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14. September 2009, 09:39 Uhr

Duett eines älteren Ehepaares

Brav, braver, am bravsten - viel rücksichtsvoller als dies Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier taten, können politische Konkurrenten nicht miteinander umgehen. Man lobte sich mit Blick zurück. Von Hans Peter Schütz

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Entspannter Bilck auf den Bildschirm: Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier gaben sich harmonisch© Boris Roessler/DPA

Von einem "Duell" ist zuvor ja viel geredet worden. Zumeist sogar mit hoffnungsvollem Unterton. Dies in der berechtigten Erwartung, man könne durch das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier vielleicht die Entscheidung bei der Bundestagswahl erleichtert bekommen. Groß genug ist die Zahl der immer noch unentschiedenen Bundesbürger schließlich. Und die leiden zu Recht darunter, dass beim Blick auf den bisherigen Wahlkampf der beiden Koalitionspartner noch immer nicht erkennbar geworden ist, wohin sie denn im Falle einer politischen Trennung marschieren würden.

Diesem Erwartungshorizont ist der Fernsehabend mit Kanzlerin und Vizekanzler überhaupt nicht gerecht geworden. Da war nicht ein Fünkchen eines Duells erkennbar. Das Duo gab das Duett eines älteren Ehepaars, wo jeder die Schwächen des anderen kennt, sie erträgt, weil man weiß, dass sie auszuhalten sind. Auf keiner Seite wurde ein ausgeprägter Wille zu Scheidung und zum Machtwechsel erkennbar. Allein schon die Signale der Körpersprache bei Merkel wie bei Steinmeier, das zuweilen fast schon liebevolle Zulächeln, wenn man in der Sache ein ganz klein wenig aggressiv sein musste, das war rundum eindeutig. Wenn die beiden durch der Wähler Willen es wieder miteinander tun müssen, werden sie es leichten Herzens tun.

Über weite Passagen des Gesprächs hinweg kuschelte man mehr, als dass man kämpfte. Ohne das Thema der Begrenzung der Managergehälter und ohne die Frage des Ausstiegs aus der Atomkraft wäre die dokumentierte Harmonie über die lange langweilige Sendezeit hinweg kaum erträglich gewesen. Nirgendwo wurde der Hauch eines visionären anderen Politikansatzes erkennbar. Nicht im Streit über die Afghanistan-Politik, nicht in der Gesundheitspolitik, noch bei der Wirtschaftspolitik. An allen wichtigen politischen Positionen der zurückliegenden vier Jahre wurde erkennbar, dass eine Fortsetzung durchaus denkbar ist. Mehr noch: Es entstand massiv der Eindruck, dass dieses großkoalitionäre Ehepaar in den stillen Winkeln ihrer Herzen durchaus mit einer Fortsetzung einverstanden wäre.

Neue bemerkenswerte politische Ansätze wurden nirgendwo sichtbar. Mehr Netto vom Brutto versprach einmal mehr die Kanzlerin. Festgelegt auf ein Datum hat sie sich nicht. Ihr Gegenüber versuchte mit Formeln wie "Wir brauchen einen Neustart der sozialen Marktwirtschaft" ein Akzentchen zu setzen. Doch auch dabei war nicht einmal ein Unterton an Disharmonie herauszuhören. Es wurde - fast schon erschreckend - viel mehr Rückblick als Ausblick geboten. Unterm Strich lief das auf die Formel Merkels hinaus, die sagte: "Das Gute kann immer noch verbessert werden."

Wer sich auf die mühsame Suche nach einem "Sieger" in diesem kuscheligen Duell macht, wird bei Steinmeier landen. Ein klein bisschen blickte er mehr nach vorwärts als Merkel und einige Halbsätze lang zeigte er sich detailgenauer bei der Markierung seiner Positionen. Merkel gab immer wieder mal pflichtgemäß ihr Bekenntnis zu Schwarz-Gelb zu Protokoll, irgendeine Leidenschaft für diese neue politische Beziehung war nicht erkennbar. Man bekannte sich zur gemeinsamen "guten Vergangenheit." Man hielt Händchen bei den Themen Opel, Afghanistan und Gesundheit. Familienpolitik und die Bildungspolitik, die als Schwerpunkte künftiger politischer Arbeit im CDU-Wahlprogramm vorkommen, fanden pauschal mit zwei Sätzen im Schlusswort der Kanzlerin statt. Genaueres erfuhr man nicht. Und Steinmeier legte sich einmal mehr gegen rot-grün-rote Gedanken fest. Das passte natürlich fugenlos in ein Gespräch, das wie eine Verabredung für eine neue Große Koalition wirkte.

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Von Hans Peter Schütz
KOMMENTARE (10 von 28)
 
kompass-blog (14.09.2009, 12:55 Uhr)
Von Bildung keine Spur


Diesen Eindruck musste man bekommen, als man das "Duell" zwischen Frau Merkel und Herrn Steinmeier gestern verfolgte. Über eine Stunde wurde über Wirtschaft gesprochen und wie die "Volksparteien" die Krise bewältigen wollen. Schon hier habe ich das Argument Wettbwerbsfähigkeit durch Investitionen in Bildung vermisst. Dieser Minuspunkt geht an die Kontrahenten.

Aber geradezu sträflich ist, dass die vier Journalisten, dem Thema Bildung KEINE EINZIGE Frage widmeten. Viel wichtiger war es einigen von ihnen, sich durch penetrante Nachhacken bei thematischen Nebenschauplätzen zu profilieren. Ob sich nun Merkel und Steinmeier duzen, dürfte auch nicht gerade zu den Themen zählen, die Deutschland bewegen!!
Eine größere Themenvielfalt hätte ich doch unseren Top-Moderatoren zugetraut und uns Wahlvolk gewünscht!
Verena Kurth
jo--jo (14.09.2009, 12:05 Uhr)
Unglaublich? süß!!!
Frau Merkel nickt bei ihren Sätzen immer so ?unglaublich? süß!!!
Als wollte sie sagen... habt ihr auch alles verstanden da draußen?
Hanneh (14.09.2009, 11:32 Uhr)
Wisch-Wasch
Dieses Duell hat mich sehr enttäuscht und mich eher verunsichert in meiner Entscheidung zur Bundestagswahl.
Mir sehr wichtige Themen wie: Bildung,
Kinder-Familie,Perspektiven für Jugendliche,
Umwelt, fehlten eklatant.
Keine klaren Maßgaben,keine Fortschritte,
keine großen Unterschiede.
lowbas (14.09.2009, 11:12 Uhr)
Das war "Das Sommerinterview"...
Warum man trotz dieser müden Veranstaltung wählen gehen sollte.sagt der Kabarettist Wilfied Schmickler in den "Mitternachstspitzen" des WDR, in seinem Beitrag vom 05.09.200. Und das in eindringlicher, sehr direkter Art: http://www.youtube.com/watch?v=HvUP6mj2q_8
Corazito3333 (14.09.2009, 10:29 Uhr)
wie das Wort sagt TALK-SHOW
ist eine Show für uns!! Andere streiten sich und ist richtig nett die Show - und danach geht man was trinken! Es geht nur um Macht und Geld oder glaubt hier einer, man würde sich für das Wohl des Steuerzahlers bzw. Bürgers interessieren. Den haben die etablieren Parteien schon längst aus den Augen verloren.
Mikeorganizer (14.09.2009, 09:38 Uhr)
tempelhofer ..
richtig ! Nicht weil ich denke das sie es besser können - nicht das ich erwarte das ein Wunder geschieht - aber weil ich der Meinung bin das diese noch eine Volksnähe besitzen und vor allem die Grundrechte und Gesetze jedes Bürgers nicht mit Füßen treten. Ich frage hier mal ganz offen - was können die noch schlechter machen als diese Regierung ? Nichts ! jeder Fuzzi könnte das auch fabrizieren was da die letzten Jahre vermurkst und verraten wurde.
endbenutzer (14.09.2009, 09:23 Uhr)
Aufgefallen ist mir....
..., dass Merkel bei manch erklärendem Satz nach links schaute und offenbar am liebsten noch die Bemerkung: "Nicht wahr, Frank-Walter?" dranhängen wollte. War irgendwie witzig.
Tempelhofer (14.09.2009, 09:23 Uhr)
@ mikeorganizer
Stimmt, in Ihrem letzten Posting hatten Sie geschrieben, dass Sie die Piraten wählen.
ganzbaf (14.09.2009, 08:59 Uhr)
Aber auch "Omi"...

kann nicht gegen die Mächtigen von Wirtschaft und Geldadel anstinken ! ;-)
Das könnte aus der CDU nur Geissler.
Wir brauchen einen unbestechlichen Teufelsaustreiber und schrecklosen Dompteur als Kanzler.
Leider wird Oskar aber auch diesmal knapp unter 51% bleiben ;-D
Wehe uns Deutschen, die nächsten Jahre werden grausam.
ganzbaf (14.09.2009, 08:47 Uhr)
Tja, Mekle hat eben diesen unnachahmlichen "Oma-Faktor"... ! ;-D

Währen Frankensteinmeier nur eine durchschnittlich begabten Bösewicht abgibt ;-P
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