Nissan GT-R Die Todeskrallen der Shaolin


In seiner Heimat Japan ist er Kult, jetzt soll er Europa aufmischen: Der Nissan GT-R. Seine Markteinführung wurde von einer cleveren PR-Strategie vorbereitet.
Von Frank Janßen

Dieses Auto ist hierzulande seltener als Schnee im Juli, aber jeder kennt es offenbar. Ein Nachbar spricht mich an; er habe den Nissan GT-R in einem Automagazin im Fernsehen gesehen. Nein, nicht irgendeinen GT-R, sondern genau den. Mit diesem Kennzeichen. An der Fußgängerampel verdrehen Kids ihre Hälse; ausgerechnet sie, die noch keinen Führerschein haben, kennen den GT-R am längsten. Jedes Detail. Von der Playstation. Das Spiel heisst "Gran turismo". Nur die schärfsten Kisten dürfen da mitmachen. Ein Nissan in einer Liga mit Ferrari, Porsche, Lamborghini und Corvette. Die Spieleentwickler von Sony bekamen sehr früh dreidimensionale Daten des GT-R.

Doch auch für die alten Hasen ist der GT-R ein Begriff. An der Tankstelle treffe ich Chris und John, zwei belgische Busfahrer. Sie chauffieren B.B. King und seine Musiker. Chris knallt die leere Red-Bull-Dose in die Mülltonne, und sagt: "Schneller als ein Porsche, nicht?." Und das ist es wohl, warum der Nissan GT-R in aller Munde ist. Auch in Deutschland. In Japan ist er vor allem unter der Modellbezeichnung Skyline bekannt und eine der Kultkarren schlechthin. Der Supersportler taucht natürlich auch in dem Raser-Movie "The Fast and the Furious auf". Die jüngste Generation gibt es nun erstmals auch als Linkslenker für Exportmärkte.

Um ein hierzulande nahezu unbekanntes Modell mit Wucht einschlagen zu lassen, haben sich die Nissan-Leute außer dem Playstation-Trick etwas besonderes einfallen lassen: Der GT-R sollte auf der berühmten Nordschleife des Nürburgrings, der "Grünen Hölle", den Rundenrekord für Serienautos brechen. Der liegt irgendwo bei deutlich unter acht Minuten für die 20,8 Kilometer und wird meist von einem Porsche gehalten: Der Carrera GT von 2003 schaffte laut Fachmagazin "Sport Auto" dort beispielsweise 7:32 Minuten. Ein 911 in seiner schärfsten Version ist aber mittlerweile genauso schnell einmal herum.

Doch dann der Schock: Die Rundenzeit des Nissan soll bei 7:29 liegen. Porsche schmollt. Hinter vorgehaltener Hand fallen Begriffe wie Schummeln und Manipulation. Waren Rennreifen aufgezogen? Wurde am Ladedruck der Turbos gedreht? Der Stammtisch hat ein neues Thema. Und Nissan jede Menge PR. Der Test der Japaner fand im Geheimen statt. Unabhängige Zeugen gab es offenbar nicht. Aber wie kann es sein, dass der Nissan mit 486 PS und einem Gewicht von knapp 1800 Kilogramm deutlich schneller ist als ein fast gleichstarker Porsche Turbo, der rund 200 Kilogramm weniger wiegt? Noch dazu auf Porsches heiligem Boden? Allradantrieb haben beide.

Welcher wirklich der schnellere von beiden ist, wird wohl im Dunkeln bleiben. Aber: Der GT-R kostet ab 81 800 Euro. Das ist etwas mehr als die Hälfte eines Porsche Turbo. Das ist die eigentliche Sensation.

Auf der Autobahn, in einer engen Baustelle, hält ein Lastwagenfahrer die Hand aus dem Fenster und winkt mich vorbei. Das machen die doch sonst nie. Die PR-Maschine zeigt ihre Wirkung.


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