Piraten feiern ihre Prozente

27. September 2009, 20:37 Uhr

Es ist ein Achtungserfolg: Die Piratenpartei hat bei der Bundestagswahl zwei Prozent der Stimmen gewonnen. In Berlin-Friedrichshain feierten die Piraten entsprechend.

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Nicht im Bundestag - und dennoch unverzagt: Der Vorsitzende der Piratenpartei Jens Seipenbusch©

Den Einzug in den Bundestag haben sie zwar klar verfehlt - die Piraten haben am Sonntagabend trotzdem gefeiert. Prognosen und Hochrechnungen zur Bundestagswahl sahen die Politik-Neulinge am frühen Abend bei etwa zwei Prozent. Sollten sich diese Zahlen bewahrheiten, hat die Piratenpartei ihr bis dahin bestes Ergebnis bei einer überregionalen Wahl in Deutschland eingefahren. "Die Wahl hat gezeigt, dass unsere Themen wichtig sind und dass wir erfolgreich sein werden in der Zukunft", sagte Parteichef Jens Seipenbusch auf der Wahlparty im Berliner Szeneviertel Friedrichshain.

Mit einem Stimmenanteil von zwei Prozent sei eine "magische Grenze" durchbrochen, sagte Seipenbusch. In einigen Wahlbezirken seien die Piraten auf bis zu neun Prozent gekommen. Unter den Erstwählern hätten 13 Prozent ihr Kreuz bei den Piraten gemacht, berichtet Seipenbusch auf der Basis vorläufiger Zahlen.

Bis zu 100 neue Anhänger täglich

Bei den Piraten engagieren sich vor allem Internet-Aktivisten, die sich für Bürgerrechte in der Informationsgesellschaft und den freien Zugang zu Wissen und Kultur einsetzen. Nach schwedischem Vorbild hatte sich die Piratenpartei 2006 in Deutschland formiert. In den Wochen vor der Bundestagswahl stiegen die Mitgliederzahlen - manchmal kamen täglich bis zu 100 neue Anhänger hinzu.

Zuletzt verzeichnete die Partei nach eigenen Angaben rund 9200 Mitglieder. Vor allem die geplante Sperrung kinderpornografischer Internet-Seiten in Deutschland hatte die Internetgemeinde auf die Barrikade gebracht. Zu den Erstwählern zählt auch ein 21-Jähriger aus Berlin, der am Sonntag mitfeierte. "Die Piraten stehen für unsere Interessen ein", sagte der Zivildienstleistende. Als Beispiele nannte er den Schutz persönlicher Daten und das Eintreten gegen Zensur im Internet. Er wünsche sich allerdings, dass die Piraten sich weiteren Themen öffneten.

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KOMMENTARE (10 von 14)
 
Administrator (28.09.2009, 17:46 Uhr)
@undjetztnochder
Wir haben Ihren Beitrag gelöscht. Bitte posten sie Kommentare gleichen Inhalts jeweils nur einmal. Danke.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
hiro42 (28.09.2009, 09:23 Uhr)
Richtige Partei
Jetzt müssen die Piraten zeigen, ob sie ein Experiment bleiben, oder eine richtige Partei mit Kompetenzen im richtigen Leben werden. Dann könnten sie in 4 Jahren meine Stimme haben. Dafür hat mir dieses mal noch deutlich die Substanz gefehlt.
flashback02 (28.09.2009, 08:01 Uhr)
Achtungserfolg
Da man annehmen konnte, dass die Piraten nicht auf Anhieb die 5% Hürde knacken und gemäß Verteilung von Überhangmandaten die Stimmen der Piraten in erster Linie dem Schäuble-Lager zugesprochen wurden, gab es sicherlich viele Wähler, die taktisch eine andere Partei gewählt haben. Man sollte auch beachten, dass die Piraten bei der U18-Wahl zweitstärkste Fraktion in D geworden wären. Über die Grünen hat man Anfangs auch gelacht ;-)
vlcd (28.09.2009, 07:29 Uhr)
2% ist vergleichsweise gut,
denn in Sachsen trat die Partei zum Beispiel überhaupt nicht an - weder als Erststimme (teilweise), noch als Zweitstimme (generell) waren die Piraten hier wählbar.
soondecember (28.09.2009, 05:52 Uhr)
vernünftige Motive
Ich störe mich an dem Satz in dem behauptet wird die Gesetzte zum Schutz vor Kinderpornographie hätten den Zulauf für die Partei gebracht.
Die Piratenpartei hat sicherlich ein Wählerspektrum, dass sich sehr genau informiert, eine bewusste und durchdachte Entscheidung traf. Ich jedenfalls informierte mich. Und auch mit 45 muss ich sagen, wir brauchen dringend den Aufbruch junger Leute in die Politik, die verknöcherten Appartschiks der bisherigen Partein sie sind definitiv nicht in der Lage für eine Erneuerung unseres Landes zu sorgen. Die Systemkrise in Deutschland verläuft schleichend aber stetig, seit 30 Jahren ein permanenter Abbau in strukturellen Substanzfragen, damit meine ich die schleichende Zerstörung durch permanente Schuldensteigerung, die permanente Millionenjobkrise, die mangelnde Öffnung einer überreglemtierten Gesellschaft und - last not least- das vollständige Unterbuttern der jüngeren Generation durch die Vorherrschaft der Älteren, auch die Besitz -und Wohlstandsverteilung ist einseitig auf Seiten der Ältern. Als Middleager sitze ich zwar zwischen allen Stühlen, möchte aber dennoch auf dringende Erneuerung der Politik durch jüngere Leute hinweisen.
JimPanse (28.09.2009, 00:41 Uhr)
Achja, die Pflanze...
..aus dem Mistdünger von Facebook, Twitter und Co. Gehaltvoll wie das Profilbild von Myspace User XYZ und mit soviel Know How wie Wikipedia hergibt. 2% definieren sich über die virtuelle Gesellschaft der anonymen Selbstpräsentation, diese neuen Medien. Genial. Wenn in Zukunft das Wahlkreuz elekronisch möglich werden sollte, dann heisst es wohl: "Die Piratenpartei möchte dein Freund werden. Bitte bestätigen!" Ignorieren ist wohl ziemlich Uncool. .)
Plancklala (28.09.2009, 00:13 Uhr)
Vorsicht Populismus
Wer das Privateigentum nicht abschaffen möchte, jedoch das Eigentum auf "geistige Werte" möchte nicht nur die freie Kunst abschaffen (die erst dadurch, dass sie für den freien Markt produziert machen kann was sie will, weil sie nicht weis wer es kauft) sondern ist tendenziell mindest genau so gefährlich wie die Leute die bei der ganzen Datenschutzgeschichte attackiert werden.

Was sollte ich am freien Markt anderes verständlicher finden als den Schutz geistiger Werte?!
08von15 (27.09.2009, 23:44 Uhr)
@Tempelhofer
Wäre er wohl schon, schließlich ist die Mehrheit dank den (wahrscheinlichen) Überhangmandaten doch klar
Tempelhofer (27.09.2009, 23:27 Uhr)
2%, die Rot-Rot-Grün fehlen
Ohne die Piraten wäre der Wahlerfolg für Union und FDP heute nicht so sicher ausgefallen.
Filou_de_Berlin (27.09.2009, 23:20 Uhr)
Lachnummer
Sorry, die Jungs sind zwar irgendwo nett und unterhaltsam, aber unter dem Strich eine Lachnummer.

Schaut Euch mal die Webseiten, die Kandidaten-Seiten oder den "Piraten-Wiki" an.

Bei allem Verständnis: aber das kann man nicht wirklich ernst nehmen. Null Ahnung, null Inhalte, null Programm, null Kompetenz.

Sie mögen ja in Twitter & Co. recht aktiv sein. Aber das allein macht es auch nicht. Und da haben sich viele eher gegenseitig immer wieder aufgepuscht nur leider übersehen, dass sie an der Masse der Menschen und deren Bedürfnissen und Interessen völlig vorbei rauschen.

Und wie dieser Artikel im Stern zeigt, werden sie auch in manchen Medien völlig überbewertet. Konrad Kujau lässt grüßen. ;-))
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