HOME

AUTO: Die PS-Bullen aus dem Allgäu

Mit einem Doppelvergaser begann vor 40 Jahren die Erfolgsstory des Auto-Veredlers Alpina. Seither ist die Firma in Buchloe die feinste Adresse für BMW-Fahrer.

Das Alpina-Logo schmückt links ein Doppelvergaser auf rotem und rechts ein Korkenzieher auf blauem Grund. Auf den ersten Blick. Wenn man genau hinschaut, ist der Korkenzieher eine Kurbelwelle.

Das macht Sinn: Schließlich stellt Alpina edle (und teure) Autos her. Ein Korkenzieher im Wappen wäre aber auch angebracht.

Denn das Unternehmen im beschaulichen Buchloe südlich von Augsburg handelt auch mit Weinen, und die gehören ebenfalls nicht in die Billig-Kategorie.

Auto-Wein-Kombination ist nicht absonderlich

»Automobile für Gourmets« biete man der geschätzten Kundschaft an, sagt Alpina-Gründer Burkard Bovensiepen, während er beglückt an einem gereiften Tignanello schnüffelt, dessen Bouquet sanft und voll einem bauchigen Rotweinglas entsteigt, und edle Tropfen, die man als die Rolls-Royce oder Ferrari unter den Rebengewächsen bezeichnen könnte.

So gesehen sei die Kombination Auto-Wein nicht so absonderlich, wie sie auf den ersten Blick erscheine. Findet Herr Bovensiepen.

Wein statt Bier

Dem kommt es auch gar nicht seltsam vor, dass ausgerechnet im schwäbisch-bayerischen Oberland, in dem ansonsten die Milchwirtschaft und der Löwenzahn blühen, Deutschlands kleinste Automobilfirma - Jahresproduktion derzeit an die 900 Stück - zu Hause ist.

Und Deutschlands exquisitester Weinhandel, wo doch rundherum das Volksgetränk Bier heißt und in vielen Wirtshäusern der Chianti noch immer unter »Tschianti« läuft. Schließlich ist der 65-Jährige ja an allem schuld.

Hohe technische Reife

Außer am Namen Alpina. Den hat er von seinem Vater übernommen. Rudolf Bovensiepen inspirierte nach Kriegsende im nahen Neugablonz der Anblick der majestätischen Allgäuer Alpen zum Firmennamen für seine Schreibmaschinenfabrik, die in den sechziger Jahren allerdings Pleite ging.

Doch da hatte sein damals 24-jähriger Sohn Burkard, Student der Betriebswirtschaft und des Maschinenbaus, schon an den väterlichen Fräsen seine ersten Motoren mit Doppelvergaser zusammengebosselt. Und der BMW-Konzern, dessen Autos seit damals Grundlage aller Alpina-Konstruktionen sind, den Erzeugnissen aus dem Hause Alpina hohe technische Reife bescheinigt.

»Wir frisieren keine BMW«

Seit 1961 werden nun unter dem rot-blauen Logo stinknormale BMWs veredelt. Bovensiepen wird so fuchsteufelswild wie sonst nur, wenn jemand vor seinen Augen Champagner mit Orangensaft mischt, falls man dieses Tun als Tuning bezeichnet.

»Wir entwickeln die Motoren selbst. Wir rüsten unsere Autos unter anderem mit der Switch-Tronic aus, einem Getriebe, das die Vorteile von Automatik und Handschaltung optimiert. Und wir statten die Alpina-Automobile mit den edelsten Materialien maßgeschneidert nach den Wünschen unserer Kunden aus. Kurz, wir stellen Automobile her und frisieren keine BMW.«

Mit dem Besten zufrieden

»Gesamtkunstwerk« komme ihm in den Sinn, wenn er an seine Kreationen denke, sagt der selten um Formulierungen verlegene Bovensiepen, oder Oscar Wildes Apercu: »Ich habe einen ganz einfachen Geschmack. Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.«

Das mag mit seiner Kindheit zusammenhängen. Die verbrachte er wegen einer Knochentuberkulose größtenteils im Krankenhaus. »Zwischen drei und elf Jahren die meiste Zeit im Bett zu liegen, das ist kein Spaß.«

Gute Bescheidenheit

Halbwegs wiederhergestellt hielt ihn sein Vater mehr als knapp, wie Bovensiepen noch heute findet. »Das ist zu gut für den Jungen«, sei Vaters geflügeltes Wort gewesen. Und da habe er, der kleine, wegen einer steifen Hüfte humpelnde Burkard, beschlossen, diesen Satz auf den Kopf zu stellen, wenn er einmal groß sei.

Montage per Hand

Bovensiepen führt den stern in die Produktionshallen, die eher sehr aufgeräumten Werkstätten gleichen. Keine Fließbänder, sondern Montageplätze, wo Autos mit der Hand zusammengebaut werden.

So ist ein einziger Kfz-Mechaniker für die schrittweise Verwandlung eines nackten Motorblocks in ein 347 PS leistendes Antriebsaggregat zuständig. Es werde allerdings immer schwieriger, aus Standardmotoren zusätzliche Leistung herauszukitzeln, seufzt Meister Schatz, der nun schon seit 23 Jahren bei Alpina schafft (die meisten der 150 Beschäftigten hier sind Langzeitmitarbeiter).

Schnellster Diesel der Welt

Auf einem Sockel hinter Schatz und dem Chef steht ein kompakter Metallblock wie ein Denkmal für den Unbekannten Konstrukteur. Es fehlen nur die täglich frischen Blumen davor.

»Unser D10 Biturbo, der schnellste Diesel der Welt«, sagt Bovensiepen und tätschelt das kühle Metall. Ein Diesel, zusammen mit BMW entwickelt, der beschleunigt wie ein Benziner und eine Spitze von 250 km/h erlaubt. Kein Vorglühen, kein Nageln, ich bitte Sie!

Motor zum Preis eines Golf

Direkt billig ist er natürlich nicht, dieser Turbo-Diesel, genauer gesagt ist er der bisher teuerste von Alpina angebotene Motor, der so viel kostet wie ein VW-Golf, also gut 30000 Mark. Dafür brauche er aber auch bei flotter Fahrt nur zehn Liter pro 100 Kilometer und übererfülle alle Normen für Geräuschentwicklung und Schadstoffemission.

Tempobolzen ohne Rücksicht auf Spritverbrauch und Umwelt, wie er das hasse! »Diese amerikanischen Monster, diese überdimensionierten Sport-Utility-Vehicles mit Vierradantrieb, die das Benzin nur so in sich hineinfressen, sind absolut nicht mein Fall.« Vernünftige Kleinwagen hingegen, so was wie der VW Lupo, dafür könne er sich durchaus erwärmen.

Nicht für Raser

Wieder redet Bovensiepen vom Gesamtkunstwerk und meint, dass bei seinen Edelkarossen Sparsamkeit und Umweltverträglichkeit entscheidende Faktoren seien. Höchstgeschwindigkeiten bis zu 300 km/h seien kein Selbstzweck, keine Lizenz zum Rasen.

Sondern Leistungsreserve für die »reine Freude am Fahren«, wie es auch der Hochglanzprospekt aus dem Hause ausdrückt. »Wissen Sie, dass ich selbst bei Tempo 250 auf der Autobahn fast nie bremsen muss, weil ich zwar zügig aber nicht aggressiv fahre?«, versucht Bovensiepen zu renommieren. So wie er möchte der Alpina-Chef auch seine Kundschaft unterwegs sehen.

Der Weinkeller

Eigentlich will Bovensiepen jetzt die Autosattlerei vorzeigen. Doch beim Gang über den Hof fällt sein Blick auf eine Kellertreppe, die zu einer roten Stahltür führt: »Unser Weinkeller.«

Die Augen des Autoherstellers leuchten auf. Fast noch ein bisschen mehr als angesichts seines Turbo-Diesels auf dem Sockel.

Die Stahltür öffnet sich dezent quietschend zu einem schummrig beleuchteten Terracotta-Gewölbe mit Fresken an der Decke und einem Springbrunnen in der Mitte.

Aus dem Halbdunkel der Nischen in den Wänden schimmern die Umrisse von vielen, vielen Weinflaschen. Es fehlt nur noch leise Orgelmusik, und man könnte sich in einer Kathedrale fühlen. Einer Kathedrale für Gott Bacchus.

Händeln mit Wein

Das geballte Auftreten von mythischen Namen wie Barolo, Pessac-Léognan oder Monte Bello lässt selbst mäßigen Weinkennern einen Schauer über den Rücken laufen. »Wir handeln nicht mit Weinen, wir händeln sie«, sagt Bovensiepen in bestem Werbe-Neudeutsch.

Weine bei und von Alpina seien ein Investment, der Zugewinn an Geschmack und Geldwert könne die Kunden lange erfreuen. Im Katalog, wo die Preise für eine 0,7-Liter-Flasche leicht in die dreistelligen Zahlen gehen können, sind alle Angebote denn auch wie Aktien bewertet: trinken, trinken oder liegen lassen, unbedingt liegen lassen.

Zuteilen von Flaschen

Gut eine Million Flaschen hat Alpina auf Lager, und damit beliefert man einen Kundenkreis von 5000 Privatabnehmern und ein paar hundert Edelrestaurants in ganz Deutschland.

Bei manchen Lagen und Jahrgängen ist der Andrang so groß, dass vom geschätzten Publikum im Katalog Nachsicht verlangt wird: »Die Nachfrage nach Sassicaia übersteigt das Angebot bei weitem - bitte verstehen Sie deshalb, dass wir den Wein zuteilen müssen.« Bovensiepen: »Da kriegt einer drei Flaschen, wenn er 30 bestellt hat.«

Lukrativer Weinhandel

Absolute Raritäten, deren Geldwert schon längst in den hohen Tausender-Bereich geklettert ist, tauchen in keinem Katalog auf. Halbsakrale Gewächse - wie etwa ein 1959 Cháteau Lafite-Rothschild - dürfen nur mit Unterschrift des Chefs außer Haus gehen, und für den ist es dann jedes Mal so, als hätte ein Sohn für immer das Elternhaus verlassen.

Dabei verdient Bovensiepen gut an den verlorenen Söhnen. 15 bis 20 Prozent des Alpina-Umsatzes macht inzwischen der 1979 begonnene Weinhandel aus.

Auf die Frage, wie er darauf gekommen sei, Autos mit Weinen zu paaren, hat sich der Genießer eine pointierte Antwort zurechtgelegt: »Eines Tages stellte ich fest, dass ich selbst unter Inkaufnahme einer Leberzirrhose meinen Weinkeller nicht mehr würde leer trinken können.«

Zurück im Reich der Pferdestärken

Wir steigen wieder auf ins Tageslicht. Zurück ins Reich der Pferdestärken. Die Autosattlerei. Ulrich Zecke ist der verantwortliche Innenarchitekt für Bovensiepens Autos und kann einem schnell klar machen, warum etwa schon ein Alpina-Cabriolet frugaleren Zuschnitts 100000 Mark kostet.

Hier wird maßgeschneidert, handgenäht. Alpina-Rauten in den Hausfarben Grün und Blau. Groß oder klein, dezent oder auffällig, querbeet oder sparsam nur im Sitzbezug.

Weiches, handgegerbtes Rindsleder anstelle maschinell behandelter Häute. Meister Zecke fasst mit spitzen Fingern ein solches Stück Maschinenleder an und macht ein Gesicht, als habe er in ein Reibeisen gegriffen.

Individualität pur

Vier Tage dauere es, das Innere eines Alpina individuell aufzusatteln. Mancher Kunde, sagt Zecke, wolle des Guten fast zu viel.

»Einer bestand darauf, dass auch sein Handschuhfach innen mit bestem Leder gefüttert wurde. Ein anderer verlangte als Sitzbezug Wasserbüffelfell. Und zwar so verarbeitet, dass das Brandzeichen sichtbar sei. Wegen der Authentizität. Da mussten wir ganz schön strampeln, um das hinzukriegen.« Zecke seufzt. Wer bezahlt, schafft an.

Nur für Ausgewählte

Nicht immer, meint der Chef. Einen mit Goldlamée gefütterten Alpina könne er sich zum Beispiel nicht vorstellen. Und an Goldkettchenträger mit Sonnenbank-bräune und silikongestützter Begleiterin verkaufe er grundsätzlich nicht.

»Ein Alpina ist kein Auto für halbseidene Typen.« Mit den Namen prominenter Käufer jenseits der Schickimicki-Welt will Bovensiepen nicht so recht herausrücken. Understatement verpflichte. Auch zu Diskretion.

Prominente Kundschaft

Na ja, der König von Belgien chauffiere ein Auto aus seinem Haus. Und Bernd Pischetsrieder habe in seiner Zeit als Chef der Bayerischen Motorenwerke nicht die eigene Marke, sondern BMW-Alpina gefahren.

Persönlichkeiten dieser Art könnten den diskreten Charme der Autos aus Buchloe so richtig schätzen. Die unaufdringlichen Luxus-Details: Felgen etwa, bei denen die Reifenventile unsichtbar sind, weil versteckt unter dem Radnaben-deckel mit dem Firmen-Logo drauf. Ein Fingerdruck aufs »p« in Alpina, und - Simsalabim - der Deckel öffnet sich.

Wein für die Stammkunden

Stammkunden, die sich ihren neuen Wagen selbst vom Werkshof in Buchloe abholen, gibt Burkard Bovensiepen als freundschaftliche Geste ein Kistchen Wein mit auf den Heimweg.

»Eine gewisse Korrelation zwischen der Preisklasse von Auto und Wein besteht dabei«, sagt Bovensiepen. Kein Grund zur Unruhe: Mit einem Karton »Erlauer Stierblut« oder »Liebfrauenmilch« auf der handgegerbten Rückbank ist noch niemand aus dem Hof geschnurrt.

Von Teja Fiedler

Fotos von Ingo Barenschee

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.