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Grand Cherokee: Der letzte Ritt des großen Häuptlings

Jeeps großer Mustang reitet schon seit 1992 in der Klasse Luxus-Off-Roader. Eine letzte Fahrt mit dem Klassiker, bevor das neue Modell kommt.

Bereits 1992 besetzte der Häuptling die Nische der Luxus-Off-Roader. Zuerst kantig, dann gerundet schaffte es der Grand Cherokee stets, unverwechselbar nach Grand Cherokee auszusehen. Er lief nie einem Trend hinterher, er war sein eigener Trend. Die letzte Mode der ganz weichen Rundungen machte er allerdings nicht mit. Neben ihm wirkt die Mercedes-M-Klasse deutlich weichgespülter. Auch den Trend zum reinen Posing-Geländefahrzeug mit reduzierten bis nicht mehr vorhandenen Offroad-Fähigkeiten begegnete der Klassiker aus den USA mit Verachtung.

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Platz wie im Wohnzimmer

Trotz üppiger Abmessungen von 4,61 Meter Länge und 1,86 Meter Breite lässt sich der Koloss im Alltag normal manövrieren. Platz gibt es im Bullen reichlich. Die hinteren Passagiere haben mehr als genügend Knie- und Kopffreiheit. Vorne thront man amerikanisch auf ausufernden Ledersesseln. Warum sollte man im Fahrzeug auch beengter sitzen als daheim auf der Couch? Auf langen Strecken ist die riesige Kabine eine Wohltat, anders als in kleinen oder sportlichen Fahrzeugen wird der Fahrer nicht eingeklemmt oder in eine bestimmte Haltung gezwungen. Dieser Wagen nimmt seinen eigenen "Space" mit auf die Reise. Das Ladevolumen ist auch kein Problem: 1.104 Liter stehen zur Verfügung. Wird die getrennt umklappbare Bank flachgelegt, werden es 2.047 Liter. Das reicht nicht nur für Privatfahrten, sondern auch für den beruflichen Einsatz. Für Bauern und Waldarbeiter ist der Jeep in Europa zu teuer, aber Edelgärtner, Freizeitjäger und Architekten verwandeln den chicen Offroader mit entsprechenden Wannen und Abdeckungen in ein Nutzfahrzeug mit praxisgerechter Zuladung. Mit der abnehmbaren AHK darf er ungebremst die üblichen 750 kg ziehen, gebremst werden es 3.360 kg.

Der Diesel bringt es

In der letzten Baureihe konnte der große Häuptling einen entscheidenden Pluspunkt verbuchen, neben dem V8-Triebwerk mit Spitzenleistungen und unendlichen Sprithunger gab es endlich einen bärenstarken Turbodiesel aus dem Haus Mercedes. Der 2,7-Liter-CDI, bekannt aus E- und M-Klasse, leistet 163 PS. Mit 400 Newtonmeter Drehmoment, die bereits bei 1800 Touren anliegen, sorgt er für den beherzten Antrieb. Weniger Leistung sollte es für einen Zwei-Tonner auch nicht sein. Zugegeben, wenn der Häuptling die Sporen spürt, will er mächtig Feuerwasser haben. Trotz des Diesels darf es bei der Höchstgeschwindigkeit von etwa 190 km/h ein 20 Liter Fässchen auf 100 km/h sein. Als Wagen für die großen und regelmäßigen Autobahnreisen unter Volllast empfiehlt sich der Grand Cherokee vom Verbrauch gesehen nur bedingt. Doch das ist die Theorie, praktisch muss man vor dem Verbrauch keine Angst haben. Auf einer Fahrt von Hamburg in die Alpen gelang es, trotz ernsthafter Versuche, nicht mehr als 11 Liter im Durchschnitt zu verbrauchen. Im Stadtverkehr gurgelten etwa 12 Liter Diesel durch die Leitung. Angesichts des Gewichts sind das sehr moderate Werte. Dauerhafte Höchstgeschwindigkeit vereitelte die Verkehrsdichte erfolgreich und unter 140 km/h nippt der Häuptling nur am Tank. Er schnurrt friedlich dahin, genehmigt sich etwas über 10 Liter und fährt sich dabei ausgesprochen komfortabel. Wer sich dem Bereich von 180 km/h nähern will, wird von Windgeräuschen genervt und muss auf kurviger Strecke mit gewaltigen Fliehkräften rechnen, die am Fahrzeug zerren.

Nur runter von der Straße

Beim Fahren auf Asphalt zeigt sich der Grand Cherokee als gutmütiger Geselle, solange man sich seinem Wunschtempo unterordnet. Der Grand Cherokee bleibt im Herzen ein beinharter Allradler, der sich mit zügigen Kurvenfahrten auf verschlungenen Landstraßen nur begrenzt anfreunden kann. Gottlob bieten die Sitze genau den Seitenhalt, den das Fahrwerk verarbeiten kann. In jeder Beziehung wird es also ungemütlich, wenn der Jeep zu sehr gescheucht wird, fürs Abbremsen sorgt dann schon die bedrohliche Seitenneigung. Abseits befestigter Wege steht der Wagen dafür seinen Mann. Im Gelände kommt die von Chrysler "Quadra-Drive" getaufte Technik der Sperrdifferenziale zum Einsatz. Jeep bietet eben keinen Soft-Offroader. Ob ungründiger Schlamm, Felsen oder Geröll der Häuptling rollt auf jedem Grund voran. In Deutschland mögen die Kunden meist in Großstädten zu Hause sein, im amerikanischen Heimatmarkt sieht das anders aus. Hier erwartet man, dass der große Jeep ohne Murren auch schwere Lasten durch unwegsames Terrain transportiert.

Nicht nur Glanz in dieser Hütte

In der Anmutung des Innenraums besteht noch ein gewisser Abstand zu anderen Premiumanbietern. Innen kann der Häuptling optisch leider nicht so überzeugen wie außen, das Kunststoffgrau ist eben Chrysler-gräuslich. Dafür gibt es an der Verarbeitung nichts zu bemängeln. Kein Klappern, keine Spalten, einfach top. Dazu gibt es viele pfiffige Details, für die amerikanische Wagen bekannt sind. Zur Übersichtlichkeit im Cockpit trägt bei, dass alle Schalter so groß dimensioniert worden sind, dass man sie auch mit Thermo-Handschuhen in Alaska bedienen könnte. Auf dem Platz einer Schaltfläche beim Cherokee bringen anderen Hersteller gleich drei Wippen unter. Die Anordnung der Elemente entspricht amerikanischen Fahrzeugen. Eine kleine Umgewöhnung tut Not, aber einmal verstanden gibt es nichts auszusetzen. Die Rundinstrumente sind übersichtlich, gut ablesbar, das gesamte Cockpit wirkt nicht überladen.

Warum jetzt?

Mit dem großen Diesel ist der große Häuptling bestens präpariert, vielleicht bekommt die Neuauflage 2005 noch ein stärkeres Selbstzünder implantiert. In den USA wird derzeit kein Dieseltriebwerk angeboten. Ein großes Plus ist und bleibt die unverwechselbare Optik, mit ausgezeichnetem Komfort im Inneren gelingt dem Grand Cherokee das Kunststück, zu gleichen Teilen kernig und elegant zu wirken. Das garantiert einen von weitem sichtbaren hohen Prestigewert. Glücklich wird mit ihm, wer gegen den Trend auch tatsächlich Nutzen von den perfekten Allradeigenschaften zieht. Denn zweifellos leiden die Straßeneigenschaften unter dem Geländefahrwerk. Ein wirkliches Schnäppchen ist der Grand Cherokee in der Overland-Ausführung mit einem Preis von 47.100,00 Euro nicht, aber zum bevorstehenden Modellwechsel sollten deutliche Preisnachlässe möglich sein.

Gernot Kramper

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.