Fahrbericht: Renault Megane 1.5 dCi Kurz und knapp


Europaweit steht der Renault Megane für eine Erfolgsgeschichte. In Deutschland tun sich viele mit der sonst so erfolgreichen Limousinen-Version schwer. Jetzt wird die französische Kompaktklasse leicht überarbeitet – und soll auch im Heimatland des Golf mehr Interesse wecken.

Die Qualitäten des Renault Mégane sind unbestritten. Solides Fahrwerk, ordentliche Motoren, viele Ausstattungsvarianten und ein überzeugendes Sicherheitskonzept sind neben den großzügigen Platzangebot nur einige der Vorteile. Doch in der Konzernzentrale hat man die Zeichen der Zeit gerade noch rechtzeitig erkannt: Opel Astra, Ford Focus und Citroen C4 sind frisch auf dem Markt, Alfa 147 und Peugeot 307 als weitere Konkurrenten wurden jüngst überarbeitet. Um zu verhindern, dass der Mégane bei den Händlern zum Sitzenbleiber verkommt, legte Renault jetzt nach.

Optisch hat sich dabei nicht viel getan. Eine bulligere Frontschürze, neue Leuchteneinheiten und leichte Modifikationen im Innenraum sind nicht wirklich auffällig. Selbst der viel diskutierte Heckbürzel gab keinen Millimeter nach. Und genau der ist vielen deutschen Kompaktklasse-Kunden vor allem ein Dorn im Auge gewesen. Viele Händler werden die unveränderte Rückansicht daher mit einem Grummeln hinnehmen.

Reicht das leichte Facelift, damit Drei- und Fünftürer auch in Deutschland einen Schub bekommen? Wohl kaum. Anders sieht es bei der Kombiversion Grandtour und dem offenen Mégane Coupe-Cabrio aus. Beide liegen gut im Rennen und laufen sehr erfolgreich.

Die wichtigsten Neuerungen zum Modelljahrgang 2006 passierten unter der Motorhaube. Die Dieselpalette lässt mit zahlreichen Versionen kaum noch eine Lücke: 1,5-Liter-Versionen mit 86 und 106 PS, dazu die 1.9-dCi-Modelle mit 110, 130 und 150 PS. Euro-4 bieten alle. Doch ausgerechnet bei der Ausstattung mit Partikelfiltern schwächeln die Franzosen überraschend. Allein die 1,9-Liter-Varianten mit 110 und 130 PS bieten einen Filter. Alle anderen laufen ohne – zumindest vorläufig. Noch 2006 soll nachgebessert werden.

Abgesehen vom fehlenden Filter ist der 1,3 Tonnen schwere Mégane 1.5 dCi mit 106 PS die beste Wahl für Herz und Verstand. Die Fahrleistungen sind ordentlich und der Verbrauch von 4,7 Litern Diesel auf 100 Kilometern lässt einen an der Zapfsäule nur selten vorbeischauen. Die Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h ist ebenso ausreichend wie die Spurt-Zeit von 0 auf 100 km/h in 11,1 Sekunden.

Das serienmäßige Sechsgang-Schaltgetriebe arbeitet nach der Modellpflege besser als zuvor. Lässig fallen die Gänge in die einzelnen Schaltstufen und es macht Spaß den Drehzahlmesser auch einmal über die 3.000er-Marke klettern zu lassen. Trotzdem geht es bereits ab 2.000 Umdrehungen mit 240 Nm Drehmoment unspektakulär, aber ordentlich nach vorn. Dabei läuft der Commonrail-Diesel angenehm leise und zurückhaltend. Fahrwerk, Lenkung und Bremsen – alles passt, da gibt es nichts zu meckern.

Der Innenraum zaubert dagegen nicht nur Lachfältchen ins Gesicht. Die Seitenwangen der Stühle sind nach wie vor viel zu weich und die Oberschenkelauflage lässt einen mit kaum mehr als dem Hinterteil Platz nehmen. Fahrer über 1,80 Meter sitzen nicht wirklich bequem. Störend zudem der Lichtschalter am überfüllten Lenkstockhebel und die unübersichtliche Bedienung des Soundsystems. Immerhin verfügt der Mégane über einen intuitiv zu ertastenden Bediensatelliten.

Die neuen Oberflächen-Materialien der Armaturentafel tun dem französischen Cockpit gut. Das ratternd ausfahrende Bildschirmnavigationssystem macht jedoch einen billigen Eindruck. Mehr als ausreichend ist das Platzangebot im Fond. Hier können zwei Erwachsene auch einmal eine längere Strecke hinter sich bringen. Der Kofferraum schluckt zwischen 330 und 1.190 Liter.

Der Basispreis für den Renault Mégane 1.5 dCi in der kargen Authentique-Version liegt bei 20.100 Euro. Um die zusammen 1.950 Euro teuren Pakete "Fairway" und "Confort" kommt man allerdings kaum herum. Erst dann gibt es unter anderem Klimaanlage, CD-Radio, elektrische Spiegel, Nebelscheinwerfer und Mittelarmlehne.

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