Wohin können wir noch reisen?

5. März 2003, 08:40 Uhr

Michael Frenzel, Chef des weltgrößten Reisekonzerns TUI, über Urlaub trotz Terrorangst, Ausweichquartiere im Falle eines Irakkrieges und den Boom der Billigflieger.

Tui-Chef Michael Frenzel posiert vor einer Fototapete©

stern: Herr Frenzel, die Angst vor Krieg und Terrorismus ist allgegenwärtig - sollten wir in diesem Jahr lieber zu Hause bleiben?

Michael Frenzel: Im Gegenteil, dann hätten die Terroristen ihr Ziel erreicht. Unser Produkt steht für Lebensfreude. Ohne das Reisen würde die Gesellschaft Schaden nehmen. Aber natürlich belastet der drohende Irakkrieg das Buchungsverhalten.

Urlaubsgebiete wie Djerba und Bali standen zuletzt nicht mehr nur für Lebensfreude, sondern auch für Tod. Wie können Sie den Menschen die Angst nehmen?

Wir müssen das Menschenmögliche tun, um Sicherheit zu schaffen, und dürfen nicht verschweigen, dass es niemals hundertprozentige Sicherheit gibt. Jeder muss für sich die Situation abschätzen und entscheiden. Aber man sollte auch nicht überreagieren. Mit dem 11. September hat sich die Welt verändert, es gibt neue Risiken, ja. Doch die sind lange nicht so groß, als dass man von nun an zu Hause bleiben müsste.

Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in elf Länder. Für viele weitere gibt es so genannte Sicherheitshinweise: In Spanien wird vor Terroranschlägen der Eta gewarnt, in Tunesien vor dem Besuch "touristischer Anziehungspunkte", in Ägypten vor Busfahrten, in der Türkei vor dem Südosten des Landes, in Thailand vor dem Süden und in den USA vor Terroristen und nervösen Sicherheitskräften. Wohin kann man noch reisen?

Wenn man diese Hinweise, die wir an unsere Kunden weitergeben, beachtet, kann man eigentlich überallhin reisen. Wir empfehlen zusätzlich, in bestimmten Ländern religiöse Stätten zu meiden. Wer nur am Strand liegen will, hat fast nichts zu befürchten.

Können Sie Ihren Kunden wirklich guten Gewissens raten, etwa nach Ägypten zu reisen?

Ich weiß auch, dass Ägypten nah an dem potenziellen Kriegsgebiet liegt und eine Gefährdung da sein könnte. Ich kann deshalb gut verstehen, wenn viele Leute einen Ägyptenurlaub um einige Monate verschieben. Wir bieten das Ziel aber auch jetzt an, und ich würde hinfahren, etwa in unseren Robinson-Club. Aber diese Entscheidung muss jeder selbst treffen.

Spielt es bei der Planung Ihrer Reiseziele eine Rolle, ob ein Land muslimisch ist?

Nein. Ich rechne weiterhin mit einem dynamischen Wachstum im östlichen Mittelmeer, und dabei spielt die Frage, ob ein Land muslimisch ist oder nicht, keine Rolle. Das gilt natürlich auch für die Türkei. Ich fände es schlimm, wenn muslimisch einfach mit Aggression und Terror verbunden wird. Man tut den Menschen in diesen Ländern unrecht.

Was tun Sie, wenn der Irakkrieg beginnt?

Ein Krisenstab mit 200 Mitarbeitern steht rund um die Uhr zur Verfügung, um bei Umbuchungen oder Abreisewünschen aus einem bestimmten Land schnell zu helfen. Im Falle eines Irakkrieges wird voraussichtlich das östliche Mittelmeer betroffen sein. Deshalb haben wir uns im westlichen Mittelmeer zusätzliche Hotel- und Flugkapazitäten gesichert.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 11/2003

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