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Ein Toter, 600 Verletzte: Gewaltausbruch in Kairo

Chaos in Kairo: Bei den Straßenschlachten sind hunderte Menschen verletzt worden. Es gab einen Toten. Molotow-Cocktails flogen, die Armee muss mehrere Brände löschen. stern.dedokumentiert den Tag, als die Gewalt über Kairo kam.

21:46 - Zahl der Verletzten steigt

Bei Straßenschlachten in Kairo sind offiziellen Angaben zufolge mehr als 600 Menschen verletzt worden. Das Gesundheitsministerium revidierte am Abend die Zahl von zunächst rund 400 nach oben. Der seit Tagen andauernde Machtkampf war zuvor eskaliert. Anhänger von Präsident Husni Mubarak stürmten unter anderem auf Kamelen und Pferden den Tahrir-Platz im Zentrum der Hauptstadt und griffen Regierungsgegner mit Peitschen und Knüppeln an. Ein Soldat kam den Angaben nach ums Leben.

21:19 - Westerwelle droht Suleiman

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat dem ägyptischen Vizepräsidenten Omar Suleiman mit harten Maßnahmen der internationalen Gemeinschaft gedroht, sollte es weitere Übergriffe gegen friedliche Demonstranten geben. In einem Telefonat habe er Suleiman erklärt, dass Übergriffe nicht nur "ein Rückfall in längst überwundene Zeiten" seien, sondern auch "Konsequenzen der internationalen Gemeinschaft" mit sich ziehen würden. Westerwelle habe sich in dem Telefonat für einen friedlichen Wandel in Ägypten ausgesprochen, wie er in der "ARD" weiter sagte. Der Wandel im Land sei gewollt, "und das nicht irgendwann, sondern jetzt". "Wer was ägyptische Volk führt, ist Sache des ägyptischen Volkes", sagte der Minister. Aber der Weg zur Demokratie müsse in Ägypten "friedlich besprochen" werden.

21:10 - Vize-Präsident stellt Vorbedingung

Der ägyptische Vize-Präsident Omar Suleiman hat ein Ende der regierungskritischen Demonstrationen als Vorbedingung für einen Dialog mit der Opposition bezeichnet. Die Demonstranten müssten dem Aufruf der Armee Folge leisten, die Ausgangssperre zu achten und nach Hause zu gehen, wurde Suleiman von der amtlichen Nachrichtenagentur Mena zitiert.

20:50 - USA fordern demokratischen Wandel

Die USA haben ihre Forderung nach einem unverzüglichen demokratischen Wandel in Ägypten unterstrichen. US-Präsident Barack Obama habe in seinem Gespräch mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak vom Dienstag klar gemacht, "dass die Zeit für einen Übergang gekommen ist, und die Zeit ist jetzt", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs. Die US-Regierung bereite sich auf eine "volle Bandbreite von Szenarios" vor, erklärte er weiter. Alles geschehe sehr schnell. "Wir beobachten diese Ereignisse, wir planen für diese Ereignisse." Das Telefonat der Präsidenten beschrieb er als "direkt und offen". Zu der Erklärung Obamas vom Vortag, dass ein geordneter Übergang "jetzt" beginnen müsse, sagte der Präsidentensprecher: "'Jetzt' hat gestern angefangen."

20:22 - UN-Sicherheitsrat plant keine Ägypten-Diskussion

Eine Diskussion über die eskalierende Situation in Ägypten steht diesen Monat nicht auf dem Plan des UN-Sicherheitsrats. Das sagte die brasilianische UN-Botschafterin Maria Luiza Ribiero Viotti (Ortszeit)in New York. Keiner der Mitglieder des Sicherheitsrats hätte einen Antrag auf eine Versammlung gestellt, sagte Viotti. "Wir beobachten die Entwicklung in Ägypten weiterhin sehr genau, aber momentan geht man mit der Situation gänzlich auf nationaler Ebene um" sagte sie. Das mächtigste Organ der UN schalte sich normalerweise als "letzter Ausweg" ein und werde nur dann einberufen, wenn die Regierung eines UN-Mitglieds einen offiziellen Antrag stellt.

20:19 - Washington fordert Ende der Gewalt

"Die Anwendung von Gewalt zur Einschüchterung des ägyptischen Volkes muss aufhören", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley. Washington sei tief besorgt über Angriffe auf friedliche Demonstranten sowie auf Medienvertreter, sagte Regierungssprecher Gibbs. Gleichzeitig rief er die Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf. Bei Straßenschlachten im Zentrum Kairos gingen Anhänger Mubaraks am Mittwoch mit brutaler Gewalt auf Regimegegner los. Mindestens ein Toter und über 400 Verletzte, lautete die offizielle Bilanz der Übergriffe auf dem Tahrir-Platz.

20:15 - Demonstranten attackieren Journalisten

Mutmaßliche Anhänger des Mubarak-Regimes sind am Mittwoch auch gegen Journalisten vorgegangen. Nach Angaben von Augenzeugen wurde eine ausländische Journalistin von mehreren Männern geschlagen. Anwohner retteten die Frau, indem sie sie in eine Nebenstraße zogen und dort beschützten. Mohammed Omar, ein Fotograf der European Pressphoto Agency (EPA), wurde während der Auseinandersetzungen, die er am Ägyptischen Museum fotografierte, attackiert und am Kopf verletzt. Nach Angaben von Kollegen nahmen ihn anschließend Soldaten in Gewahrsam. Erste Informationen, wonach eine ZDF-Journalistin verhaftet wurde, bestätigten sich nicht.

19:29 - Menschrechtler fordern Eingreifen der Armee

Vor dem Hintergrund der blutigen Zusammenstöße am Mittwoch zwischen Anhängern und Gegnern des Regimes von Husni Mubarak haben Menschenrechtler das Eingreifen der Armee gefordert. Die Ägyptische Organisation für Menschenrechte (EOHR) verlangte in einer Stellungnahme am Mittwochabend, dass "die Armee unverzüglich eingreift, um die Angriffe auf die Protestierenden zu stoppen und deren Leben zu retten". Es seien Menschen angegriffen worden, die "von ihrem legitimen Recht auf friedichen Protest Gebrauch gemacht haben".

19:01 - TUI-Chef bleibt cool

Die Tourismusbranche gibt sich trotz des Chaos gelassen. Tui-Chef Michael Frenzel rechnet wegen der Ägypten-Krise nur mit vorübergehenden Einbußen im Tourismusgeschäft. "Die Anziehungskraft von Abu Simbel, Giseh, Karnak und dem Tal der Könige ist stärker als die Bilder kurzfristiger politischer Aufstände. Ägypten hat viele Krisen in seiner 7.000-jährigen Geschichte gemeistert, dies wird auch diesmal gelingen", schreibt Frenzel in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt".

18:30 - Bilanz der Gewalt

Die bisherige Bilanz der Unruhen vom Mittwoch: Ein Mensch wurde getötet und 350 verletzt. Der Tote habe für die Sicherheitskräfte gearbeitet, sagte ein Sprecher des ägyptischen Gesundheitsministeriums im Staatsfernsehen. Die Lage wird langsam, so scheint es, etwas ruhiger.

17:44 - Molotow-Cocktails fliegen ins Ägyptische Museum

Bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak im Zentrum der Hauptstadt Kairo sind auch zwei Molotow-Cocktails in den Hof des Ägyptischen Museums geflogen. Vor dem Museum ging am Mittwoch zudem nach der Zündung weiterer mit Benzin gefüllter Bomben ein Baum in Flammen auf, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Armee versuchte, die Brände zu löschen. Das Museum beherbergt Kunstgegenstände von unschätzbarem Wert aus der Geschichte Ägyptens.

17:26 - Armee droht Mubarak-Anhängern mit Gewalt

In der Kairoer Innenstadt hat sich die Lage am Abend nach einem Eingreifen der Armee teilweise beruhigt. Wie Augenzeugen berichteten, hatten Mubarak-Anhänger eine Brandbombe geworfen. Daraufhin hätten Soldaten Warnschüsse in die Luft abgegeben. Die Angreifer hätten sich dann einen halben Kilometer zurückgezogen. Es hieß, die Armee habe den Mubarak-Anhängern gedroht, Gewalt anzuwenden, falls diese weiterhin versuchen sollten, die Demonstranten in die Flucht zu schlagen.

17:10 - Gewalt auch gegen Journalisten

Mutmaßliche Anhänger des Mubarak-Regimes sind auch gegen Journalisten vorgegangen. Nach Angaben von Augenzeugen wurde eine ausländische Journalistin von mehreren Männern geschlagen. Anwohner retteten die Frau, indem sie sie in eine Nebenstraße zogen und dort beschützten. Mohammed Omar, ein Fotograf der European Pressphoto Agency (EPA), wurde während der Auseinandersetzungen, die er am Ägyptischen Museum fotografierte, attackiert und am Kopf verletzt. Nach Angaben von Kollegen nahmen ihn anschließend Soldaten fest. Auch eine ZDF-Journalistin soll verhaftet worden sein. Die Teams von ARD-Fernsehen und -Hörfunk räumten am Nachmittag ihre Büros in der Nähe des Gebäudes des ägyptischen Fernsehens, nachdem eine Gruppe von Schlägern versucht hatte, das im gleichen Gebäude befindliche Studio des Nachrichtensenders Al-Arabija zu stürmen.

16:58 - Hunderte Verletzte bei Zusammenstößen

Bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen sind hunderte Mubarak-Gegner verletzt worden. Das berichteten AFP-Reporter. Die Anhänger und Gegner des Staatschefs lieferten sich die Straßenschlachten auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo. Regierungsanhänger warfen Steinblöcke von Hausdächern auf die Regierungskritiker und verletzten dadurch viele von ihnen. Viele Verletzte wurden von anderen Demonstranten fortgetragen.

16:51 - Westerwelle spricht mit ElBaradei

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat mit dem ägyptischen Oppositionsführer Mohammed ElBaradei in einem Telefonat über die sich zuspitzende Lage in dem nordafrikanischen Land gesprochen. ElBaradei habe bei dem Gespräch am Mittwoch "große Sorge" über die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Regierungsanhängern und oppositionellen Demonstranten geäußert, teilte das Auswärtige in Berlin mit. Westerwelle forderte im Anschluss an das Gespräch die ägyptischen Sicherheitsbehörden auf, "keine Gewalt gegen Demonstranten anzuwenden". "Jede weitere Eskalation der Situation muss unbedingt vermieden werden", erklärte der Außenminister.

16:19 - Armee greift bei Auseinandersetzungen ein

Die ägyptische Armee hat in Kairo Warnschüsse abgegeben, um gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen oppositionellen und regierungstreuen Demonstranten zu beenden. Die Schüsse wurden am Mittwoch mehrere Stunden nach dem Beginn der Zusammenstöße im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt abgegeben, wie ein AFP-Reporter berichtete. Viele Demonstranten sahen sich durch das Einschreiten der Streitkräfte bestärkt. Einige stiegen auf die Panzer und stellten sich an die Seite der Soldaten. "Armee und Volk Hand in Hand", riefen die Demonstranten. Die Armee genießt in Ägypten großes Ansehen. Am Montag hatte sie die Anliegen der regierungskritischen Demonstranten als "legitim" bezeichnet. Nachdem Mubarak am Dienstagabend seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit bekannt gegeben hatte, rief die Armee die Regierungsgegner allerdings zu einem Ende der Proteste auf.

16:09 - Regierung ist gegen sofortigen Machtwechsel

Die ägyptische Regierung hat Forderungen aus dem Ausland nach einem sofortigen Beginn des Machtwechsels zurückgewiesen. Vorschläge, nach denen umgehend eine Übergangsperiode eingeleitet werden solle, müssten "abgelehnt" werden, teilte Außenminister Hossam Saki am Mittwoch in Kairo mit. Ein solches Vorgehen würde die krisenhafte "innere Lage in Ägypten" weiter anfachen, fügte er hinzu. US-Präsident Barack Obama hatte seinen im Zentrum der Kritik stehenden ägyptischen Kollegen Husni Mubarak am Dienstag aufgerufen, umgehend einen Übergangsprozess einzuleiten. Ähnlich äußerte sich am Mittwoch EU-Außenministerin Catherine Ashton.

15:30 - Gerüchte um bezahlte Schlägertrupps

Hat die regierende Nationaldemokratische Partei (NDP) von Ägyptens Staatspräsident Mubarak Schlägertrupps in zivil angeheuert, um die friedlichen Demonstranten in Kairo zu provozieren? Diesen Vorwurf haben Oppositionelle am Mittwoch in Kairo erhoben. Auf dem Tahrir-Platz sowie in den Seitenstraßen lieferten sich Anti-Mubarak-Demonstranten am Nachmittag mit Steinen, Stöcken und Eisenstangen blutige Straßenschlachten mit Schlägertrupps. Die Demonstranten wurden von Männern auf Pferden und Kamelen angegriffen. Das Innenministerium in Kairo ließ über das Staatsfernsehen dementierten, dass Polizisten an den Ausschreitungen beteiligt seien. Auch bei Wahlen in Ägypten tauchen in den hart umkämpften Bezirken jedes Mal Schlägertrupps auf, die Anhänger von Oppositionskandidaten einschüchterten.

15:16 - Muslimbrüder fordern sofortigen Abgang des Regimes

Die ägyptischen Muslimbrüder haben einen Verbleib von Präsident Husni Mubarak an der Macht bis September abgelehnt. "Das Volk weist alle Teil-Maßnahmen zurück, die gestern vom Kopf des Regimes (Mubarak) vorgeschlagen wurden, und akzeptiert keine Alternative zum Abgang des Regimes", erklärte die wichtige Oppositionsbewegung am Mittwoch in Kairo. Der 82-jährige Mubarak hatte am Dienstagabend angesichts der Massenproteste in seinem Land erklärt, nach drei Jahrzehnten an der Macht werde er nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren. Sein Mandat läuft offiziell bis September.

14:39 - ElBaradei wirft Mubarak kriminelle Methoden vor

Nach dem Gewaltausbruch auf dem Tahrir-Platz in Kairo hat Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei Präsident Husni Mubarak eine Politik der Einschüchterung und kriminelle Methoden vorgeworfen. Das Vorgehen der Mubarak-Anhänger gegen die Opposition sei "ein weiteres Anzeichen, dass sich ein kriminelles Regime krimineller Methoden bedient", sagte ElBaradei am Mittwoch dem BBC-Hörfunk. Er sei zutiefst besorgt. "Ich habe Sorge, dass es in einem Blutbad endet." Die Pro-Mubarak-Demonstranten seien ein "Haufen Schläger".

14:35 - Verletzte bei Zusammenstößen zwischen Mubarak-Anhängern und Gegnern

Bei Zusammenstößen zwischen tausenden Gegnern und Anhängern der ägyptischen Regierung sind am Mittwoch in der Hauptstadt Kairo mehrere Menschen verletzt worden. Mehrere Menschen ritten auf Kamelen und Pferden in die Menge hinein und schlugen mit Knüppeln und Eisenstangen auf Regimegegner ein. Zu den Zusammenstößen kam es, als die Anhänger von Präsident Husni Mubarak auf die gegnerischen Demonstranten auf dem Platz trafen. Rings um den Platz, der seit Tagen ein zentraler Ort der Massenproteste gegen die ägyptische Führung ist, standen Panzer der Armee. Die Soldaten griffen jedoch vorerst nicht ein. Nach Angaben von drei regierungskritischen Gruppen drangen auch Polizisten in Zivil auf den zentralen Tahrir-Platz vor.

14:30 - EU fordert schnellen politischen Wandel

Die Europäische Union hat den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak aufgerufen, einen politischen Wandel in dem arabischen Land schnellstmöglich einzuleiten. "Wir müssen Bewegung sehen", sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton am Mittwoch in Brüssel. Mubarak müsse auf den Willen der ägyptischen Bevölkerung reagieren und nun "so schnell wie möglich" handeln, antwortete Ashton auf die Frage, ob ein Abschied des ägyptischen Präsidenten von der Macht in einigen Monaten zu spät sei. Die Europäische Kommission forderte zuvor in einer Erklärung erneut "einen geordneten Übergang" in Ägypten mittels demokratischer Reformen hin zu "freien und fairen Wahlen". Die EU-Kommission sei bereit, Ägypten mehr Hilfe bei einem demokratischen Übergang zu leisten.

13:06 - Opposition hält an Großdemo fest

Trotz des Aufrufs der ägyptischen Armee zu einem Ende der Proteste hält die Oppositionsbewegung an ihrer für Freitag geplanten Großdemonstration fest. Die Demonstranten seien entschlossen, die Massenkundgebungen abzuhalten, sagte einer der Organisatoren, der anonym bleiben wollte, am Mittwoch. Ein Vertreter der Unterstützungskampagne von Oppositionsführer Mohamed ElBaradei , Iman Hassan, sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Wir erwarten mehr als eine Million Menschen auf den Straßen in ganz Ägypten, die den Sturz des Regimes fordern."

13:03 - "Miss-Germany"-Kandidatinnen reisen ab

Wegen der Unruhen in Ägypten werden die Kandidatinnen für die Wahl zur "Miss Germany 2011" ihre Vorbereitung im ägyptischen Urlauberzentrum Hurghada abbrechen und früher als geplant nach Deutschland zurückkehren. Sie reagierten mit der Entscheidung auf die "Sorge der Eltern" der 24 Kandidatinnen, sagte eine der Organisatorinnen, Ines Klemmer, am Mittwoch am Telefon der Nachrichtenagentur AFP. Sie selbst hätten von den Unruhen nicht mitbekommen, "absolut nichts", versicherte Klemmer. Das Auswärtige Amt hatte am Dienstag den verschärften Reisehinweis auf ganz Ägypten ausgedehnt.

12:06 - Mubarak bringt Reform auf den Weg

Einen Tag nach den Massenprotesten gegen sein Regime hat der ägyptische Präsident Husni Mubarak die versprochene Verfassungsreform auf den Weg gebracht. Das ägyptische Fernsehen meldete am Mittwoch, die Reform solle binnen 70 Tagen abgeschlossen werden. Dabei geht es vor allem um einen Paragrafen, der es unabhängigen Kandidaten praktisch unmöglich macht, für das Amt der Präsidenten anzutreten. Die Änderung dieses Paragrafen war vor Beginn der Protestaktionen vor einer Woche eine der wichtigsten Forderungen der Opposition gewesen. Jetzt, wo sich die außerparlamentarische Opposition zu einer Massenbewegung entwickelt hat, erwarten ihre führenden Köpfe jedoch noch weitere, radikalere Reformen. Das während der Massenproteste abgeschaltete Internet wurde am Mittwoch wieder freigeschaltet.

11:25 - Armee ruft Demonstranten zum Ende der Proteste auf

Die ägyptische Armee hat die Regierungsgegner zu einem Ende ihrer Proteste aufgerufen. Die Demonstranten sollten nach Hause gehen, um eine "Rückkehr zu Sicherheit und Stabilität" ermöglichen zu können, hieß es in einer Mitteilung der Armee, die am Mittwoch im staatlichen Fernsehen verlesen wurde. In der Nacht zu Mittwoch hatten erneut tausende Menschen auf dem Tahrir-Platz in Kairo ausgeharrt. Am Dienstagabend hatte Staatschef Husni Mubarak, gegen den sich die Proteste richten, den Verzicht auf eine weitere Amtszeit verkündet.

11:07 - Erdogan rät Mubarak zu weiteren Schritten

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan rät Ägyptens Präsident Husni Mubarak angesichts der andauernden Proteste zu weiteren Schritten. Mubaraks Verzicht auf eine neue Amtszeit habe die Demonstranten nicht zufriedengestellt, sagte Erdogan am Mittwoch in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek. Das ägyptische Volk erwarte, dass in kurzer Zeit mit dem Aufbau einer neuen Demokratie begonnen werde, habe aber kein Vertrauen in den Reformwillen des bisherigen Systems. "Ich denke, sie sollten diesen Prozess beginnen", zitierte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Erdogan während seiner Auslandsreise.

11:03 - Internet wieder freigeschaltet

Nach den Massenprotesten vom Dienstag hat Ägypten am Mittwoch das Internet wieder freigeschaltet. In der Kairoer Innenstadt bildeten sich wieder Demonstrationszüge von Tausenden Gegnern und Anhängern des Präsidenten Husni Mubarak. Die Streitkräfte riefen die Demonstranten über das Staatsfernsehen auf, nach Hause zu gehen. Mubarak hatte am Dienstagabend erklärt, er werde bei der Präsidentenwahl im Herbst nicht mehr antreten. Die Forderung der Opposition nach einem sofortigen Rücktritt lehnte er damit ab.

09:23 - Proteste gehen weiter

In Ägypten gehen die Proteste auch nach der Rückzugsankündigung von Präsident Husni Mubarak weiter. Mehrere hundert Demonstranten hielten sich am Mittwochmorgen auf dem Tahrir-Platz in Kairo auf. Am Vortag hatten dort Hunderttausende den Rücktritt Mubaraks gefordert.

mlr/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters