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"Le Mans Classic": Rückkehr der Oldtimer

Es ist noch immer ein Kampf zwischen Ford und Ferrari. 40 Jahre nach dem ersten 24-Stunden-Rennen kehren die Klassiker an den historischen Ort zurück: Beim Anblick der Oldtimer geraten auch Musikerlegenden wie Mark Knopfler ins Schwärmen.

Von Axel F. Busse

Enzo Ferrari war ein Mann vieler Talente. Eines davon war, sich den Zorn anderer Zeitgenossen zuzuziehen. Das schaffte er 1963 mit Ferruccio Lamborghini und ein Jahr später mit Henry Ford II. Lamborghini begann daraufhin, seine eigenen Sportwagen zu bauen. Henry Ford fasste den folgenschweren Entschluss, "Il Commendatore" dort zu schlagen, wo es ihm am meisten wehtun würde: Auf der Rennstrecke.

Der Rest ist Motorsportlegende - und dieser Tage Anlass für eine mediale Inszenierung der besonderen Art: Zum 40. Jahrestag des 3-fach-Sieges von Ford beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans posiert ein Mann mit schwarz-weiß-karierter Flagge an der Start-Ziel-Linie des Rundkurses an der Sarthe. Der Mann ist John Fleming, Ford-Chef in Europa. Vor ihm sind die drei Original-Rennwagen von damals aufgebaut und er leiht sich noch schnell einen Hut, denn den hatte der Mann mit der Zielflagge anno 1966 auch in der Hand.

Rollendes Auto-Museum

Die Szene sieht aus wie ein vor 40 Jahren tiefgefrorenes 3-D-Tableau - hunderte Kameras klicken, um diesen historischen Moment festzuhalten. Tausende Zuschauer sind auf den Rängen, denn "Le Mans Classic" ist nach dem 24-Stunden-Rennen vier Wochen zuvor die Rennsportveranstaltung des Sommers. Ein rollendes, mal schnaufendes, mal kreischendes Auto-Museum, das wie im Zeitraffer die technische Entwicklung des Rennsports erlebbar macht.

Die Fehde zwischen Henry Ford II. und Enzo Ferrari besteht seit dem gescheiterten Verkauf der italienischen Sportwagenschmiede an den amerikanischen Konzern. Die Verträge über die notorisch klamme Manufaktur aus Modena waren praktisch schon perfekt, als Ferrari sich weigerte, auch die Kontrolle über die Rennabteilung aufzugeben. Denn die war sehr erfolgreich: Gemeinsam mit dem Shelby-Rennstall und den Technikern von Holmann Moody gelang Ford nicht nur der überlegene Sieg von 1966, sondern auch noch in den Folgejahren ’67 bis ’69 und 1975.

Ritter-Romantik am Rande des Rennens

Der Kampf der Kulturen Amerika gegen Europa trieb damals bisweilen skurrile Blüten. Der Engländer John Whitmore hatte in einem Ford von 1966 die schnellste Trainingsrunde hingelegt. "Das durfte aus Sicht der Stallregie nicht so bleiben", erzählt der inzwischen zum Ritter geschlagene Ex-Fahrer verschmitzt. "Mein amerikanischer Kollege Dan Gurney wurde noch mal rausgeschickt und schlug meine Bestzeit um ein paar Zehntel".

Das Wiedersehen der Renn-Veteranen verleiht den "Le Mans Classics" einen besonderen historischen Glanz. Wenn sie ein geschmeidiges "Dschietiefortie" als Bezeichnung für die Siegerautos über die Lippen bringen, spiegeln ihre Gesichter Respekt und Wehmut wieder, ob der guten alten Zeit des Rennsports. Brian Lewis war damals Mechaniker im Team: "Sie versprachen mir 20 Pfund die Woche, das war eine recht ordentliche Bezahlung für die Arbeit in der Box. Aber sie verrieten mir nicht, dass ich dafür 80 Stunden die Woche arbeiten müsste".

400 Oldtimer rollen an einem historischen Ort

Der Sieg beim Rennen rund um die Uhr war damals wie heute nicht nur eine sportlich-technische Herausforderung - dieses Jahr gewann übrigens Audi mit einem Dieselfahrzeug. 1966 war es für die Ford-Crew wie ein Auftrag des Allerhöchsten: Konzernchef Henry Ford II hatte seinem damaligen Rennleiter, Leo Beebe, eine Visitenkarte zugesteckt, auf deren Rückseite Fords Erwartungen handschriftlich und umissverständlich fixiert waren: "They better win" ("Sie sollten besser gewinnen")" stand da und Leo Beebe trug diese Devotionalie noch Jahre später mit sich herum.

Nicht weniger ernsthaft, nur nicht mit der Verbissenheit einer internationalen Firmen-Fehde, geht es anno 2006 auf der 13,6 Kilometer langen Strecke zu. Nahezu 400 Oldtimer der Jahrgänge 1923 bis 1979 haben die Rennsport-Enthusiasten aus Europa und Übersee in den sechs verschiedenen Klassen gemeldet. Natürlich sind bekannte Hersteller wie Bugatti, Jaguar oder Porsche darunter, aber auch Klassiker, die heute nur noch Eingeweihten ein Begriff sind: Lagonda, Delahaye, Marcos oder Lola schrieben ihre eigenen Kapitel in der dicken Enzyklopädie der Motorsportgeschichte. Der Grad der Hingabe der Fans ist nicht zuletzt an den Preisen der Devotionalien abzulesen, die rund um das Fahrerlager gehandelt werden. Ein Set der drei Gewinner-GTs gefällig, im Maßstab 1:18? Kein Problem, für 490 Euro wechselt es den Besitzer.

Zahnarzt von Virus infiziert

Auch die Marke De Tomaso kennt heute kaum noch jemand. Dr. Martin Jörgens schon, und obendrein das exklusive Gefühl, ein Exemplar der italienischen Marke mit Vollgas über die Hunaudière-Gerade zu jagen. Der Zahnarzt aus Düsseldorf war vor vier Jahren erstmals als Zuschauer beim "Le Mans Classic" und kehrte prompt mit einer unheilbaren Infektion des Oldtimer-Virus zurück. Der 480 PS starke "Pantera", den er seit zwei Jahren sein Eigen nennt, trägt die Gene des Ford GT in sich – einen V8 Motor des Typs "Cleveland" mit 351 Kubik-Inch (5,7 Liter) Hubraum.

"Das möchtest Du auch mal machen, hab' ich gedacht, als ich diese spezielle Atmosphäre hier schnupperte", erzählt der 42-Jährige. Während des Rennens wäre ihm seine blau lackierte Kostbarkeit beinahe wegen defekter Stopfen an der Auspuffanlage abgebrannt. "Das ist halt keine Kaffeefahrt, sondern Rennsport", zuckt Jörgens die Achseln. Das musste auch Adrian Newey, der aktuelle Rennleiter des Red Bull-Formel-1-Teams erfahren. An der ersten Schikane der Hunaudières versagten die Bremsen seines GT 40. Der Rennwagen zerpflückte den Reifenstapel, der Fahrer blieb unverletzt.

Nick Mason und Mark Knopfler im Rennfieber

Nicht nur VIPs aus dem Motorsport sind bei der Klassiker-Ausgabe des Le-Mans-Rennens anzutreffen. Auch Musiker scheinen eine gewisse Nähe zu automobilen Veteranen zu verspüren. Nick Mason, der Drummer von Pink Floyd, ist seit Jahrzehnten in der Szene als Oldtimerfan bekannt und besitzt eine ansehnliche Sammlung. Ein grüner Ferrari 512 BBLM mit seinem Namenszug auf der Fahrertür ist diesmal auf der Strecke zu sehen. Mark Knopfler, Chef von Dire Straits, bevorzugt dagegen einen Austin Healy 100 S des Jahrgangs 1954.

Es ist halt fast alles wie damals an diesem Wochenende an der Sarthe. Im Zeitraffertempo prescht die Automobil-Historie an den rund 50.000 Zuschauern vorbei, es wird geschraubt und gejubelt, gefachsimpelt und mit dem vollem Körpereinsatz am Steuerrad gerissen, denn Servolenkung gab es damals noch nicht. Nur eines ist grundlegend anders heute. Jim Wallace, früher bei Shelby für die Ersatzreifen zuständig, weiß es genau: "Ich war Student und fand es toll, so nah dran zu sein. Nur Geld gab es keins, ich wurde mit Reifen für mein Auto bezahlt".

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.