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Maserati GranTurismo S: Macho-Maserati

Nur schön sein reicht nicht. Manche Männer sahen im GranTurismo von Maserati nur den eleganten Cruiser und nicht den scharfen Sportler. Der kommt jetzt. Es ist der stärkste und schnellste Maserati, der je von den Bändern in Modena lief.

Von Michael Specht

Eigentlich sind es ja mehrheitlich die Ferrari-Fahrer, die mit ihrem roten Schwellkörpern auf dicke Hose machen und am liebsten im ersten Gang am Straßen-Café vorbei röhren, um zu zeigen, was für ein tolles Alpha-Männchen man ist. Manche Frauen sollen darauf tatsächlich reagieren. Maserati-Eigner zählen dagegen eher zu den stilvollen Autofahrern und üben sich in Zurückhaltung. Sie haben es nicht nötig, sich über die motorische Potenz ihres Autos zu profilieren. Wenn auffallen, dann bitte schön nur über die elegante Form einer Quattroporte-Limousine oder eines GranTurismo-Coupés. Schließlich ist ein Maserati so etwas wie ein italienischer Aston Martin.

Nun verändert ein einziger Buchstabe die Welt des Dreizacks. Die heißeste Modellvariante des großen Coupés nennt sich jetzt GranTurismo S. Das "S" soll für Sport, Speed, Sex, Sound und noch einer ganzen Reihe weiterer S-Wörter stehen, also alles, wonach Männern der Sinn steht. Dafür ließ man die Ingenieure im norditalienischen Modena, der Heimat von Maserati, tief in den Motorraum kriechen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der GranTurismo S ist nicht nur der schnellste und stärkste Maserati, der je aus den Werkshallen rollte, sondern er ist auch der lauteste. Man hört den Wagen schon, bevor man ihn sieht, selbst wenn er noch zwei Blocks entfernt ist. Bei kurzen Gasstößen übertönt ein heißeres Bellen den restlichen Verkehr. "Deep and throaty" nennt Luca dal Monte, Sprecher von Maserati, diesen Sound.

Es könnte aber sein, dass er manchem Maserati-Kunden missfällt und ihm dies ein paar Dezibel zu peinlich ist. Doch lässt sich per Knopfdruck am Armaturenbrett der Angeber-Faktor um ein paar Stufen zurücksetzen. Im Auspuff schließen dann kleine Klappen, der Motor klingt zahmer und das Maserati-Coupé darf die Blicke wieder allein durch seine elegante Erscheinung auf sich ziehen.

440 PS schaffen 295 km/h

Die Karosserie des GranTurismo stammt wie auch die des Quattroporte aus der Feder von Pininfarina. Gegenüber der Normalversion unterscheidet sich der "S" nicht nur durch einige optische Retuschen wie schwarz hinterlegte Scheinwerfer, 20-Zoll-Räder und eckige Endrohre, sondern auch durch die roten Ventildeckel auf dem noch immer bei Ferrari in Maranello zusammen geschraubten Motor. Sie zeigen dem Maserati-Kenner: Hier arbeitet statt eines 4,2- ein 4,7-Liter-V8, der nun 440 PS und 490 Newtonmeter entwickelt. Genug, um den Boliden in weniger als fünf Sekunden auf Tempo 100 zu treiben und, sollte die linke Spur einmal frei sein, weiter auf 295 km/h.

Zweiter großer Unterschied: das Getriebe, eine manuelle Schaltbox vom Spezialisten Graziano, der auch an Ferrari, Lamborghini oder Aston Martin liefert. Die sechs Gänge wechseln innerhalb einer Zehntel Sekunde, es genügt ein kurzer Zug an den Wippen der Lenksäule. Voraussetzung ist allerdings, der Fahrer drückt zuvor den Knopf "Sport" und aktiviert damit ein rennsportähnliches Schaltprogramm, bei dem auch jedes Mal kernige Zwischengasstöße ertönen, geht es einen Gang nach unten. "Dadurch gewinnen wir die sportlicher orientierten Kunden, die nicht länger Derivate eines Massenherstellers fahren wollen", ist sich Peter Hermges, Geschäftsführer von Maserati Deutschland, sicher. Gemeint sind die AMG-Modelle von Mercedes, die M-Boliden von BMW sowie die S- und RS-Versionen von Audi. Locken will er die Käufer mit einem Preis von 127.330 Euro. Das sind gut 15.000 Euro mehr als beim Basismodell des GranTurismo auf der Rechnung stehen.

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