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Peugeot 407 SW: Bel Ami - Der schöne Begleiter

Schönheit statt Laderaum, sagt Peugeot, und stellt den schönsten Kombi der Saison auf die Straße. Der 407 SW geizt nicht mit seinen Reizen. Außerdem bietet der hinreißende Lifestyle-Kombi viel Ausstattung fürs Geld.

Sie haben es gern, wenn man Ihrem Fahrzeug Komplimente macht? Etwas hermachen soll der Wagen, aber allzu viel kosten darf die Karosse nicht. Dann sollte der 407 SW der richtige Wagen für Sie sein. Ein anerkennendes "der sieht schon sehr gut aus" ist das Mindeste, was man als Kommentar erwarten darf, denn der Lifestyle-Kombi von Peugeot sieht einfach hinreißend gut aus. Die Schnauze mit dem unendlichen Rachen, den geschlitzten Scheinwerfern und der bezaubernd langen Haube hat der SW mit der Limousine gemein und genau dort sitzen bei der Limousine die optischen Leckerbissen. Deren Heck kann die Versprechungen der Front nicht einlösen, das macht aber nichts, denn SW-Kombi besitzt ein eigenes, leckeres Hinterteil. Trotz des Mehrpreises von 1300 Euro fällt die Wahl leicht: Der SW sieht besser aus, er besitzt vollwertige Rücksitze und - wenn auch kein geborener Packesel - er punktet mit alltagsgerechtem Stauraum. Der Kombi entspricht in Länge (4.676 mm) und Breite (1.811 mm) den Maßen der Limousine, ist aber um 2,5 Zentimeter höher. Außen wertet Chrom den Wagen optisch auf: Beim Abschluss an der Heckklappe, durch eine verchromte Leiste am Ladeboden, auch das Haufischmaul hat eine glänzende Umrandung bekommen.

Was halten Sie vom Lifestyle-Angebot aus Paris?

Die Sterne über der Autobahn

Nicht zuletzt besitzt der SW das typische Glasdach. Lange Fahrten werden so zum Genuss. Ein Hebeldruck und das normale Kabinendach fährt zurück, weit oben leuchten die Sterne über der Autobahn, das helle Rund des Mondes scheint in den Innenraum. Der Beifahrer klappt den Sitz weit zurück und lässt sich langsam in den Schlaf summen. Noch berauschender wirkt der Blick nach vorn. Unter dem Panorama-Frontscheibe öffnet sich die Straße wie die Prärie in Cinema-Scope. Die weit nach vorn gezogene Scheibe, flankiert von den Seitenscheiben, führt zum einem Landschaftserlebnis eigener Art. Dazu noch der Glashimmel im Kabinendach und es bleibt keine Spur von Eingesperrtsein.

Kein Transporter für alle Fälle

Beim Öffnen der Heckklappe hingegen muss man erst einmal schlucken. Ein Großraumtransporter ist der 407 SW beileibe nicht geworden, die nach hinten verengte Form und die breiten C-Säulen lassen eher einen Ladetunnel als eine Ladeöffnung übrig. Klarer Fall von Lifestyle-Kombi. Wer einen großen Kinderwagen unterbringen muss und regelmäßig Waschmaschinen transportieren will, sollte bei PSA nach dem Citroen C5 fragen. Für den Alltag reicht das Volumen im Peugeot-Heck natürlich aus. Je nach Stellung der Rücksitzlehnen variiert der Laderaum zwischen 448 und 1365 Liter. Zum Vergleich: der kleine 307 SW kommt auf bis zu 1.875 Liter.

Freuen kann man sich dafür an der zweiteilig zu öffnenden Heckklappe, sie lässt es - serienmäßig - zu, auch nur das Scheibenglas zu öffnen. Das ist praktisch in engen Parklücken. Elegant sieht es obendrein aus, wenn man die Boutiquen-Tüte durch die Luke in den Wagen gleiten lässt. Wer mit vier Personen in den Urlaub starten möchte, muss sich allerdings mit einem Dachgepäckkoffer anfreunden oder den Kofferraum bis zum Dach voll stopfen. Die für einen Koffer notwendige Dachreling gibt es übrigens serienmäßig. Anders als in der 407 Limousine sitzen die hinteren Passagiere im SW luftig und bequem. Sie brauchen auch nicht über eine zu geringe Kopffreiheit zu klagen. Trotz der verengten Hinterpartie kann man sich über die Sicht nach hinten nicht beschweren.

Bequemes Reisefahrzeug

In den Sitzen fährt man fest und bequem. Trotz der Wangen für den Seitenhalt und speziellen Gestühls für den deutschen Markt geht Peugeot nicht so weit, der teutonischen Sitte eines Rennsitzes mit Uterus-Feeling zu folgen. Einziger Tadel: Die erste Polsterschicht wirkt ein wenig schwammig. Ebenfalls Peugeot typisch: Die Auflagefläche auf den Vordersitzen ist nicht ausgesprochen lang. Wer will, kann da zuwenig Halt monieren, dafür sitzt es sich aber freier.

Sportlich und ausgewogen

Im Fahrverhalten orientiert sich der 407 SW am sportlichen Peugeot-Charakter. Die Lenkung ist direkt, der Wagen reagiert in jeder Situation leichtfüßig, das Fahrwerk bleibt dabei komfortabel. Auch schlechte Beläge führen nicht zu dem nervigen Rütteln, wie es allzu sportliche Fahrwerke produzieren. Der sehr lange Überhang in der Frontpartie stört im Alltag, anders als befürchtet, nicht. Weniger schön fühlt sich die Sechsgangschaltung an. Ist an der Funktion nichts auszusetzen, so liegt der lange Ganghebel doch unruhig in der Hand, Lastwechsel führen zu einem unangenehmen Gewackel im Handgelenk, dort wo doch eher die Ruhe des Monarchen-Zepters herrschen sollte.

Der 407 SW tritt mit einer kompletten Motorenpalette an. Vier Benzin- und zwei Dieselaggregate stehen zur Wahl. Die Benziner reichen vom 1,8 Vierzylinder mit 116 PS bis zum Topmodell mit 3 Litern Hubraum und 211 PS. Bei den Selbstzündern kann man zwischen einem 1,6 Liter-Vierzylinder mit 109 PS oder einem 2,0 Liter-Vierzylinder mit 136 PS wählen. Sämtliche Motoren erfüllen die EURO4-Norm, die Dieselaggregate sind serienmäßig mit einem Partikelfilter ausgerüstet. Für Vielfahrer sind die beiden HDI-Diesel allein wegen des Verbrauchs die Modelle der Wahl. Schon der kleine Diesel reicht aus, um den Wagen unangestrengt in Gang zu setzen, dafür benötigt er 5,6 Liter im Mix. Mit der größeren Maschine gibt es den gewissen Diesel-Wumms. Der getestete 2,2-Liter-Benziner mit einer Leistung von 158 PS punktet mit Elastizität und hübschen Leistungswerten. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 216 km/h, der Sprint auf Hundert dauert 9,3 Sekunden. Das mehr an Leistung und Laufkultur will an der Tanksäule allerdings bezahlt werden. Sowohl innerstädtisch als auch auf der Autobahn ergab sich ein Verbrauch von knapp unter zwölf Litern Super, ohne dass der Wagen am Rande des Leistungsbereichs bewegt wurde.

Meckerecke

Die Navigation ist endlich in der Mittelkonsole integriert und hockt nicht mehr als eckiger Kasten mitten auf dem Armaturenbrett. Die Konsole selbst ist in einem Wagen mit Vollausstattung übersäht mit Schaltern und Knöpfchen, dafür halten sich aber die verwirrenden Doppelbelegungen in Grenzen. Die mitgelieferte Navigation hingegen macht keine Freude. Bei jedem Neustart vergeht eine nervtötend lange Zeit, bis sich der Wagen auf der Karte lokalisiert hat. Diese Arbeit wird mit surrenden CD-Zugriffen begleitet. Ebenfalls unerfreulich: Die Navigation nimmt auf Autobahnkreuzen gern mal eine Abkürzung, weist den Wagen also erst rechts raus, um kurz darauf auf die Spur zurückzukehren.

Auch bei überzeugendem Interieur und edler Optik, fehlen dem Massenhersteller Peugeot im Detail ein paar Zentimeter zu Premium-Ware. Der anthrazitfarbene Kunststoff wirkt ausgebleicht, als könnte er schon in jungen Jahren ein fettendes Spray für eine sattere Ausstrahlung vertragen. Bei Hebel, Schalter und Kanten endet der Gestaltungs- und Glättungswille an den Oberkanten. Hinten rum angefasst, überzeugen sie nicht. Das ist Gemäkel an Details, andere Dingen können den Fahrer stolz machen, insbesondere wenn sie per Serienausstattung mitgeliefert werden. Die satte Aluabdeckung auf dem Laderaumboden zum Beispiel, die angenehme Form des Innenspiegels, der sich zugleich auch wie ein Handschmeichler anfühlt. Ohnehin ist der 407 SW in allen Ausstattungslinien sehr preisgünstig. Schon in der Basisausstattung fehlt bis auf ein Radio eigentlich nichts, was für komfortables Fahren notwendig ist. Wichtige Preistreiber wie Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Sonnenrollos an den Heckscheiben, ABS, ESP und sieben Airbags, Dachreling und Panoramadach sind beim SW immer mit dabei.

Wen macht der SW glücklich?

Bis auf die erwähnten Einschränkungen im Ladevolumen besitzt der 407 SW keine Problemzonen. Fahrwerk, Motorisierung und vor allem Ausstattung halten den Vergleich mit allen Konkurrenten statt. Und man kann es nicht häufig genug sagen, der 407 SW macht eine Menge her. Nicht nur beim Fahrer sondern auch bei den Mitmenschen. Fragen des Geschmacks spalten meist die Menschheit, doch mit dem 407 SW stieß der Tester nicht auf einen einzigen, der nicht begeistert gewesen wäre. Eleganz, Sportlichkeit und ein Hauch Exotik: den 407 SW kann man getrost zwischen doppelt so teuren Wagen parken, ohne sich unterprivilegiert vorkommen. Mit dem 407 SW hat Peugeot einen echten Glücksfall im Angebot. Es ist ein Wagen, der das Herz begeistert, ohne dass der Verstand Einwände erheben könnte.

Gernot Kramper

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.