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Opel-Strategie der Zukunft: Pace: Die Lage ist dramatisch

Opel hat seine Zukunftsstrategie "Pace" offenbart. Die Ziele sind ambitioniert und die Maßnahmen drastisch. Für Opel ist die GM-Komfortzone Vergangenheit, PSA-Chef Tavares will Leistung sehen und streicht die Kosten rigoros zusammen.

Der Opel Grandland X teilt sich die Architektur mit dem Peugeot 3008

Der Opel Grandland X teilt sich die Architektur mit dem Peugeot 3008

Carlos Tavares redet nicht gerne um den heißen Brei herum: "Die Lage ist dramatisch", stellt der PSA-Chef bei Präsentation der neuen Opel Strategie unumwunden fest. Der Rüsselsheimer Autobauer wird vor allen Dingen Probleme haben, die von der EU vorgegebenen CO2-Ziele zu erreichen, Opel sei nicht zukunftsfähig, lautet das vernichtende Verdikt des rennbegeisterten Portugiesen. Da verwundert es wenig, dass der Zukunftsplan "Pace" heißt, also "Tempo" und Gas müssen die Opelaner geben, um die Vorgaben, die Tavares ins Lastenheft geschrieben hat, zu schaffen. Das Ziel: Opel soll zu einer E-Marke werden und so die CO2-Vorgaben erreichen.

Die Lage ist dramatisch
Der Opel Grandland X teilt sich die Architektur mit dem Peugeot 3008

Der Opel Grandland X teilt sich die Architektur mit dem Peugeot 3008

Vordergründig hört und liest sich das alles wunderbar. Im Jahr 2020 soll Opel wieder schwarze Zahlen schreiben und eine operative Marge von zwei Prozent erwirtschaften, bis 2026 sollen es dann schon sechs Prozent sein. Tavares‘ klare Worte sollen die Opel-Mitarbeiter nicht nur aufrütteln, sondern auch auf drastische Maßnahmen vorbereiten. Zwar wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben und keine europäischen Werke - inklusive der britischen - geschlossen werden. Immerhin wird in Eisenach ab 2019 ein SUV - vermutlich der nächste Mokka - vom Band laufen und in Rüsselsheim ab 2020 ein Fahrzeug des D-Segments, aber die Zeiten im Zeichen des Blitzes werden härter. Maßnahmen wie ein früherer Abschied in das Rentner-Dasein oder eine 35 Stunden-Woche statt der aktuellen 40 Stunden-Woche stehen im Raum. "Wir werden unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern", sagt Opel-Chef Michael Lohscheller. Die Opel Gesundung soll von innen heraus geschehen, ohne große Unterstützung der französischen Mutter.

"Der Status Quo ist keine Option"; hämmert Michael Lohscheller den Anwesenden ein. Diese Redewendung stammt von Carlos Tavares. Die Opel-Techniker können sich jetzt mehr verwirklichen als zu GM-Zeiten, allerdings gibt PSA die Parameter vor, alleine schon durch die Plattformen und die Technik. Da können Lohscheller und Tavares noch so sehr die "Germaness", die Qualität und Präzision, die Opel in die PSA-Gruppe einfließen lässt, noch so sehr loben. Carlos Tavares lässt keinen Zweifel: Opel hat Luft zum Atmen, solange der Profit und die Umsätze stimmen. Entgegen aller Unabhängigkeitsbekundungen, die Musik wird in Zukunft in Paris gespielt. Die Schlüssel-Vorstandsressorts für Finanzen und Produktion sind bei Opel bereits mit sanierungserprobten PSA-Managern. Philippe de Rovira (wird Finanzvorstand) und Rémi Girardon (wird Geschäftsführer Produktion der Opel Automobile GmbH) besetzt.

Wir werden voll auf Leistung und Profitabilität fokussiert sein", versichert Lohscheller. Worte, die man in Paris gerne hört. Um die CO2-Ziele zu erreichen, wird bis 2024 jeder Opel in einer elektrifizierten Variante zu haben sein - entweder als Plug-in-Hybrid oder als reines E-Mobil. Wie zum Beispiel der nächste Corsa. "Wir drehen jeden Stein um", macht Lohscheller klar und Carlos Tavaros ergänzt vielsagend: "Nur Leistung schützt, Demagogie ist Gift."

Ein Opel-Kernproblem liegt auf der Hand: Der Rüsselsheimer-Hersteller produziert zu teuer. Bis 2020 soll jedes Auto um 700 Euro billiger sein. Dazu will Opel die Arbeitskosten senken und für eine deutlich erhöhte Auslastung der Fabriken sowie eine Erhöhung der Effizienz der Fertigungsstätten sorgen. Durch Synergien sollen bis 2020 jährlich 1,1 Milliarden Euro eingespart werden und bis 2026 sollen es sogar 1,7 Milliarden Euro sein. Letztendlich soll Opel so auf Profitabilität getrimmt sein, dass keine Verluste mehr gemacht werden sollen, sobald der Rüsselsheimer Autobauer 800.000 Autos pro Jahr verkauft. Im letzten Jahr setzte Opel/Vauxhall in Europa 1.16 Millionen Autos ab und schrieb immer noch rote Zahlen. Wie drastisch die Einsparungen sein werden, kann sich jeder ausmalen. Das fängt bei den Reisekosten an und endet bei den Einzelteilen. Harte Verhandlungsrunden stehen bevor: Gespräche mit den Gewerkschaften haben schon begonnen und auch die Zulieferer werden härter an die Kandare genommen. "Friss oder stirb", lautet die Maxime.

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Um effizienter produzieren zu können, sinkt bis 2024 die Anzahl der Architekturen auf zwei und die der Motorenfamilien auf vier. Die Basis der Opel-Modelle werden die PSA-Plattformen CMP und EMP2 bilden. Wie der Technologietransfer aussieht, ist am neuen Grandland X ganz gut zu erkennen. Statt des vielfach gelobten Opel LED-Matrix-Licht, hat der Crossover "nur" LED-Scheinwerfer, weil die französische Plattform EMP2, auf der auch der Peugeot 3008 steht, noch nicht mehr hergibt. Ob der Kunde ein Fahrzeug mit einem Blitz auf dem Kühlergrill, aber zum (Groß)Teil französischer Technik unter der Hülle annehmen wird, darf bezweifelt werden.

Vor allem SUVs sollen in Zukunft zum Opel-Umsatz beitragen. Wenn Opel das Fegefeuer der französischen Sanierung überstanden hat, bieten sich einige Chancen. "Opel wird endlich global", strahlt Michael Lohscheller. Bis 2020 soll Opel in 20 neuen Exportmärkten Autos verkaufen, darunter Saudi-Arabien, Taiwan und Argentinien. Der Einstieg in große Märkte, wie China und Brasilien wird momentan geprüft. Die Umstellung auf die PSA-Architekturen und das Nutzen der Fabriken sollen beim Erobern der fremden Gefilde helfen. Auch die USA ist kein verbotenes Land mehr, sobald man die GM-Fesseln vollständig abgestreift hat.

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