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Qoros nimmt einen neuen Anlauf: Alles auf Anfang

Bei Qoros ist die Anfangseuphorie nüchternem Realismus gewichen. Der chinesische Autobauer plant jetzt solides Wachstum, das vom Heimatmarkt ausgehen soll.

Phil Murtaugh könnte in jedem Oliver Stone einen knallharten FBI-Agenten mimen, der die bösen Jungs letztendlich zur Strecke bringt. Im Gesicht des drahtigen Ex-GM-Managers zeigen erste Furchen, ein Durchsetzungsvermögen, das sich in manchen harten Verhandlungen manifestiert hat. Doch der Mann aus Ohio hat auch eine gehörige Portion Humor. Auf die Frage, wann denn Qoros nach Westeuropa kommen wird, blitzen die Augen des neuen Qoros-Chefs listig "Donnerstagnachmittag", lautet die Antwort.

Doch dann ist es mit den Witzeleien schnell wieder vorbei und Murtaugh mutiert in Sekundenbruchteilen zum Alphatier, der das Ruder fest in der Hand hält. "Wir müssen erst einmal unsere Hausaufgaben in China machen und dann schauen wir nach Europa. Unser Fokus bleibt nach wie vor China". Im Manager-Sprech heißt das aber auch, dass bei Qoros bisher nicht alles ideal gelaufen ist. Dabei war der Auftakt ziemlich vielversprechend. Vor zwei Jahren debütierte Qoros auf dem Genfer Autosalon mit der Limousine Qoros 3 und formulierte gleich einen Plan, wie der Hersteller aus dem Reich der Mitte mit seinen Produkten die Welt erobern will. .

Anders als einige chinesische Konkurrenten schien Qoros von Beginn an gut aufgestellt. Hinter dem Autobauer stehen Chery Automobile, der größte unabhängige Automobilhersteller Chinas, und die Industrieholding Israel Corporation. Geld und Know-how sind also vorhanden. Deswegen holte man sich auch fremde Experten an Bord, die das Autogeschäft mit all seinen Facetten aus dem Effeff beherrschen. Neben dem früheren Volkswagen-Manager Volker Steinwascher verantwortet von Beginn an der ehemalige Mini-Designer Gert Hildebrand das Aussehen der Autos. Die Entwicklungsarbeit geht gemeinsam mit Zulieferer Magna Steyr und den österreichischen Antriebsspezialisten von AVL List über die Bühne. "Wir werden so weitermachen und auch Entwicklungsaufträge an externe Firmen vergeben", sagt Murtaugh.

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Die Technik stimmt also. Das zeigt auch die Tatsache, dass der Qoros 3 als erstes chinesisches entwickeltes Auto fünf Sterne im EuroNCAP-Test erhalten hat. Ein himmelweiter Unterschied zum Brilliance BS4, den die Prüfer 2009 mit null Sternen nach Hause geschickt hatten. Nun ist mit dem Qoros 3 City SUV nach der Limousine und der Fließheck-Variante ein drittes Modell erschienen. Alle diese Versionen basieren auf einer Plattform, also dürfte auch bei dem Neuankömmling die Qualität den Erwartungen entsprechen.

Klingt alles überzeugend. Schließlich sind Amerikaner Meister des Optimismus, doch der Mann aus Ohio gesteht auch Fehler ein. "Wir hatten hochfliegende Pläne und wollten die Nummer eins in China sein und natürlich waren wir enttäuscht, als das nicht so geklappt hat, wie wir uns das vorgestellt haben", gibt Murtaugh zu. Das grundlegende Problem ist das Qoros-Selbstverständnis. Die Chinesen verstehen sich in erster Linie als Ingenieurs-Firma. Bei einer derart ausgeprägten Technik-Verliebtheit ist der Aufbau von effizienten Vertriebs- und Logistikstrukturen auf der Strecke geblieben.

Die Verkäufe hinkten den Erwartungen weit hinterher. Mit knapp 600 Autos pro Monat kommt man in China auf keinen grünen Zweig. Der Frust in der selbstbewussten Firma saß dem Vernehmen nach tief. Einige Ingenieure verließen genervt das Schiff. Die Misere hatte Konsequenzen: Viele der Automobil-Haudegen, die Qoros aus der Taufe gehoben hatten, mussten ihren Hut nehmen. Darunter auch Ex-VW-Mann Volker Steinwascher. Jetzt lenkt Phil Murtaugh die Qoros-Geschicke. Der ehemalige GM-China-Chef plant, die Marke solide aufzustellen. Der Amerikaner plädiert für ein maßvolles Vorgehen und will zunächst in China ein ausreichend dichtes Händlernetz aufbauen. Flankiert wird dies durch einen besseren Vertrieb und einer Marketingkampagne, um Qoros zu positionieren.

Der globale Plan bleibt dabei unverändert. Die Fertigung der Produkte wird weiterhin in der Fabrik in Changshu stattfinden. Von dort aus soll der Sprung nach Europa gelingen. "Europa ist ein wichtiger Markt für uns. Die Vision dieser Firma ist es, ein Auto in China zu bauen, das weltweit konkurrenzfähig ist", hält Murtaugh an den Expansionsplänen fest. Für die chinesischen Autokäufer ist es wichtig, dass das Auto mit den europäischen Produkten mithalten kann.

Der erste Qoros-Europa-Brückenkopf befindet sich in der Slowakei. Von dort aus soll es Schritt für Schritt gen Westen gehen. Weitere Modelle sollen die Expansion befeuern: Einige werden auch auf der aktuellen Plattform basieren. Weitere Architekturen sollen folgen. Neben der Kompaktklasse will Qoros in Zukunft auch in anderen Segmenten erfolgreich sein. Auch ein Hybrid ist geplant.

Press-Inform / pressinform

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Betruf beim Autokauf
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