Suzuki Alto Jetzt kommt der Spar-Inder


Indiens Autofahrer lieben Kleinwagen. 75 Prozent von ihnen hocken hinter dem Lenkrad eines Mini-Cars. Aber nicht aus Sorge zur Umwelt, der Sprit kostet ein Vermögen. Suzuki bietet dort das sparsamste Modell an: den A-Star. Zu uns kommt das 4,5-Liter-Auto im April und heißt Alto.
Von Michael Specht

Wer in Indien unachtsam einen Fuß auf die Straße setzt, hat gute Chancen, dass ein Suzuki darüber fährt. Sieben von 11,4 Millionen Autos im Land tragen das kantige "S" im Grill. Nirgendwo sonst auf der Welt hat der japanische Autobauer einen höheren Marktanteil als in Indien mit 55 Prozent. Von solchen Zulassungswerten können die Konkurrenten nur träumen. Hyundai liegt mit 18 Prozent weit zurück auf Platz zwei. Und von den deutschen Marken will man besser gar nicht reden. Alle zusammen schaffen nicht einmal ein Prozent, wobei Skoda noch am besten wegkommt. Die VW-Tochter gilt in Indien als Premium-Marke und konnte dieses Jahr per Ende August bereits 12.000 Einheiten absetzen.

Maruti Suzuki – größter Autobauer in Indien

Suzuki verkündete für den gleichen Zeitraum 466.000 verkaufte Modelle. Vergangenes Jahr erreichte man mit 764.000 ein All-Time-High. Die Saat für diese gute Ernte wurde jedoch bereits vor über 25 Jahren gelegt. 1982 trat Suzuki mit der Regierung Indiens in Verhandlung und man gründete in einem Joint Venture den Autokonzern Maruti Suzuki Ltd. Gemeinsam beschloss man den Bau kleiner und sparsamer Autos. Das hat den Inder bis heute geprägt. Noch immer produziert Suzuki das damalige Basismodell Maruti 800, ein 3,33-Meter-Wägelchen, das umgerechnet weniger als 4000 Euro kostet.

Die hohe Nachfrage nach den kleinen Kisten gründet sich aber weniger im ausgeprägten Umweltbewusstsein der Inder (Großstädte wie Neu Delhi ersticken in Abgasen und Feinstaub), es ist eher der hohe Spritpreis, der zum Sparen zwingt. Umgerechnet einen Euro kostet der Liter Benzin. Ein Vermögen, wenn man dazu den monatlichen Lohn eines Fabrikarbeiters in Beziehung setzt. "Er beträgt bei uns zwischen 10.000 und 30.000 Rupien", sagt der Leiter des Suzuki-Werks in Manesar P. K. Roy. Umgerechnet sind dies zwischen 200 und 600 Euro. Autos können also nicht sparsam genug sein.

A-Star heißt in Deutschland Alto

Mit dem A-Star will Suzuki diesem Verlangen folgen und gleichzeitig einen indischen Rekord setzen. Unter die Haube des kleinen Viersitzers steckten die Ingenieure einen komplett neu entwickelter Dreizylinder mit 1,0 Liter Hubraum und 68 PS. "Es ist das wirtschaftlichste Aggregat, das wir haben", sagt Kiyoshi Aoshima, Entwicklungschef für den Alto. Als Verbrauch gibt das Werk 4,5 Liter pro 100 km an, was einem CO2-Ausstoß von nur 103 g/km entspricht. Diese Werte schafft derzeit kein anderer Benziner. "Den besten Verbrauch im Segment zu erreichen, war eines unserer Hauptziele", so Aoshima.

Zu uns kommt der A-Star ab April als die dritte Generation des Alto, der 2006 auslief und bis dahin in Europa über 350.000 Mal verkauft wurde. Mit einer Länge von 3,50 Meter zählt der neue Alto zum so genannten Sub-B-Segment und befindet sich damit in bester Gesellschaft von Daihatsu Cuore, Hyundai i10, Chevrolet Matiz und Kia Picanto sowie dem Dreiergespann Peugeot 107, Citroen C1 und Toyota Aygo. Allesamt bürgerliche Kleinwagen, die nicht die coole Lifestyle-Nummer fahren wollen, sondern ihren Besitzer finanziell möglichst wenig belasten möchten.

8990 Euro und sechs Airbags

Von den Bändern im indischen Manesar sollen jährlich rund 120.000 A-Star/Alto laufen, plus eine noch unbestimmte Anzahl baugleicher Nissan Pixo, den Suzuki für seinen japanischen Partner fertig. Etwa 60.000 Alto sind für den Export nach Europa gedacht. Hauptsächlich unterscheidet sich die indische Version durch mehr Bodenfreiheit, einer weicheren Federung und weniger Sicherheit. Nach Airbag oder gar ESP fragt "der Inder" in dieser Klasse nicht, dafür aber zu fast 100 Prozent nach einer Klimaanlage. In Deutschland wird es den Alto schon ab der Basisversion mit sechs Airbags geben, den Schleuderschutz ESP allerdings erst ab der mittleren Ausstattungslinie "Club". Auch preislich will Suzuki dem Alto aggressiv positionieren. Zwar werden Zahlen erst im Frühjahr bekannt gegeben, doch schon jetzt ist hinter vorgehaltener Hand von "unter 9000 Euro" die Rede.


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