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Dirk von Zitzewitz: "Sportlicher Wettkampf auf hohem Niveau"

Die Enttäuschung über die Absage der Rallye Dakar war riesig. Doch jetzt freut sich Dirk von Zitzewitz, beim Auftakt der neu gegründeten Dakar-Series wieder ins Rennauto steigen zu können. Im stern.de-Interview spricht der Co-Pilot von VW-Fahrer Giniel de Villiers über seine Erwartungen an den Ritt durch Ungarn und Rumänien.

Die Entscheidung hat ihn zunächst überrascht: Als Dirk von Zitzewitz erfuhr, dass der Auftakt zur neuen Dakar-Series in Rumänien und Ungarn stattfinden würde, wusster er zunächst nicht, was er davon halten sollte. Mittlerweile sagt er jedoch: "Die Idee ist ganz interessant - auch wenn das etwas anderes ist als Dakar." Für die "Central Europe Rally (CER)" vom 20. bis 26. April hat sich der deutsche Co-Pilot von VW-Fahrer Giniel de Villiers große Ziele gesteckt. Im vergangenen Jahr wurde der Schleswig-Holsteiner zusammen mit seinem Partner aus Südafrika FIA-Vizeweltmeister im VW Race Touareg 2. Der achtfache Rallye-Dakar-Teilnehmer ist aktuell bester Deutscher in der Welt-Cup-Wertung der Mararthon-Rallyes.

Herr von Zitzewitz, freuen Sie sich nach der Absage der diesjährigen Rallye Dakar, im April bei der "Central Europe Rally (CER)" in Ungarn und Rumänien an den Start gehen zu können? Ursprünglich war der Auftakt zur neuen Dakar-Series ja erst für kommendes Jahr geplant.

Dass die Veranstalter den Termin vorgezogen haben, war das Beste, was passieren konnte. Darüber haben sich alle Rallye-Fahrer gefreut. Nach der Dakar-Absage ist es auf jeden Fall positiv und sogar zwingend notwendig, dass es wieder los geht und wir ein Rennen zu fahren haben. Ich muss allerdings zugeben, dass mich die Entscheidung sehr überrascht hat, dass so ein Rennen in Europa ausgetragen wird.

Warum?

In Europa ist der Platz doch relativ begrenzt. Da kann man sich in unserem Sinne nicht so austoben. Daher hatte ich erwartet, dass man in Räume geht, die landschaftlich freier sind, wie zum Beispiel Russland oder Asien.

Es gibt die Gerüchte, dass die Dakar-Series als Qualifikationsinstrument für die Rallye Dakar etabliert werden soll. Was halten sie davon?

Von dieser Idee habe ich auch schon gehört. Ich halte davon einiges. Zurzeit ist es noch so, dass sich jeder anmelden kann. Zwar entspricht das dem Abenteuer- und Amateurgedanken der Rallye Dakar. Aber für den sportlichen Wettkampf kann das auch sehr gefährlich sein, weil Leute an dem Rennen teilnehmen, die der Herausforderung nicht gewachsen sind. Insofern halte ich eine Qualifikation für vernünftig.

Ein Motorradfahrer will kräftig angeben und blamiert sich heftig.

Zurück zur CER. Wie haben Sie sich bisher darauf vorbereitet?

Wir sind schon in Ungarn gewesen und haben uns umgeschaut, um einen Eindruck davon zu bekommen, was uns dort erwartet. Das wird bestimmt ein sehr enges Rennen. Zum einen räumlich, weil wir in Ungarn fast nur auf Militärgelände fahren. Und zum anderen wird die Strecke sehr kurvig und zick-zack-mäßig sein. Ich gehe davon aus, dass wir wenig bis gar keine freie Navigation haben werden, wie in Afrika, wo man zum Teil wirklich den Weg finden muss. In Ungarn und Rumänien dürfte der Streckenverlauf dagegen relativ eindeutig sein.

Was bedeutet das für das Rennen?

Das fahrerische Element tritt stärker in den Vordergrund. Die vielen anderen Komponenten, die normalerweise bei einer Rallye Dakar gefordert sind, werden dadurch etwas in den Hintergrund rücken.

Wie sieht der Ablauf bis zum Rennstart am 20. April jetzt noch aus?

Wir haben noch einen zweiten Test in Ungarn gemacht, um das Auto genau auf die Gegebenheiten dort einzustellen. Und auch, um selbst wieder langsam in den Rhythmus zu kommen. Schließlich haben wir zuletzt am 2. Januar im Auto gesessen. Außerdem studiere ich intensiv Karten und lese mich ins Reglement ein. Parallel dazu schraube ich die körperliche Vorbereitung weiter hoch. Ich mache Ausdauerläufe, gehe in den Kraftraum und fahre Motocross. Besonders Rücken und Nacken sind auf dem unebenen Terrain heftigen Schlägen ausgesetzt. Deshalb müssen wir in der Lage sein, die Wirbelsäule stabil zu halten.

Wie beurteilen Sie das Teilnehmerfeld?

Alle Top-Fahrer der Rallye Dakar gehen hier an den Start. Ich bin mir sicher: Das wird ein guter und vor allem spannender Wettkampf werden.

Welche Chancen rechnen Sie sich mit ihrem Partner Giniel de Villiers aus?

Es wird zwar nicht einfach werden. Aber ich halte uns durchaus für einen der Favoriten.

Im kommenden Jahr findet die Rallye Dakar nicht in Nordafrika sondern in Chile und Argentinien statt. Kann die CER bereits als Generalprobe dafür gesehen werden?

Mit Sicherheit nicht. Das wird ein sportlicher Wettkampf auf hohem Niveau, weil alle Top-Teams und Autos dabei sein werden. Außerdem bekommt man ein Feedback, wo das Auto und man selbst sportlich steht. Aber ansonsten sind die Voraussetzungen mit Südamerika nicht vergleichbar.

Was halten Sie denn davon, dass die Rallye Dakar aus Sicherheitsgründen 2009 nicht in Nordafrika sondern in Südamerika ausgetragen wird?

Ich war noch nie dort. Aber alle, die schon einmal drüben waren, sind begeistert und mit leuchtenden Augen wiedergekommen. In Chile und Argentinien kann man anscheinend ein Rennen durchführen, das den Geist der Rallye Dakar in sich trägt und jede Menge Abenteuer und Herausforderung bietet. Die Strecke soll ähnlich anspruchsvoll sein wie in Nordafrika - nur in einem sichereren Umfeld.

Interview: Kai Behrmann

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