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Mazda MX-5 CC: Samurai mit Stahlhelm

Die Zwänge des Marktes sind hart: Nur weil die dummen Kunden es wollen, gibt es den spritzigen Mazda-Roadster mit Blechdach. Dabei gelang ein Bravourstück: Fahrspaß und Aussehen leiden nur minimal unter dem Metall-Häubchen.

Von Gernot Kramper/Sölden

Er ist ein Klassiker, wenn auch aus der Retro-Kiste und mittlerweile wurde er zum Letzten seiner Art - zumindest in seiner Preisklasse fährt der MX-5 ohne Vergleich. Verwandt im Geiste aber nicht im Preis ist der BMW Z4. Die Mitbewerber in der Kundengunst tummeln sich in einem weiten Feld, vermutet man auch bei Mazda. Da gibt es die "Mach das Dach auf"-CC-Kompakten von Peugeot und Opel und die Retro-Cabrios wie den Mini oder den Pt Cruiser. So viele Möglichkeiten, so einfach ist die Entscheidung. Der Mazda offeriert mit zwei schmalen Sitzen und 150-Liter-Kofferraum eindeutig die geringste Transportkapazität. Dafür schafft man sich mit ihm aber eine 1a-Sportwagen-Optik und roadstergerechte Fahrgefühle heran.

Obwohl gern als Hausfrauen-Porsche verspottet, steckt in dem kleinen Renner tatsächlich ein puristisches Fahrzeug. Mit einem frechen Stoffdach, das sich mit einer geschickten Bewegung innerhalb von Sekunden nach hinten werfen lässt. Doch nun muss sich Mazda dem Drang des Marktes nach Metalldächern stellen und hat den Urvater der Roadster-Welle mit einer Blechhaube versehen. Dabei gelang das Kunststück, Fahrgefühl und optischen Eindruck des Stoff-Roadsters weitgehend zu erhalten. Ziel ist es am CC-Boom teilzuhaben. Die Roadster-Coupé-Version soll etwa 30 Prozent der MX-5-Käufer anziehen. "Echte Roadster-Liebhaber werden immer ein Softtop-Cabrio ", sagt Manuel Bortone, der Produkt-Manager des MX-5. Nur: "Mit der Klappdachversion werden wir neue Kundengruppen erschließen." Geschäftsführer Michael Bergmann assistiert: "Roadsterfans ohne eigene Garage haben endlich keine Ausrede mehr, keinen MX-5 zu kaufen."

Echte Roadster-Gene, statt Komfort-Geschaukel

Von den Mazda-Ingenieuren wird die MX-5-Philosophie blumig als Einheit von Reiter und Pferd umschrieben. Praktisch bietet der MX-5 mehr unverblümten Fahrspaß als alle anderen. Heute kann sich selbst ein Fahrzeug von der Statur eines Audi TT nicht mehr dem Trend zu mehr Komfort verschließen, dennoch bleibt der Mini-Porsche von Mazda bei seinem sehr direkten Fahrgefühl. Der Antriebsstrang bebt im Fahrzeug, beide Vierzylinder produzieren einen angenehm heiseren, rauen Klang. Lenkung und Schaltung arbeiten exakt und präzise wie ein Sushi-Messer. Von den reinen Fahrleistungen her kann es der kleine Mazda natürlich nicht mit den Boliden der Zunft aufnehmen. Auf den gefahrenen Pässen war eine 15prozentige Steigung durchaus als Klotz am Bein zu spüren. Aber von der gefühlten Leistung her ist der Kleine ein ganz Großer.

Nichts Neues im Innenraum

Im Aussehen entspricht der CC bis zu den Türen dem Stoff-Roadster. Und der liegt in der MX-5 Tradition: lange Haube, eine wunderbar steile Frontschreibe und in der neuen Version sehr schöne, muskulös heraustretende Radkästen. Die Karosserie gelang fast schnörkellos, allein bei den Frontscheinwerfern wünscht man sich etwas mehr gestalterischen Esprit. Sie erinnern zwar an die Vorgänger, aber hier bieten modernere Lösungen spannendere Möglichkeiten. Im Innenraum geht es roadstergerecht beengt zu. Personen über 95 Kilogramm oder über 185 Zentimeter Körpergröße sollten intensiv Probe sitzen, um festzustellen, ob sie mit den gebotenen Dimensionen glücklich werden. Die Einlagen im schwarzen Klavierlack der höheren Ausstattungslinie edeln den Innenraum merklich auf. Der übrige schwarze Kunststoff wirkt zwar solide, aber auch sehr spröde.

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Der Haubentaucher

Das Klappdach macht alles anders als die anderen. Zunächst bildet es eine kleine Kanzel, ganz ähnlich wie das Stoffdach. So erinnert es bewusst an die klassischen Hardtops und wird den geschichtsträchtigen Assoziationen des Wagens gerecht. Zusammengeklappt verschwindet das von Webasto-Japan produzierte Dach hinter den Sitzen und landet nicht - wie sonst üblich - als Scheibeneinlage im Kofferraum. Der Kofferraum bleibt so unverändert. Anders wäre es auch kaum gegangen, von 150 Litern Inhalt hätte man kaum etwas abzwacken können. Verschwunden sind allerdings die Ablagemöglichkeiten im Spalt hinter den Sitzen. Das Dach öffnet und schließt sich in sensationellen 12 Sekunden, lässt sich aber nur im Stand betätigen. Manuelles Ent- und Verriegeln am zentralen Griff ist ebenfalls notwendig.

Geringes Mehrgewicht

Für diese Dachkonstruktion wurde das Heck um 40 Millimeter angehoben, ohne direkten Vergleich sticht der Zuwachs nicht negativ ins Auge. Der CC leistet sich keinen Katzenbuckel, auf der Heckoberfläche befindet sich jedoch zur Dachaufnahme ein halbmondförmiger Wulst. Ein wenig wird er durch eine dritte LED-Rückleuchte entschärft. Für Puristen wirkt diese Wurst auf der Haube sicher befremdlich, aber Stilisten werden ohnehin weiter zum Stoffdach greifen. Ein Design-Verbrechen ist diese Lösung aber nicht. Wer einen CC haben möchte, entscheidet sich bei Mazda für eine schlanke und elegante Variante. Ein Vorteil in der Geräuschdämmung lässt sich nicht feststellen, denn wirklich leise wird es im MX 5 ohnehin nie, da kann auch ein Metalldach nichts retten. Klappdach, Stellmotoren und Verstärkungen führen zu 37 Kilogramm Mehrgewicht gegenüber dem Stoffdach-Roadster. Um das zu schaffen, wurde das scheinbare "Metalldach" auch aus Kunststoff hergestellt. Zum Vergleich: Fords Focus sattelt sich obenrum gleich 220 Kilogramm auf. Beim Mazda ist das ein verschmerzbarer Ballast, der im Betrieb kaum auffällt.

Weniger tut es auch

Wie die Stoffdachvariante ist der CC-Roadster mir einem 1.8 Liter und 126 PS und einem 2.0-Liter-Benziner mit 160 PS erhältlich. Wenn man nicht allzu häufig auf der Autobahn unterwegs ist, genügt der kleinere Motor mit seiner Fünfgangschaltung durchaus. Das Klappdach schlägt mit einem moderaten Aufpreis von 1700 Euro zu Buche, allerdings fehlt beim CC komplett die günstige Einstiegsausstattung. Der Blechdachspaß beginnt damit bei 25.500 Euro, in der Expression-Ausstattung mit 2.0 Liter-Maschinchen liegt man bei 29.100 Euro dafür ist immerhin schon Bixenon mit an Bord. Ein Navigationssystem gibt es aber Werk nicht, aus dem Zubehörkatalog kann ein System beim Händler nachgeordert werden.

Achtet auf den Fahrspaß

Die Kunden schätzen am MX-5 zunächst das Design, dann den Gegenwert fürs Geld und als Drittes die Solidität der Mazda-Technik. Diesen Käufern wird das robuste Blechdach gut gefallen, angesichts des akzeptablen Mehrpreises eine nachvollziehbare Entscheidung. Leider ist das Fahrgefühl bislang nicht kaufentscheidend, da gibt es für Puristen beim MX 5 noch einiges zu entdecken. Schaut man auf den Audi TT oder den BMW Z4, mag man den MX-5 nicht teuer nennen . Aber fast 30.000 Euro lassen sich auch kaum als Schnäppchen verkaufen. In dieser Preisklasse bietet VW den sonnigen Wuchtbrocken EOS, aber beim Roadster galt eben nur in den sechziger Jahren, dass das kleinere Auto auch das billigere sein muss.

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