012, 14:00 Uhr

Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp will den Vorwurf entkräften, dass er seinen Bundesligisten einem umstrittenen Spielerberater ausliefert. Dabei spart er Fakten aus. Von Wigbert Löer

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Hoffenheim, Dietmar Hopp, Roger Wittmann, Markus Babbel, Transfer

Bezeichnet sich selbst als "Mäzen und Investor": Dietmar Hopp, das Gesicht der TSG 1899 Hoffenheim©

Das hat dem Milliardär nicht gefallen. Wütend war Dietmar Hopp, als stern und stern.de vor zwei Wochen über den Mäzen der TSG Hoffenheim und über den Spielerberater Roger Wittmann berichteten. Der Tenor der Texte: Bei dem Bundesligisten verfügt Hopps Freund Wittmann über gewaltigen Einfluss. Hopp bezeichnet den stern-Bericht "Kein Märchen mehr" als "infam" und "unterste Schublade".

Hopp, der bei der TSG dem Beirat vorsitzt und auch im fünften Bundesliga-Jahr das Gesicht des Klubs ist, weil neben ihm niemand wachsen konnte - er scheint kein Korrektiv zu besitzen bei der TSG. Roger Wittmann allerdings hört er zu. Ein Teil der Hoffenheim-Fans fürchtet daher, dass es ihrem Klub so ergehen könnte wie schon dem FC Schalke und dem 1. FC Kaiserslautern. Auch dort platzierte Wittmanns Agentur Rogon zahlreiche ihrer Spieler - und mehrte so Wittmanns Einfluss. Hopp nennt das kurzerhand "Märchen" - als hätten Journalisten und besorgte Fans sich all die Spielerwechsel und Vertragsverlängerungen einfach ausgedacht.

Nun traten Hopp und Wittmann gemeinsam vor Fanklub-Vertreter, um ihre Sicht der Dinge zu schildern. In einem Hörsaal der Software-Firma SAP war vom Spielerberater Wittmann zu erfahren, dass er Schalke-Fan ist und dass es Hoffenheims Torwart Tim Wiese im Moment nicht so gut geht. Wiese ist einer der vielen Spieler, die Wittmann für ein ordentliches Vermittlungshonorar zur TSG Hoffenheim brachte.

Hopp erwartet Dankbarkeit

Dietmar Hopp erzählte den Fans zuerst einmal, wie er die TSG Hoffenheim in die Bundesliga brachte. Die Geschichte von einem Fan war das, der es gut meint mit seinem Heimatklub und alles richtig machen will - Hopp hat sie schon oft erzählt. Dass der Mäzen und Investor mitten in diesem Prozess kurzzeitig auch mal mit einer Spielgemeinschaft nordbadischer Kleinklubs erstklassig werden wollte, mal in Heidelberg ("FC Heidelberg 06"), mal in Walldorf ("FC Rhein-Neckar"), ließ er lieber unerwähnt.

Dafür machte Dietmar Hopp an diesem Abend klar, wie sehr die TSG 1899 Hoffenheim und der umstrittene Spielerberater Wittmann interagieren. Zuerst gab Hopp bekannt, auch Wittmann habe "dafür den Ausschlag gegeben", dass Hoffenheim 2006 den Trainer Ralf Rangnick geholt habe. Rangnick steht bei den Fans für vergangene, bessere Zeiten. Hopp ging offenbar davon aus, dass die Fans Wittmann dafür nun danken würden.

Hopp rühmt Wittmann für Eduardo und Gustavo

Der Milliardär bestätigte zudem, dass Wittmanns Agentur Rogon auch den Serben Filip Malbasic zur TSG vermittelt habe. Das wussten zuvor nur wenige, auch Rogon selbst hat es auf seiner Homepage nicht vermerkt. Malbasic ist der Rogon-Spieler Nummer acht, den die TSG aktuell unter Vertrag hat. Er ist 19 Jahre alt, seine Verpflichtung verhöhnt geradezu den von Hopp immer wieder geäußerten Wunsch, dass der Verein Spieler aus der eigenen Jugend in die erste Mannschaft integrieren soll. Wohl deshalb sagte der 72-Jährige an dieser Stelle nicht, was eigentlich sein Credo ist: "Wir wollen junge, deutsche Talente nach oben bringen."

Es war beeindruckend, wie sehr sich Dietmar Hopp trotz allem für seinen Freund Roger Wittmann engagierte. Wie er, der noch im Mai in der "Sportbild" festgestellt hat, dass zu viele Spieler eines Beraters "für den Verein beziehungsweise für die Mannschaft gefährlich werden" können, sich nun mit Worten vor seinen Freund warf. Hopp hantierte dabei auch mit Zahlen. Er rühmte Wittmann dafür, dass die von ihm vertretenen Spieler Carlos Eduardo und Luiz Gustavo bei Verkauf zweistellige Ablösesummen eingebracht haben. Das klang auch ganz gut.

Was jedoch offenbar kaum jemand weiß und Hopp wohlweislich auch nicht erwähnte: Es war gar nicht Roger Wittmann, der Gustavo einst zur TSG brachte. Die üppige Ablösesumme von 19 Millionen ist also keineswegs Wittmann zu verdanken.

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