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Nissan Micra: Vom Frauen-Knuffel zum Mainstreamauto

Micra und niedlich? Ein Kuschel-Kleinwagen für Frauen? Vorbei. Die 4. Auflage von Nissans Bestseller fährt beim Design klar in Richtung Mainstream. Locken sollen dafür ein günstiger Preis und ein rekordverdächtiger Verbrauch.

Von Michael Specht

Chef-Ingenieur Noritaka Tsuru ist ein glücklicher Mann. Als es vor ein paar Jahren um den Nachfolger des Micra ging, immerhin Nissans bekanntestes Modell, konnte er mit einem weißen Blatt Papier beginnen. Der Traum eines jeden Entwicklers. Weder Chassis noch Antrieb noch das Design mussten übernommen werden. Entsprechend modern steht Micra Nummer vier auf seinen Rädern. Leichter, sicherer, handlicher, sparsamer. Was jedoch das Aussehen betrifft, gab es bereits im März bei seinem Debüt auf dem Genfer Autosalon ziemlich viel Kritik. Seine markanten Linien, sein niedliches Gesicht, seinen knuffigen Hintern und damit seinen eigenständigen Charakter hat der Micra verloren. Er ist optisch austauschbar geworden. Würde am Grill ein koreanisches Emblem von Hyundai oder Chevrolet kleben, auch dies hätte jeder geglaubt.

Neuer Micra kommt aus Indien

"Dafür sprechen wir eine deutlich breitere Kundschaft an", verteidigt Guillaume Langle, Direktor Marketing Nissan Center Europe, die Wende zum Mainstream-Design. Waren es zuvor hauptsächlich Frauen, die beim Blick auf den Micra Beschützerinstinkte entwickelten, so sollen jetzt auch jüngere Männer in die Verkaufsräume gelockt werden - und dies weltweit. Die Absatzziele stecken hoch. Jährlich sollen bis zu 400.000 Micra produziert werden. Hierfür baute Nissan extra ein neues Werk in Indien, produziert den Micra zudem in China, Thailand und Mexiko. Nur nicht im Heimatland. Noritaka Tsuru weiß auch warum: "Käme der Micra aus Japan, würde er über 20 Prozent teurer sein." Nun schafft es Nissan, seinen beliebten Kleinwagen sogar günstiger anzubieten als den Vorgänger. Das neue, jetzt stets fünftürige und mit dem Schleuderschutz ESP ausgestattete Basismodell kostet 10.740 Euro und damit exakt 480 Euro weniger als der alte Dreitürer (11.220 Euro).

Die Qualität leidet darunter nicht. Zwar beherrscht Kunststoff mit teilweise harten Oberflächen das Cockpit und auch die Bedienung der kreisförmig angeordneten Klimatisierung könnte einfacher gestaltet sein, doch hinterlässt der Innenraum insgesamt einen angenehmen Eindruck. Auch beim Platzangebot hat der Micra gewonnen - zumindest vorne. Dort sitzen Erwachsene bequem, hinten geht es etwas enger zu. Die Kopffreiheit ist zwar ausreichend, die Knie aber drücken schon mal in die Vorderlehnen. Im Heck bleibt Raum für 265 Liter Gepäck. Soll Stückgut mit, können die Lehnen (ab Ausstattung Acenta) vor- und zusammen mit dem Sitzkissen hochgeklappt werden. Nissan gibt einen Stauraum von 1132 Liter an.

Ab Frühjahr: sparsamster Benziner der Welt

Bei einer ersten Testfahrt zeigte sich der neue Micra überraschend leise und komfortabel. Die Lenkung spricht direkt an und erlaubt einen Wendekreis von nur neun Metern, was enges Rangieren in der Stadt spürbar erleichtert. Den größten Anteil am feinen Fahrgefühl aber hat neben der leichtgängigen Fünfgangschaltung der Motor, ebenfalls eine komplette Neukonstruktion. Nissan entwickelte einen Dreizylinder mit 1,2 Liter Hubraum und 80 PS. Aggregate dieser Größe sind erstaunlich knauserig im Umgang mit Sprit. In diesem Fall sollen es fünf Liter und ein CO2-Ausstoß von 115 g/km sein. Gar vier Liter je 100 km verspricht Nissan bei der Kompressor-Version, die nächstes Frühjahr als Topmotorisierung in den Micra einzieht. Der sogenannte Supercharged-Dreizylinder mit Start-Stopp-System und Benzindirekteinspritzung leistet 98 PS, stößt nur 95 Gramm CO2 aus und dürfte sich damit den Titel "Sparsamster Benziner der Welt" sichern. Dieser Motor ist auch der Grund, warum Nissan den Micra nicht mehr mit einem Selbstzünder anbieten wird. Eric Rigaux, Produktmanager des Micra: "Leistung, Drehmoment und Verbrauch liegen auf dem Niveau eines Diesels, und ein Benziner kostet erheblich weniger in der Herstellung."

Topversion mit Parklückenmesser

Zu den Händlern rollt der neue Micra im November. Beibehalten werden die bekannten Ausstattungslinien Visia, Acenta und Tekna. Alle Versionen haben neben den bereits erwähnten fünf Türen und ESP sechs Airbags, Servolenkung und elektrische Fensterheber für die vorderen Türen. Acenta verfügt zusätzlich über Radio-CD, Klimaautomatik und Tempomat, bei Tekna ist sogar ein Navigationssystem und ein USB-Anschluss an Bord. Für die Topversion hat Nissan sich allerdings noch ein zweifelhaftes Gimmick ausgedacht: den Parkguide. Aktiviert wird die Einparkhilfe durch Knopfdruck. Im Display im Cockpit fragt das System, ob sich die Lücke links oder rechts befindet, was mit dem Blinkerhebel in die betreffende Richtung bestätigt wird. Ein Sensor misst nun beim langsamen Vorbeifahren, ob die Lücke für den Micra reicht oder nicht. Einparken jedoch muss der Fahrer selbst.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.