Die Giganten im Vergleich

11. April 2013, 15:58 Uhr

Es ist das vielleicht beste Halbfinale der Champions-League-Geschichte: Bayern, Dortmund, Barca und Real kämpfen um den begehrtesten Titel im Vereinsfußball. Aber wer ist Favorit? Eine Einschätzung. Von Maximilian Koch

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Bayern, Dortmund, Real Madrid, FC Barcelona, Barca, Heynckes, Mourinho, Klopp

Wer stoppt die Super-Bayern? Philipp Lahm und Co. haben nach der gewonnen Meisterschaft nicht genug. Der Sieg in der Champions League ist das große Ziel.©

Bayern-Kapitän Philipp Lahm sprach nach dem gewonnenen Viertelfinal-Rückspiel gegen Juventus aus, was wohl die meisten dachten: "Es sind die vier besten Mannschaften in Europa, die stehen zurecht da." Und Arjen Robben ergänzte: "Die drei anderen sind auch Spitzenmannschaften, das wird ein Spektakel im Halbfinale." Neben den beiden deutschen Topclubs Bayern und Dortmund haben auch die spanischen Giganten Real Madrid und FC Barcelona die Runde der letzten Vier erreicht. Wann hat es schon mal ein solches Halbfinale in der "Königsklasse" gegeben?

Nach den Eindrücken aus der Gruppenphase konnte man zwar mit dieser Konstellation rechnen. Doch in der Vergangenheit schaffte es fast immer auch ein Außenseiter, bis zum Ende um den Titel mitzumischen. Monaco und La Coruna zum Beispiel, oder Eindhoven und Villareal. In diesem Jahr ist es anders. In diesem Jahr sind die Könige unter sich. "Jetzt sind wir auch heiß auf den Titel", sagte Dortmunds Nuri Sahin nach dem 3:2-Wahnsinn gegen Malaga.

Heiß sind sie alle. Doch wer hat die besten Chancen? Die frechen Dortmunder, die als einziges Team noch ungeschlagen sind? Die Super-Bayern, die das Final-Fiasko aus dem vergangenen Jahr unbedingt vergessen machen wollen? Real Madrid, das den zehnten Titelgewinn anstrebt? Oder doch die Altmeister vom FC Barcelona, die an einem guten Tag immer noch zu außergewöhnlichen Leistungen fähig sind und alles und jeden in Grund und Boden spielen können?

Vor der Halbfinal-Auslosung am Freitag (12 Uhr) haben wir die vier Titelkandidaten verglichen - und wagen eine Prognose.

FC Bayern München: Oliver Kahn muss in dieser Saison einfach stolz auf seine Bayern sein. Seit dem ersten Spieltag sind die Münchner im Tunnel – ganz nach dem Vorbild des ehemaligen Weltklassetorhüters. Wie Getriebene jagen sie ihren Gegenspielern hinterher, die Finalniederlage gegen Chelsea im vergangenen Jahr hat neben all dem Schmerz auch unglaublich viel Energie freigesetzt. Und Wut. Und Gier. Der neue deutsche Meister ist nicht zufällig das zweikampfstärkste Team dieser Spielzeit. Die Bayern sind auf einer Mission, die erst dann abgeschlossen ist, wenn Philipp Lahm am 25. Mai im Londoner Wembley-Stadion den Pokal in die Höhe streckt. Es ist dieser Wille, diese innere Sehnsucht nach dem Titel, die den FCB – neben dem herausragenden Offensivpotenzial und der seriösen Defensivarbeit – zum aussichtsreichsten Siegkandidaten macht.

Siegchance: 35 Prozent.

Bayern, Dortmund, Real Madrid, FC Barcelona, Barca, Heynckes, Mourinho, Klopp

Barcas größter Trumpf: Lionel Messi, der beste Fußballspieler der Welt©

FC Barcelona: Die spanische Meisterschaft hat der Champions-League-Sieger der Jahre 2006, 2009 und 2011 bei 13 Punkten Vorsprung auf Real Madrid so gut wie sicher in der Tasche. Und dennoch: Das Team um Weltfußballer Lionel Messi hat seinen Status als unantastbare Fußball-Macht eingebüßt. Gegen Paris stand die Elf von Trainer Tito Vilanova vor dem Aus, erst die Einwechslung Messis weckte die Katalanen auf und sicherte doch noch den Sprung ins Halbfinale. Barca ist angreifbar geworden, die Defensive steht bei Weitem nicht so sicher wie in den vergangenen Jahren. Und wenn Messi aus dem Spiel genommen wird, ist die Mannschaft nur noch die Hälfte wert. Barcelona als Underdog? Aus Sicht der Konkurrenz muss man festhalten: leider nein. Denn an bestimmten Tagen sind Xavi und Co. noch immer in der Lage, einzigartigen Fußball zu spielen. So wie im Achtelfinal-Rückspiel gegen Milan, als die Italiener beim 4:0 lächerlich gemacht wurden. Dann wird es für jeden Gegner schwierig.

Siegchance: 25 Prozent.

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Trifft er weiter so konstant, ist Real Madrid der Titel zuzutrauen: Cristiano Ronaldo, der in dieser Champions-League-Saison schon elf Tore erzielt hat.©

Real Madrid: "La Decima" – seit nunmehr elf Jahren treibt der Wunsch nach dem zehnten Titel in der europäischen Eliteliga die "Königlichen" um. Doch speziell in der jüngeren Vergangenheit konnte man den Eindruck gewinnen, dass diese Bürde für die Real-Profis zu hoch ist: Seit dem letzten Sieg 2002 gegen Leverkusen erreichte Madrid kein einziges Endspiel mehr, nur dreimal gelang der Einzug ins Semifinale – so auch in der vergangenen Saison, als gegen den FC Bayern das Aus kam. Warum es in dieser Spielzeit anders kommen sollte? Weil sich das Team von Coach José Mourinho vor allem offensiv nochmals gesteigert hat. Cristiano Ronaldo führt mit elf Treffern die Torschützenliste in der Champions League an, sein Zusammenspiel mit Mesut Özil wird immer besser. 23 Tore hat Real schon erzielt, kein Team im Wettbewerb traf häufiger. Und in der Defensive sorgt das französische Juwel Raphael Varane (19) für mehr Stabilität. Vielleicht kommt den Madrilenen auch zugute, dass aktuell andere Mannschaften wie Bayern oder Dortmund im Fokus stehen. So können sie still und heimlich an ihrem historischen Triumph feilen. Nicht zu vergessen ist auch der Mourinho-Faktor: Der Star-Trainer ist mit seiner taktischen Raffinesse immer in der Lage, den Gegner zu überraschen.

Siegchance: 25 Prozent.

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Auch sie wollen den großen Henkelpott gewinnen: Dortmunds Spaßfußballer um Mario Götze und Nuri Sahin (hinten)©

Borussia Dortmund: Mit einer beeindruckenden Choreografie schickten die Anhänger der Borussia ihr Team gegen Malaga aufs Feld: "Auf der Suche nach dem verlorenen Henkelpott", hieß die Botschaft – und die Dortmunder kamen diesem Ziel tatsächlich ein bisschen näher, auch wenn es dazu eine gehörige Portion Glück und die Nachspielzeit brauchte. Bei allem Jubel ging fast unter, dass der BVB zuvor keine überzeugende Leistung gezeigt hatte. Die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp wirkte sehr nervös, von der Unbekümmertheit aus der Vorrunde war kaum etwas übrig geblieben. Irgendwie verständlich, denn kein Spieler im schwarz-gelben Dress hat bislang in einem Champions-League-Viertelfinale mitgemacht. In Sachen Erfahrung kann Dortmund mit den drei großen Rivalen nicht konkurrieren. Spielerisch schon. Für Klopp wird es deshalb darauf ankommen, seinem Team auch den Druck zu nehmen. Geht der BVB befreit in die beiden Halbfinal-Spiele, ist das Finale möglich. Aber nur dann.

Siegchance: 15 Prozent.

 
 
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