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E-Auto Citroën Ami - das Mini-E-Mobil für nur 7000 Euro

Mit nur 2,41 Metern Länge passt der Ami auch in deutlich kleinere Parklücken
Mit nur 2,41 Metern Länge passt der Ami auch in deutlich kleinere Parklücken
© press-inform - das Pressebuero
Citroën bringt den Ami nach Deutschland. Die Idee des kleinen, wendigen Stadt-Würfels ist charmant, wird aber durch ein paar unpraktische Details getrübt.

Mit dem Ami hätte Citroën eigentlich das Citymobil der Zukunft. Er ist klein, billig, nur 45 km/h schwer und kann auch an einer normalen Steckdose aufgeladen werden. Sein Problem: Das Kleinmobil ist zu bescheiden, um gefördert zu werden. Die Bundesregierung subventioniert die E-Mobilität nämlich nur, wenn es sich um ausgewachsene Pkw handelt. Zukunftsweisende kleinere Lösungen gehen leer aus – ob es sich nun um E-Bikes, E-Roller oder ein Minimobil wie den Ami handelt.

Und das hat Folgen: Mit der Staatsknete im Rücken wird ein E-Pkw wundersamerweise im Leasing kaum teurer als das Vehikel von Citroën. Dafür ist der rollende Elektrowürfel ein Womanizer! Definitiv. In Berlin Mitte halten zwei junge Frauen an und säuseln: "Der ist ja süß!" Gemeint ist natürlich das Auto - der Citroën Ami. Frankreichs Antwort auf die Mobilitätsprobleme der Großstädte im 21. Jahrhundert. Rein elektrisch mit 6 kW / 8 PS und bis zu 45 km/h schnell. Das heißt, man kann den rollenden Kubus mit dem AM-Führerschein in der Stadt bewegen.

Die Idee der elektrischen Franzosen-Isetta ist charmant. Einfach erschwinglich (rund 7.000 Euro oder 19.99 Euro Leasingrate pro Monat – allerdings plus Anzahlung) und extrem wendig. Der Ami ist mit 2,41 Metern Länge rund 30 Zentimeter kürzer als der aktuelle Smart Fortwo und hat einen Wendekreis von 7,20 Metern, was in einer Stadt wie Berlin Gold wert ist. Auf den überfüllten Verkehrsadern reicht die Höchstgeschwindigkeit auch locker aus. Allerdings fehlen dem Ami die schmalen Schultern eines Rollers, also muss man sich bei Stau beim Abbiegen anstellen und kann nicht an der Blechschlange vorbeizirkeln.

Komfort gibt es nicht

Beim Fahren des Ami sollte man sich von dem gewohnten Komfortgedanken eines Automobils verabschieden: Um den diesen günstigen Grundpreis zu realisieren, haben die Franzosen auf jegliche Dämmung verzichtet und auch auf Stoßdämpfer. Der E-Würfel rumpelt über die Straßen und untermalt den Vorwärtsdrang mit einem kernigen Elektromotorgeräusch, das man meint, in einem Star Wars X-Fighter zu sitzen.

Platz ist für zwei genug. Doch die Sitze haben nicht viel mit einem Sofa gemein, sind aber nicht so unbequem, dass nervig geworden wäre. Auf die Stadtautobahn darf man mit diesem Auto ohnehin nicht fahren. Wobei der Motor mehr drauf hätte als die 45 km/h. Das liegt auch an dem Gewicht von 471 Kilogramm, das ist weniger als der erste Citroën 2CV (die berühmte "Ente") wiegt.

Der Ami hat große Glasflächen neben, vor und über dem Fahrer, die dafür sorgen, dass sich der Innenraum schnell erwärmt. Eine Klimaanlage gibt es nicht, die würde zu viel Saft aus der 5,5 Kilowattstunden Batterie saugen. So kommt der Ami mit vollgeladenen Akkus bis zu 75 Kilometer weit und verbraucht dabei 119 Wh/km. Für die Durchlüftung sorgen im Sommer Klappfenster, die aber an den Außenspiegel stoßen, wenn der ungünstig eingestellt ist. Im Winter nutzt ein Gebläse die Temperatur der Batterie, um den Innenraum zu erwärmen. So angenehm das lichtdurchflutete Aquarium samt Glasdeckel auch ist, wenn die Sonne in einem ungünstigen Winkel einfällt, ist das Display schwer abzulesen. Dafür wird es einen Aufkleber geben, den man auf das Glas pappt. Ein Rollladen, der bei Bedarf schützt und im Winter die maximale Helligkeit zulässt, ist aktuell nicht geplant. Klar, das kostet alles Geld, das den Preis in die Höhe treiben würde.

Dass sich die Türen entgegengesetzt öffnen, ist ein witziges Detail, genau wie die Tatsache, dass die Überhänge und das ganze Auto symmetrisch sind. Allerdings ist die gegenläufig öffnende Tür auf der Fahrerseite nicht immer praktisch. Genauso wie die Tatsache, dass man zwei verschiedenen Schlüssel für den Ami braucht - einen zum Öffnen und einen für das Zündschloss. Aufgrund der Tatsache, dass der Motor vorne und die Batterie hinten ist, hat der Ami eine paritätische Achslastverteilung. Klasse, nur macht die bei 45 km/h Spitze keinen großen Unterschied.

Ab an die Steckdose

Wichtiger ist da schon, dass man den Ami an jeder 220 Volt Haushalts-Steckdose innerhalb von rund drei Stunden aufgeladen werden kann. An einer Ladesäule ist das noch nicht möglich, allerdings sei ein Adapter vorgesehen. Nervig ist dagegen, dass sich das Ladekabel, das hinter der Beifahrertür verstaut wird, sich nicht wie bei einem Staubsauger selbst einzieht, sondern händisch in den Stauraum hineingefriemelt werden muss. Im Sommer mit ein bisschen Übung kein großer Akt, im Winter, bei Minusgraden weit weniger inspirierend. Auch die Tatsache, dass man die Batterie nicht ausbauen kann, limitiert den Citroën Ami etwas. Nicht jeder hat eine Steckdose vor dem Haus oder in der Garage.

Der Vertrieb des Citroën Ami ist genauso komfortabel, wie es der Amazon-Kunde erwartet. Entweder wird das Auto ab dem ersten Quartal des nächsten Jahres nach Hause geliefert, oder man holt es ganz klassisch beim Händler ab. Interessant dürfte sein, welche Supermarktkette die Franzosen als Partner gewinnen.

Citroën macht Reklame mit einer Leasingrate von 20 Euro – die gibt es aber nur mit einer merklichen Sonderzahlung. Ohne Einmalzahlung liegen die Preise für ein Vier-Jahres-Leasing in Frankreich je nach Ausführung zwischen 78 und 109 Euro. So billig ist das nicht für so ein Mini-Auto. Dafür bekommt man auch ein Fahrzeug der Fiesta-Größe allerdings mit Verbrenner. Ein echtes E-Auto mit einem Listenpreis von 30.000 Euro kostet dankt der Berliner-Subventionen genauso viel: Einen Renault ZOE Life gibt es derzeit für 72 Euro im Monat, Nissan Leaf 40kWh ZE1 für 75 Euro – beide Modelle ohne Anzahlung und mit einem Zwei-Jahres-Vertrag. 

Kra mit Pressinform

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