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Peugeot 3008 Hybrid4: Doppeltes Sparprogramm

Als erster Hersteller weltweit schickt Peugeot einen Diesel-Hybrid an den Start. Das Crossovermodell 3008 Hybrid4 soll nur 3,8 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometern verbrauchen.

Während manch andere Hersteller noch vor wenigen Jahren beim Thema Diesel-Hybrid den Daumen senkten und diese Technik als zu aufwändig und als zu teuer verwarfen, hat sich Peugeot früh dazu bekannt. Lohn der Pionierarbeit: Der 3008 Hybrid4, eine Mischung aus SUV, Van und Kombi, ist das nun weltweit erste Serienfahrzeug, das den Antrieb aus Diesel- und Elektromotor kombiniert. Wie viel Sparpotenzial hier geweckt werden konnte, zeigt der Verbrauch. "Gegenüber einem Benziner spart der Diesel rund 30 Prozent. Als Hybrid verbraucht der Antrieb noch einmal 35 Prozent weniger", verrät der Chefentwickler des Hybrid-Projekts Vincent Basso. So soll der zum Jahresende in den Handel rollende Crossover genormt nur noch 3,8 Liter Diesel auf 100 Kilometern konsumieren, was einem CO2-Ausstoß von 99 g/km entsprechen würde - ein für Gewicht und Größe des Autos sensationeller Wert.

Arbeitsteilung zwischen den Achsen

Statt beide Motoren als Einheit vorne unter die Haube zu stecken, hieß es: Diesel nach vorne, Elektromotor nach hinten. Beide sind mechanisch nicht miteinander verbunden. Diese Art von 4x4-Antrieb, die jetzt im 3008 Hybrid4 zum Einsatz kommt, ist bislang einzigartig in der Branche und wird später auch von Peugeots Konzernschwester Citroen im neuen DS5 genutzt. Im Frühjahr 2012 folgt als nächster Peugeot der Kombi 508 RXH.

In allen steckt ein 2,0-Liter-Diesel mit 163 PS sowie ein Elektromotor, der den Vortrieb mit weiteren 37 PS unterstützt. So steht eine Gesamtleistung von 200 PS zur Verfügung. Doch viel wichtiger bei einem Hybridauto ist das kombinierte Drehmoment: 300 Newtonmeter (Nm) Drehmoment schickt der Selbstzünder an die Vorderräder. Das allein würde für eine souveräne Beschleunigung reichen. Doch auch ein Dieselmotor muss kurz Luft holen, um kräftig los zu legen. Genau in dieser Anfahrschwäche bringt sich der Elektromotor ins Spiel und steuert weitere 200 Newtonmeter bei. Bei einem Fahrtest mit ersten Serienfahrzeugen überzeugt der Peugeot dadurch mit sehr angenehmer Kraftentfaltung.

Zero Emisson ist möglich

Über einen Drehschalter auf der Mittelkonsole kann der Fahrer vier Modi einstellen. Bei Stellung "Auto" erfolgt eine vollautomatische Regelung des Systems. Je nach Streckenprofil wählt der Bordrechner die effizienteste Art der Fortbewegung. "ZEV" steht für Zero Emission Vehicle: Der vorsichtige Druck aufs Gaspedal setzt das franzöische Crossovermodell dann lautlos in Bewegung, nur der E-Motor rotiert. Man fährt praktisch mit der Energie, die zuvor beim Bremsen oder Gaswegnehmen gewonnen und in der Batterie gespeichert wurde. Das klappt nach ein bisschen Übung bis Tempo 60, darüber oder bei Wunsch nach mehr Beschleunigung schaltet sich sanft der Diesel hinzu. Im Allradmodus "4WD" arbeiten beide Motoren, was vor allem bei winterlichen Straßenverhältnissen genutzt werden kann. Die Einstellung "Sport" erlaubt höhere Drehzahlen und kürzer Schaltvorgänge, will aber nicht so recht zu dem familienfreundlichen Charakter des Autos passen. Erstes Fazit: Mit dem "Auto"-Modus lässt es sich am besten leben.

Ein Raser zerlegte bei einer sinnlosen Angeberaktion einen seltenen "La Ferrari", von denen nur rund 500 Exemplare existieren.

Gepäckraum bleibt erhalten

Die Variabilität des 3008 Hybrid4 leidet unter dem auf der Hinterachse sitzenden Elektromotor nicht - zumindest nicht, was das Umklappen der Sitze betrifft. Lediglich unter dem doppelten Boden im Kofferraum werden ein paar Liter geopfert, weil hier die Nickel-Metallhydrid-Batterie ihren Platz beansprucht. Trotzdem steht immer noch ein Ladevolumen zwischen 377 Litern und 1186 Litern bei umgeklappter Rückbank parat. Preislich beginnt der 3008-Hybrid als "Hybrid4 99g" für 34.150 Euro. Das sind etwa 3000 Euro mehr als für den konventionellen 3008 HDi mit 163 PS in der Top-Ausstattung "Allure" fällig werden.

Zum Serienumfang zählen unter anderem Bordcomputer, Einparkhilfe hinten, Berganfahrhilfe, Tempomat, Zweizonen-Klimaautomatik, Regensensor, ein Sport-Lederlenkrad, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und eine Audioanlage. Bei der teureren Version "Hybrid4" (36.120 Euro) kommen ein Head-up-Display, 17-Zoll-Räder und ein Navigationssystem hinzu. Ein verlockendes Angebot macht Peugeot Leasing-Kunden: Für den 3008 Hybrid4 müssen 449 Euro gezahlt werden, das sind nur 29 Euro im Monat mehr als beim klassischen Diesel. Ein Betrag, der sich über den geringeren Verbrauch schnell wieder einsparen lässt.

Die Konkurrenz schläft nicht

In "naher Zukunft", wie es offiziell vom Peugeot heißt, will man die nächste Hybridstufe zünden. Auf dem Plan steht eine Plug-in-Version mit größerer Batterie, die sich zu Hause an der Steckdose aufladen lässt. Chefentwickler Vincent Basso verspricht einen Verbrauch von zwei Litern Diesel pro 100 Kilometer. Doch will Peugeot erneut erster mit dieser Technologie sein, müssen sich Basso und sein Team beeilen. Die Konkurrenz schläft nicht. Volvo hat seinen Kombi V60 als Plug-in-Dieselhybrid bereits für Herbst 2012 angekündigt.

Michael Specht/MID / MID

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