21. September 2009, 07:00 Uhr

Alle wollen mit Guido

Wer mit wem? Und mit wem auf keinen Fall? Eine Woche vor der Wahl spekulieren die Parteien über mögliche Koalitionen. Mittendrin in den Gedankenspielen: Guido Westerwelle und die FDP.

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Koalition der Wahlplakate: FDP, CDU und SPD werben am gleichen Ort um Aufmerksamkeit©

Nach der Absage von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an eine Große Koalition hält auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff eine Neuauflage eines Bündnisses mit den Sozialdemokraten für wenig sinnvoll. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende sagte eine Woche vor der Bundestagswahl der Tageszeitung "Die Welt": "Angela Merkel weiß genau, dass sie ihre erfolgreiche Arbeit der vergangenen vier Jahre nur mit der FDP fortsetzen kann." Eine Neuauflage der Großen Koalition würde seiner Ansicht nach keine vier Jahre halten.

Merkel versicherte am Wochenende bei einer Kundgebung in Braunschweig: "Die große Koalition wird es nicht mehr geben." Führende Unionspolitiker begrüßten zugleich das klare Bekenntnis der Freien Demokraten zugunsten von CDU und CSU. Nach jüngsten Umfragen haben Union und FDP eine knappe Mehrheit. Auf einem Sonderparteitag in Potsdam nannte FDP-Chef Guido Westerwelle das Koalitionsbekenntnis der FDP zur Union "glasklar und ohne Wenn und Aber".

Westerwelle rechnet für die Bundestagswahl mit einer Stimmenmehrheit von Union und FDP auch ohne Überhangmandate. "Sie werden sehen: Die Mehrheit wird größer sein, weil die Bürger die Große Koalition beenden werden, und weil sie keine Linksregierung wollen", sagte Westerwelle der "Bild"-Zeitung. Allerdings ließ der FDP-Chef offen, ob er im Falle einer Mehrheit, die nur auf Überhangmandaten beruht, in eine Koalition mit der Union eintreten würde.

"Die FDP macht alles"

SPD und Grüne bezweifelten hingegen, dass die Absage der FDP an eine Ampel mit ihnen über den Wahltag hinaus Bestand hat. Koalitionsfragen würden nach allen Erfahrungen "erst am Wahltag ab 18.01 Uhr ernsthaft bewertet", sagte SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier dem Magazin "Focus". Der scheidende SPD-Fraktionschef Peter Struck sieht gegenteilige Aussagen der FDP als kein Hindernis an. "Die FDP macht alles", sagte Struck der "Rhein-Neckar-Zeitung". Ähnlich äußerten sich die Spitzenkandidaten der Grünen, Renate Künast und Jürgen Trittin. Ein kleiner Parteitag der Grünen bekräftigte am Sonntag in Berlin zugleich das Nein der Partei zu einem schwarz-gelb-grünen Jamaika-Bündnis mit Union und FDP.

CSU stellt 100-Tage-Programm vor

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) kritisierte unterdessen die Wahlversprechen von CDU/CSU und Liberalen. "Union und FDP reden von Steuersenkungen und streuen den Leuten damit Goldstaub in die Augen", sagte Steinbrück der "Süddeutschen Zeitung".

Im Endspurt des Bundestagswahlkampfs will die CSU noch einmal mit dem Versprechen rascher Steuersenkungen bei den Wählern punkten. In München stellen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Landesgruppenchef Peter Ramsauer ein 100-Tage-Sofortprogramm für die erhoffte schwarz-gelbe Koalition vor. CSU-Chef Horst Seehofer und Ramsauer wiesen Mutmaßungen über einen Disput mit der CDU wegen des CSU-Alleingangs zurück. "Man muss nicht beieinander sitzen, um miteinander Politik zu machen", sagte Seehofer.

DPA/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
raptor-xl (21.09.2009, 16:15 Uhr)
@endbenutzer
wenn das volk einige koalitionen nicht will, dann soll es bitte anders wählen... was ist denn das für ein quark, wenn alle wählen gehen und dann filtern möchten, was daraus zu machen ist und was nicht. jede partei, die eine gewisse stimmenzahl hat, darf gespräche mit anderen parteien führen. und wenn eine partei, auch wenn es ihnen nicht passt, mehr stimmen hat, dann ist das nicht die schuld der partei, sondern weil viele andere menschen diese gewählt haben. und demokratie beinhaltet eine mehrheitsfindung. da gibt es anschließend keine sonderwünsche... - und laut grundgesetz können die parteien dann mit dem ergebnis machen, was sie wollen. damit muss jeder leben, auch wenn es sein superheld eben nicht geschafft hat. etwas anderes ist es, wenn nach der wahl zugesagte bündnisse zerschlagen werden. das wäre täuschung. ist aber bisher nur bei der spd vorgekommen...
utospatz (21.09.2009, 14:51 Uhr)
Was waren doch mal 16 Jahre Schwarz-Gelb?
Steigende Kontostände auf den Cayman Isles und in Lichtenstein, angeblich blühende christlch soziale Landschaften, und so wunderbar Frei! Die Parteispenden flossen in Ströhmen, konnten Alle Lobbyisten versöhnen! Die Hauptsache ist, mir geht es gut, geht auch der Rest des Volk's kaputt! Bei normal denkenden Menschen müsste Guido und seine Partei bei maximal 1,8% landen, denn mehr Volksanteil hat sie nicht, es sei denn, die Idioten nehmen zu!
Johann58 (21.09.2009, 13:32 Uhr)
Alle wollen mit Guido?
Wollen tut ausser der CDU wohl keiner mit Guido, man wird ihn als Mehrheitsbeschaffer tollerieren. Nun ist die FDP ja nun endgueltig in das Rektum der CDU gekrochen um jegliche Selbststaendigkeit abzulegen und als Wurmfortsatz von CDU/CSU ueber kurz oder lang vom Waehler entfernt zu werden. Mit seiner Koalitionsaussage hat Guido den Begriff Frei aus dem Namen dere FDP gestrichen. Die Verweigerungshaltung gegenueber anderen demokratischen Pateien und die Aufgabe jeglicher Flexibilitaet macht die FDP ueberfluessig.
endbenutzer (21.09.2009, 13:01 Uhr)
@knilch_59:
"...st leider falsch: nach unserem Grundgesetz sollen die Wahlbürger ausdrücklich NICHT über die Zusammensetzung der Regierung entscheiden:..."++++Das habe ich auch nicht behauptet, sonst müssten unsere Wahlzettel auch noch Wunschkoalitionen enthalten. Es ist aber wohl unstrittig, dass gewisse Koalitionen vom Volk nicht gewünscht sind, aber trotzdem zustande kommen, nur weil bestimmte Politiker aus ideologischen Gründen den anderen nicht haben wollen. Was wäre denn so verkehrt an einer CDU / FDP / LINKE-Regierung auf Bundesebene, wenn die Wahlergebnisse entsprechend ausfallen? Vielleicht will genau das der Bürger haben? Eine Wirtschaftsorientierte Politik, die auch den kleinen Mann nicht vergisst? Oder wegen mir auch eine SPD / LINKE/ Grüne Regierung. Wenn das Volk es so will, sollte es auch so gemacht werden. Davon wird Deutschland auch nicht untergehen. Oder werden wir am Ende doch nur noch von Lobyisten regiert?
covy111 (21.09.2009, 12:56 Uhr)
Dieses Sozi-Gelaber.....
ist ja nicht mehr zu ertragen. Pure Verzweiflung bei Möchtegern-Kanzler Steinmeier und Möchtegern-Außenminister Trittin.
Und mit Verlaub an die Sozi-Kommentare.
Weder ist Westerwelle nach der BTW 2005 noch bei der Hessenwahl umgefallen! Warum sollen wir ihm also nicht glauben?
Viel interessanter ist doch wohl die Frage.
Heißt das eigentlich im Umkehrschluss, dass Steinmeier und Trittin auch neu nachdenken, wenn Rot-Rot-Grün eine Mehrheit hat? Ich wage mal die Behauptung: Ganz sicher!
Und noch ein Gedanke zu einem möglichen Außenminister Westerwelle.
Wenn ein Josef Fischer die Chance bekommen hat, hat sie ein Westerwelle allemal verdient.
knilch_59 (21.09.2009, 12:28 Uhr)
@endbenutzer - Ihr Bild von Demokratie
Ist leider falsch: nach unserem Grundgesetz sollen die Wahlbürger ausdrücklich NICHT über die Zusammensetzung der Regierung entscheiden: wir wählen nur das Parlament (legislative Gewalt). Diese wählt den Kanzler/die Kanzlerin (exekutive Gewalt). Weder das Parlament, und schon gar nicht der Wahlbürger, haben nach unserem GG ein Mitspracherecht an den Regierungsmitgliedern (Minister und Staatsminister). Bitte das bei zukünftigen Beiträgen im Hinterkopf behalten. Es ist nämlich höchst bedenklich, in welchem Maß wir es zulassen, dass eine nicht vom Volk gewählte Regierung sich vom Parlament Gesetze abnicken lässt, deren Entwürfe in den Ministerien verabschiedet wurden. So verkommt das Parlament zur Laberbude, und das ist das Gegenteil dessen, was nach dem Grundgesetz gewollt war: wir brauchen mehr Parlament und weniger Regierung, mehr Freiheit des einzelnen Abgeordneten als Fraktionsdisziplin! Sonst verkommt dieses Land zum Obrigkeitsstaat.
knilch_59 (21.09.2009, 12:06 Uhr)
Keiner will mit Guido!
Dem haben seine Eltern doch ein Kotelett um den Hals gebunden, damit wenigstens der Hund mit ihm spielt. Es geht nicht um Sympathie oder Antipathie, weder mit Guido Westerwelle, noch mit der FDP, sondern schlicht um tragfähige Konzepte und Koalitionen nach der Wahl. Die saudumme Eitelkeit, mit der sich die FDP aus der Verantwortung zu ziehen versucht, indem man sich als Wurmfortsatz der Union zelebrieren lässt, ist im höchsten Maß demokratiefeindlich! Klar kann man Wünsche und Präferenzen äußern, wie man nach der Wahl weitermachen will. Aber es steht keiner (!) Partei an, sich im Vorfeld Denkverbote nach Alternativen zu erteilen, wenn der Wunsch nicht Wirklichkeit wird. Die Debatten nach dem Motto "auf keinen Fall mit ..." helfen nur der eitlen Selbstdarstellung, aber das Land geht dabei vor die Hunde - womit wir wieder bei Guido und seinem Kotelett sind.
luke888 (21.09.2009, 11:28 Uhr)
Es nervt!
Das ist mal wieder so eine Suggestiv-Schlagzeile, die Herrn Westerwelle nur in die Hände spielt. Erstens: Von "wollen" kannn keine Rede sein... vielleicht wäre "müssen" der richtige Ausdruck. Zweitens: Warum "Guido"? Ist das eine Form der Liebkosung seitens des Sterns die Politiker jetzt beim Vornamen zu nennen?
Warum werden über diesen Menschen eigentlich tagtäglich 5 Artikel zusammengefaselt, wenn Herr Westerwelle nach dem 27.9. sowieso wieder Oppositionsbank drückt?
Zu wünschen wäre ihm das.
endbenutzer (21.09.2009, 11:05 Uhr)
@raptor-xl:
"...ihre auffassung von demokratie ist ja überall lesbar.."++++Also Herr Superingenieur: In meinem Bild einer Demokratie entscheidet das Volk über die Zusammensetzung der Regierung und nicht bestimmte Interessengruppen für die Politik reiner Selbstzweck ist. Außerdem werden diese ewigen DDR-Seitenhiebe auch langsam langweilig. Aber wenn wir schon davon reden: Die Ost-CDU und Ost-FDP waren auch nur willige Anhängsel der SED. Ich wäre also vorsichtig mit Beschuldigungen.
raptor-xl (21.09.2009, 10:52 Uhr)
@endbenutzer
ihre auffassung von demokratie ist ja überall lesbar... und wie kommen sie darauf, dass (sollte die linke zweitstärkste partei sein) die cdu mit der verhandeln muss??? es obliegt den parteien selbst, die ddr und zwangsvereinigung zur einheitspartei war gestern... es ist ja das spannende an der demokratie, dass die bündnisse selbst ausgesucht und geschlossen werden dürfen. oder eben auch nicht!!!
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