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21. Oktober 2007, 09:59 Uhr

Roboter erobern den Alltag

Sie werden immer beweglicher und selbstständiger - Roboter sind fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Auf der Ausstellung "Autonome Mobile Systeme" in Kaiserslautern treffen sich Wissenschaftler mit ihren Kreaturen.

Humanoide Roboter: die Ähnlichkeit mit Menschen ist immer verblüffender© Reiner Voss/dpa

Vorsichtig klettert Lauron über die großen Holzklötze, die die Menschen ihm zu Testzwecken in den Weg gelegt haben. Der sechsbeinige Roboter tastet den Untergrund ab, prüft, ob das Bein auf den Klötzen sicheren Halt findet und stakst langsam vorwärts. Lauron ist einer der "Stars" beim 20. Fachgespräch Autonome Mobile Systeme, bei dem seit Donnerstag in Kaiserslautern etwa 20 bewegliche Roboter gezeigt werden. Die nach dem Vorbild der Stabheuschrecke aufgebaute Maschine sei für den Einsatz in Gegenden gedacht, in denen man mit radgetriebenen Geräten nicht weiterkomme, erklärt Thilo Kerscher vom FZI Forschungszentrum Informatik in Karlsruhe. "Das geht in Richtung Trümmerfeld", sagt er. Denkbar sei etwa ein Einsatz nach Erdbeben sowie beim Minenräumen oder -finden.

Lauron und die anderen Roboter der Ausstellung sind Prototypen von Maschinen, die irgendwann einmal Serviceaufgaben übernehmen sollen. Da gebe es teilweise einen "Riesenbedarf", sagt der Organisator der Tagung, der Informatik-Professor Karsten Berns von der Technischen Universität Kaiserslautern. Er denkt an Roboter, die selbstständig Kanäle oder Brücken und Häuser auf Schäden untersuchen und so die Menschen von diesen mitunter gefährlichen Tätigkeiten entlasten. Seine Mitarbeiter tüfteln derzeit an einem scheibenförmigen Kletterroboter, der sich mittels Unterdruck an Gebäuden "festsaugen" und an ihnen hochfahren soll, um sie zu untersuchen. Die Maschine sei "fast fertig", sagt Mitarbeiter Tobias Luksch.

Roboter helfen Menschen im Haushalt

Große Erwartungen setzt Berns auch in das Projekt Artos, bei dem die Universität mit dem Fraunhofer Institut zusammenarbeitet. Dabei handelt es sich um einen kleinen fahrbaren Roboter, der vielleicht einmal ältere Menschen im Haushalt unterstützen soll. "Das Fahrzeug dient erstmal für Kommunikationszwecke, für einfachere Serviceaufgaben und für die Notfallerkennung", erklärt Berns. Ältere Menschen, die allein zu Hause lebten, seien mitunter nicht mehr in der Lage, ihr Telefon zu finden oder die richtige Nummer einzugeben. "All diese Sachen kann man im Prinzip über ein Robotersystem machen", sagt der Professor. So könnten die Verwandten des älteren Menschen nicht diesen, sondern das Robotersystem anrufen, das den Senior in der Wohnung suche, ihn anspreche und ein Bildtelefon parat halte.

Um Notfälle erkennen zu können, solle das Fahrzeug regelmäßig die Wohnung inspizieren, sagt Berns. Wenn der Bewohner bei Kontakt nicht reagiere, könne es die Notfallzentrale alarmieren, die sich über eine auf dem Fahrzeug angebrachte Kamera ein Bild verschaffen und die Notfallärzte rufen könne. Die Arbeiten an dem Gerät gehen nach Berns' Angaben voran. Es könne bereits selbstständig in der Wohnung navigieren. Als nächstes sei die Personenerkennung dran - "auch wissenschaftlich immer noch ein sehr schwieriges Gebiet".

Vorbild Mensch

Nach seiner Schätzung könnte das Gerät 1.000 bis 1.500 Euro kosten, wenn es in größerer Stückzahl gebaut werde. Berechnungen hätten gezeigt, dass Milliarden gespart werden könnten, wenn es mit Hilfe der Technik gelänge, dass Senioren ein bis zwei Jahre länger in ihrer Wohnung leben könnten.

Auf die Frage, wo Roboter noch besser werden müssten, nennt der Professor allgemein die Fähigkeit zur "vernünftigen" Umwelterkennung. "Das ist immer noch ein Riesenproblem in der Robotik." Soweit wie das Vorbild Mensch sei man "noch lange, lange nicht". Er beklagt auch eine mangelnde Unterstützung für bestimmte Projekte. Zwar gebe es Förderprojekte - "nur das Geld wird im Moment meines Erachtens schlecht verteilt". So hätten größere Institute wegen ihrer Verbindungen bessere Chancen an Projekte zu kommen als kleine, obwohl bei denen oft neuere Ideen umgesetzt würden. Auch gebe es zu wenig Firmen, die sich finanziell engagierten. Sie erwarteten von der Wissenschaft fast fertige Produkte, dies könne aber nicht Aufgabe der Wissenschaft sein.

dpa/ts
 
 
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