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10. Oktober 2005, 17:06 Uhr

Importstopp für Geflügel aus der Türkei

Die Türkei darf kein Geflügel mehr in die EU einführen. Mit ihrem Embargo reagierte die EU-Kommission auf den Ausbruch der Vogelgrippe in dem Land. Für Rumänien gibt es derweil erste Anzeichen einer Entwarnung.

Die ganze Nacht hindurch töteten Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums der Türkei Truthähne und Hühner© AP

Zum Schutz vor der hoch ansteckenden Vogelgrippe hat die Europäische Union den Import von lebendem Geflügel aus der Türkei verboten. Das Import-Verbot ergänze ein bereits bestehendes Embargo für nahezu alle Geflügelprodukte aus dem Land, teilte die EU-Kommission am Montag in Brüssel mit. Über einen Importstopp für Wildvögel wird derzeit beraten.

Die Vogelgrippe war in den vergangenen Tagen erstmals in der Türkei festgestellt und wird inzwischen auch in Rumänien vermutet. Unklar blieb aber zunächst, ob es sich um den auch für Menschen gefährlichen Virusstamm H5N1 handelt. In beiden Ländern wurden bereits tausende Vögel geschlachtet.

Noch kein Nachweis für Rumänien

Auch die Einfuhr von Federn aus der Türkei in die EU solle unterbunden werden, teilte die EU-Kommission weiter mit. Von einem Embargo für Rumänien sah die Kommission dagegen zunächst ab. "Es gibt einen Unterschied zwischen beiden Fällen", sagte ein Sprecher. Für einen Ausbruch der auch für den Menschen gefährlichen Variante der Vogelgrippe in Rumänien gebe es bisher keinen wissenschaftlichen Nachweis. Erste Tests seien negativ gewesen. Die Kommission rechne bis zum 12. Oktober mit weiteren Ergebnissen und werde umgehend darauf reagieren.

Die Schweiz, Griechenland, Bulgarien und die Ukraine kündigten dagegen bereits an, Importe von lebenden Vögeln und Geflügel-Produkten nicht nur aus der Türkei, sondern auch aus Rumänien zu verbieten.

Massenschlachten soll drei Wochen dauern

In der Türkei starben den Behörden zufolge bereits fast 2000 Truthähne auf einer Geflügelfarm im Nordwesten des Landes. Um den Hof wurde im Umkreis von drei Kilometern eine Quarantäne verhängt. Die Massenschlachtungen werden nach Einschätzung der türkischen Behörden die kommenden drei Wochen andauern. Bislang seien mindestens 3000 Truthähne und Hühner getötet worden.

Mit Einbruch der Dunkelheit fingen Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums die im Freiland gehaltenen Puten ein und töten sie in einer "Mini-Gaskammer" mit Hilfe von Kohlendioxid. Veterinäre vergruben die toten Tiere. Die Behörden vermuten, dass die Krankheit durch Zugvögel aus dem Ural eingeschleppt wurde.

Zwei bulgarische Jungen betrachten ein Huhn. Bulgarien importiert aus Angst vor der Vogelgrippe kein geflügel mehr aus dem Nachbarland Rumänien© AFP

Besitzer verweigerten Geflügeltötung

In Rumänien wurden die Massentötungen in dem Dorf Ceamurlia de Jos am Montag gestoppt. Rund 15.000 von insgesamt 45.000 Hausvögeln müssten in dem Ort im Süden des Donaudeltas noch getötet und entsorgt werden, aber die Einwohner weigerten sich, das Geflügel freizugeben, meldete der Fernsehsehsender "Realitatea TV". Obwohl die Behörden Entschädigungen in Aussicht stellten, wollten die Einwohner es sich bis Dienstag überlegen, ob sie weiteren Notschlachtungen zustimmen, hieß es. Bei drei in Ceamurlia verendeten Hausenten waren Antikörper gegen die Vogelgrippe festgestellt worden.

Es seien aber weiterhin keine Viren in den drei Hausenten entdeckt worden, sagte der Direktor des Nationalen Instituts für Diagnose und Tiergesundheit, Nicolae Stefan, am Montag. Die Untersuchungen in Bukarest würden noch zwei bis drei Tage dauern. Alarmierende Meldungen über Vogelsterben gab es erneut aus dem rumänischen Fischerdorf Maliuc, wo seit Tagen immer wieder verendete Schwäne gefunden werden. Erste Laborergebnisse zu diesen Fällen wurden bis spätestens Dienstag erwartet.

Die rumänischen Behörden hielten an vorbeugenden Sichermaßnahmen fest. "Wir handeln, als wäre es der Ernstfall", sagte der Landwirtschaftsminister. Alle Fahrzeuge, die in den Kreis Tulcea fahren oder ihn verlassen, werden kontrolliert und desinfiziert. In elf Verwaltungskreisen im Südosten des Landes herrscht Alarmbereitschaft. Geflügelmärkte wurden in den meisten Regionen verboten. Für das Donaudelta gilt ein vollständiges Jagdgebot, in den anderen Landesteilen gilt es nur für Vögel.

US-Gesundheitsminister befürchtet Pandemie

"Wir müssen gewappnet sein", sagte US-Gesundheitsminister Michael Leavitt am Montag in Bangkok zum Auftakt einer Reise durch mehrere südostasiatische Staaten, in denen die Krankheit bereits grassiert. "In diesem Jahrhundert hat es schon drei Mal Grippe-Pandemien gegeben und sie werden wieder kommen." Eine Pandemie ist eine Seuchen-Epidemie großen Ausmaßes, die sich über mehrere Länder ausbreitet. "Unsere Vorbereitungen sind noch nicht abgeschlossen und auch nicht angemessen", sagte Leavitt.

Das deutsche Agrarministerium bekräftigte, auf einen möglichen Ernstfall eingestellt zu sein. Es gebe einen Notfallplan, mit dem die Freilandhaltung von Geflügel verboten werden könne. Drei Bundesländer hatten bereits Mitte September in bestimmten Regionen entsprechende Verbote verhängt.

Nicht nur H5N1 kann gefährlich werden

An der zuerst 2003 aufgetretenen Vogelgrippe sind in Asien inzwischen mehr als 60 Menschen gestorben. Fälle der Krankheit wurden bereits in Russland und Kasachstan gemeldet. Das Virus wird bisher vom Tier auf den Menschen übertragen. Sollte er so mutieren, dass es direkt von Mensch zu Mensch verbreitet werden kann, könnte dies eine weltweite Epidemie auslösen.

Experten in Asien warnten unterdessen davor, dass auch andere Erregerstämme der Vogelgrippe den Menschen gefährlich werden könnten. Südkorea will Ende der Woche die Bauern des Landes auffordern, ihr Geflügel in Ställen zu halten und Kontakt der Haustiere mit Zugvögeln zu verhindern. Zugvögel aus Russland und Kasachstan werden Ende Oktober auf der koreanischen Halbinsel erwartet.

RTR/DPA
 
 
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