Chrysler 300C Touring 5.7 V8 AWD Money, Power and Respect


Der große Chrysler macht ganz offensichtlich auf pralle Hose. Der Grill im "Phat Chrome"-Design wirkt wie eine optische Dauerfanfare. Unter der Haube sorgt der 5,7 Liter Hemi-Motor dafür, dass der große Amerikaner kein Glitzer-Poser ist.
Von Gernot Kramper

Endlich ein Wagen, der Aufsehen erregt. Kinder bleiben mit offenem Mund stehen, Frauen verrenken sich den Kopf, Jung-Luden im SLK nicken anerkennend und selbst die ambulanten Biertrinker an der Tankstelle umringen ihn. "Respect" auf vier Reifen. Der 300 C Touring. Sein blechgewordenes Statement zum Lebensstil dröhnt so wuchtig wie seine Nase und der Kühlergrill. Für Konformisten, Karrieristen und Langweiler aller Art wurde der 300C nicht gebaut. Im E-Klassen Kombi fährt der saturierte Firmenchef ins Büro. Wie der 300C einzuschätzen ist, lernt man in den Film "History of Violence". Dort fahren einäugige Killer durch den mittleren Westen, um alte Freunde aufzuschlitzen. Das Vorbild sollte zum Kauf animieren.

Für Mobster, nicht für Bausparer

Ganz so hart wie One-Eyed Fogarty alias Ed Harris muss nicht jeder Chrysler Fahrer drauf sein. Aber es hilft, mit dem Mobster-Look des großen Amerikaners zu Recht zu kommen. Wieso auch sonst sollte man sich für diesen Wagen entscheiden? Im Reich der großen Kombis stellt er eine klare Alternative da. Die großen Volvo sind für reiche Alt-68er und Architekten. Die Audis, BMWs und Mercedes für die Hänger im Büro.

Bleibt der Chrysler als Verstärker für das Lebensgefühl. Wenn man in ihm ganz lässig im Standgas dahingeleitet, streift der Blick nebenher in Nachbars Wagen. Kurz hebt man die Lider und schon haben er und die Frau auf dem Beifahrersitz verstanden: So ein Bausparer wie ihr, bin ich bestimmt nicht.

Später abends im genau kalkulierten Reihenhaus können sie sich dann unterhalten, über die Unvernunft einen Wagen wie den 300 C zu fahren. Lang und spitz, bevor die Ikea-Leuchte im Schlafzimmer verlischt.

Endlose Leistung für endlose Weite

Unter der Haube regiert tatsächlich der nackte Wahnsinn. Der 5,7-Liter-Hemi-Motor lässt 340 PS von der Leine, das reicht, um den schweren Wagen abheben zu lassen. Wenn der Stier gefordert wird, läuft ein Beben durch die Karosserie, die Nase hebt sich und dann bricht ein Sturm los. In 6,4 Sekunden sind über zwei Tonnen auf Tempo 100, bei 250 km/h wird abgeregelt. An Kraft mangelt es nicht, bei 4.000 Touren drücken 525 Newtonmeter auf die Welle. Das größte Wunder: Dank des permanenten Allradantriebes kennt der Chrysler keine Traktionsprobleme. Schrubbeln, Glitschen oder Unruhe beim Gasgeben gibt es nicht, der Chrysler liegt extrem satt auf der Straße. Das Fahrwerk wurde straff ausgelegt, Unebenheiten sind durchaus spürbar. Ein Kurvenhecht wurde das Dickschiff natürlich nicht.

Wer es warm haben will, muss heizen

Der Nachteil des Berserkers im Maschinenraum lässt nicht lange auf sich warten. An der Zapfsäule zeigt sich, ob man nur auf dicke Hose macht oder auch die dicke Marie zücken kann. Trotz technischer Finessen - zum Sprit-Sparen schalten sich vier Zylinder aus - sollte man den angegebenen Durchschnittsverbrauch von 13,2 Litern lieber schnell vergessen. Unter 17 Litern lässt sich der 300 C Touring nicht zu Chauffeursdiensten herab, auf Wunsch sind auch deutlich mehr als 20 Liter machbar.

Noch mehr Wucht bitte

Zwei Dinge bietet der große Touring: sein Wummen-Design und seinen Monster-Motor, der Rest ist eher unauffällig und nicht Kauf entscheidend. Der Grill rammt sich wie eine Faust seinen Weg über die Straßen, flankiert von bösen Doppelscheinwerfern, die einzigartige Wirkung macht die Dimension. . Ein Grill, wie eine schwere Rechte, will abgefeuert werden. Diese Karosserie ist wuchtiger als bei allen anderen Fahrzeugen, die Scheiben flach, die Kabine geduckt, die Gürtellinie hoch. Wie in den Fünfzigern. Nur ein Wunsch bleibt offen: noch fettere Felgen und noch größere Reifen

Einheitsbrei im Innnenraum

Alles andere ist leider kaum der Rede wert. Sicher, der Wagen ist groß, vorne und auch hinten sitzt man so breit und bequem, wie der Wagen aussieht. Der Kofferraum leidet unter der abfallenden Dachlinie. Wer Platz braucht, kann auf den zweiten Boden, der sehr patente Staufächer verbirgt, verzichten. Leider ist die Innenausstattung eher traurig. Innenbereichs-Fetischisten, die sich bei Audis Knöpfchen-Kult im irdischen Himmel fühlen, packt das Grauen. Grauer Filz, durabler Kunststoff und bröselige Schalterchen. Die Uhr im Art-Deko und ein paar Zierringe aus Metall können da auch nichts retten, innen drin herrscht Chryslers-Einheitsküche. In der gehobenen Mittelklasse wirkt das leider gar nicht so cool. Entweder man fühlt sich erhaben übers Innenleben oder man müsste aus Liebe zum Motor überall Hand anlegen. Eigentlich schade, soviel Lieblosigkeit hätte der große Wagen nicht verdient.

Inklusive Lederausstattung und Navigation sollte man mit etwa 56.000 Euro Listenpreis rechnen. Das 2,7-Liter Einsteigermodell liegt bei 36.000 Euro, der vernünftige 3-Liter Diesel bei 39.000 Euro.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker