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Auto-Design: Pariser Visionen - Nah an der Straße

Schlaganfälle, Kurvenstars und Engel aus dem Automobilhimmel machten sich in Paris rar. Stattdessen gab es die Hausmannskost der nächsten Saison. Offenbar vermuten die Hersteller, dass 12-, 16- oder 20-Zylinder-Maschinen nicht das richtige Rezept sind, um den zurückhaltenden Kunden zum Kauf zu verführen.

Oftmals wird bei Designstudien hemmungslos geträumt. Doch anstatt avantgardistischer Visionen wurde auf dem Pariser Automobilsalon diesmal sehr nahe an der Realität präsentiert. Nur bei Peugeot wurden noch alle Männerträume war. Wen wundert es? Im Segment der Kleinwagen und der unteren Mittelklasse ist man stark, was mal wieder fehlte, ist der Beweis für Sportlichkeit und Oberklassenglanz. Die Studie 907 V 12 tritt diesen Beweis überzeugend an.

Wer würde sich nicht von diesem Wagen verführen lassen. "Quark" heißt die Studie eines Quads mit Brennstoffzelle. So etwas sieht lustig aus. Aber was solle es bedeuten, wenn ein Hersteller einen möglichen Zukunftsantrieb auf reines Jux-Modell verlagert? Nah dran an der harten Wirklichkeit der Großstädte ist der 1007. Der pfiffige City-Flitzer wird ab dem nächsten Frühjahr seine Kunden finden. Sicherlich nicht zuletzt wegen der auffälligen Seitentüren.

Renault vergab die Chance, das wirkliche Thema von Paris zu besetzen. Die Sensation im automobilen Preiskeller wurde nicht genutzt, aus unerfindlichen Gründen durfte das Billig-Mobil Logan der Konkurrenz nicht den Kampf ansagen. Dabei wäre der Logan das richtige Auto am richtigen Ort gewesen, wurde der Salon doch von den Innovationen im Kleinwagen und Mini-Van Segment beherrscht. Die Studie "Fluence" war zwar auch schön anzuschauen, aber stimmt nicht das Thema der nächsten Jahre an. Immerhin hatte Renault den "Modus" aufzubieten. Hier zeigt sich die Raffinesse der Franzosen bei Detaillösungen, herausgekommen ist ein kleiner Wagen mit großem Herzen und viel Charme. Citroen stand ganz im Schatten des C4. Ein knackiger und individueller Mittelklassewagen mit unverwechselbarem Gesicht. Mit ihm kann es für Citroen wieder voran gehen, der Wagen hat das nötige Kultpotential, um bei dem gutverdienenden Großstadt-Nachwuchs anzukommen.

Die Studie von Ford, die einen Ausblick auf eine Coupé- Cabrio-Variante des Focus zeigt, heißt "Vignale Concept". Sie dürfte in zwei Jahren starten, versehen mit einem im Kofferraum versenkbaren Stahlverdeck. Vermutlich wird der offene Focus in zwei Jahren auf den Markt kommen. Rechtzeitig genug, um dem VW Golf Cabrio Konkurrenz zu machen. Auch Mercedes blieb nah an der Serientauglichkeit. Mit dem CLS zeigte die Marke eindrucksvoll, dass sie in der Lage ist, Emotionen zu wecken. "Langeweile und Gediegenheit" wird niemand diesem Schwaben-Traum nachsagen. Die Vision B startet im Frühjahr als flotter Zwitter der A-Klasse, die spannendere Vision R soll spätestens Anfang 2006 auf die Straße kommen.

Der Fahrer des Ford Mustang macht ganz schön auf dicke Hose

Auch der Astra OPC ist serienreif, mit 240 PS wird er schon im Herbst dem Golf GTI Paroli bieten. Mit ihm will VW die alte Legende neu beleben. Der GTI muss im reinen Muskelvergleich mit dem leider Opel passen, bei ihm sind "nur" 200 PS an Bord. Die Studien von Lexus-Stand nehmen auf die künftigen IS und LS vorweg. Nissan stellt dem X-Trail mit dem runderneuerten Pathfinder einen großen Bruder an die Seite. Kia stellt den komplett neuen Sportage vor. Technisch identisch mit dem Hyundai Tucson ist er ein Vertreter der Softy-Soft-Allroader, praktisch zwar ohne Geländenutzen, dafür aber günstig zu haben.

BMW zeigt Träume unterschiedlicher Realitätsnähe. Halten beim M5 nur die Kosten die Interessenten in Schach, wird das Concept Car nie in Serie gehen. Hinter dem Weltrekordfahrzeugs steht dafür die Wasserstofftechnologie, die BMW in ein zwei Jahren in Siebener stecken will.

Kra

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