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Dodge Avenger: Der Spargeltarzan

Endlich mal ein Wagen, der optisch keine Hemmungen kennt. Wer alten Gurken wie dem Manta oder Capri hinterher trauert, wird jubeln. Der "Rächer" aus den USA bringt pubertäre "Grease"-Optik in den Vorgarten.

Chrysler verkaufen sich im Stammland USA nicht besonders gut, die Firma selbst steht zum Verkauf. Der einfache Mercedes-Mitarbeiter raunt einem zu: "Jetzt verkaufen wir noch den Chrysler, und dann wird alles wieder gut." In Deutschland schlägt sich der Invalide allerdings ganz wacker. "Während der Gesamtmarkt in Deutschland um 3,8 Prozent im letzten Jahr gewachsen ist, haben wir um 7,9 Prozent zugelegt", sagt Markus Hauf, Sprecher von Chrysler, Jeep und Dodge. Immerhin 18.000 Einheiten konnte er absetzen und auch in den ersten drei Monaten 2007 lief das Geschäft prächtig. Schuld daran ist die neu eingeführte Marke Dodge. Der im letzten Jahr vorgestellte Caliber konnte sich - trotz teilweise verheerenden Kritiken - so gut verkaufen, dass Chysler den Händlern keine Wagen mehr liefern konnte.

Markig und markant

Den guten Start verdankt der Caliber seinem martialischen Design, starken Motoren und aggressiven Preisen. Mit dem "Avenger" - dem "Rächer" schickt Dodge nun einen Wagen im rabiaten Muscle-Car-Look ins Rennen. Das Design des Avengers spricht Leute an, die hinter den Ohren und unter den Achseln nie ganz trocken geworden sind. So wie früher Ford und Opel amerikanische Muscle-Optik auf schwächliche Limousinen gepfropft haben, treibt es Dodge nun mit dem Avenger. Hüftschwung, sportlicher Grill - alles sieht so aus, wie auf meiner alten Keksdose mit den "Dukes of Hazard." Die fuhren allerdings einen Charger, der hatte acht Zylinder und mehr als sechs Liter Hubraum unter der Haube.

Wo geht zu D&W?

Dass mit dem pubertären Zitatenmischmasch kein Designpreis gewonnen wird, versteht sich. Hauptsache, es gefällt den Kunden. Die sollten sich aber auch im Feld des protzigen Scheins zufriedengeben, und ihre Leidenschaft auf den zusätzlichen Aufbau von Unterflurbeleuchtungen oder Pedalen in Titanoptik richten. Bei den nackten Fahrleistungen verwandelt sich der böse Halbstarke nämlich in eine urgemütliche Couchpotatoe. Zwar nickt und schwingt der Avenger nicht amerikanisch durch jede Welle, seine Federung ist geglückt komfortabel. Auch ist die Lenkung ausreichend präzise für flottes Fahren. Hier sind die traditionellen amerikanischen Unarten vermieden worden. Bestmarken im Segment werden aber bei weitem nicht erreicht, es geht eben so.

Mehr Schein, als Sein

Ebenso die Motorisierung: Der Wagen sieht aus, als lauere zumindest ein Sechszylinder unter der Haube - auf Wunsch mit Hutze zwangsbeatmet. In Wirklichkeit führt der vorgestellte VW-Diesel zu allem möglichen - eben auch zum Ziel - aber keineswegs zu muskulösen Verspannungen angesichts seiner brachialen Kraftentfaltung. Wer hier fette Beschleunigungsspuren vor der Garage haben möchte, muss das Gummi-Schwarz mit Farbeimer auftragen. Einen Rußfilter gibt es übrigens nur als Nachrüstlösung. Mit 140 PS aus dem brummigen Pumpe-Düse-Motor kann man sich natürlich ganz nett bewegen, das Sechs-Gang-Getriebe schaltet dabei knackig und angenehm. Dennoch stellt man sich mit dem Rächer einen Möchtegernsportwagen vor die Tür. Droht ein Duell mit einem Bora oder einem Vectra, wird man in aller Regel den Auspuff einklemmen müssen.

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Wenn einen die sportliche US-Form nicht über alles geht, kann man sich zu den angegebenen Listenpreisen auch auf anderen Parkplätzen umsehen. VWs Jetta, der 6er von Mazda und Toyotas Avensis. Für jeden Geschmack sollte sich ein Auto mit mehr Substanz in dem Segment finden. Wenn man es denn sportlich (und etwas teurer) will, kann man zum Okatvia RS greifen, oder es eine Nummer kleiner mit einem gepflegten Golf GTI oder dem rabiaten Focus ST versuchen. Dodge behauptet, dass der Avenger das beste Verhältnis von PS und ausstattungsbereinigten Preisen anbietet. Das Rechenexempel mag so gerade hinkommen, wenn man davon absieht, dass nicht alle Autos den gleichen Standard haben. Der Avenger hängt die Latte eben deutlich neidriger als andere.

Hardcore Innenraum

In jedem der genannten Fahrzeuge wird man von einem Innenraum empfangen, der zu Recht das Wort "Ambiente" für sich beanspruchen darf. Beim Dodge wie generell bei Chrysler sollte man ehrlicherweise von der Ausstattungs-Variante "Kunststoff trostlos" sprechen. In einem rauen Jeep mag das noch angehen, in einer Limousine fragt man sich dann doch, warum sich bei einem um 10.000 Euro billigeren Ford alles, aber auch wirklich alles besser anfühlt. Wer ein wenig im Wagen herumkriecht, entdeckt obendrein Dinge, die er vorher nicht für möglich gehalten hat.

Egal, ich liebe es!

Aber warum soll eine Entscheidung für ein Auto nicht von Gefühlen geleitet sein? Beim Avenger muss man sicher sein, dass man auf ewig in der Autopubertät verharrt, denn ein nennenswerter Wiederverkaufswert lässt sich sicher nicht erzielen. Dafür tröstet der Avenger mit augefuchsten Ideen. Etwa der Chill-Zone. Woanders heißt das einfach "gekühltes Handschuhfach" und versieht ungerühmt seinen Dienst. Der Avenger prunkt dagegen mit einem Extra-Fach in der man eine ganz Reihe von Getränkedosen griffbereit runterkühlen kann. Dude, dass ist echt cool!

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