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Suzuki Grand Vitara V6 3.2 "20 Jahre": Schmutziges Original

Den Dreck unter den Kotflügeln will er selbst nach 20 Jahren nicht abschütteln. In Spaniens Gebirgswelt konnte Suzukis neu motorisierter Grand Vitara zeigen, dass er mehr kann als nur den Boulevard-Cruiser spielen.

Michael Specht

Schon der Name hört sich nach Geröll, Gebüsch und Gebirge an: Aras de los Olmos, ein spanisches Kaff knapp 100 Kilometer nordwestlich von Valcencia. Hier wirbelt Suzuki seit sechs Jahren mächtig Staub auf und betreibt ein so genanntes Offoad-Camp. Ein Abenteuerspielplatz für Geländewagen-Freaks, denen für vier Tage über ein Dutzend Grand Vitara zur Verfügung stehen. Mit den Japan-Jeeps können bis zu 1500 Kilometer Schotter unter die Räder genommen werden. Keine Verbotsschilder, keine Zäune, keine Absperrungen trüben das Vergnügen. Kurzum: ein Eldorado. Und für Suzuki wohl der passende Ort, um seinen überarbeiteten Kompakt-SUV vorzustellen. Zum kommenden Modelljahr erhält der Grand Vitara neben leichten optischen Retuschen an der Front (Stoßfänger, Grill) und im Cockpit (Klimabedienung) vor allem zwei neue Benzin-Motoren. Ein 2,4-Liter-Vierzylinder mit 169 PS ersetzt den bisherigen Zweiliter und für die zunächst auf 750 Stück limitierte Jubiläumsversion (20 Jahre Vitara) gibt es einen mächtigen 3,2-Liter-V6 mit 236 PS.

Vor 20 Jahren setzte der Vitara den Trend

Mit dem Vitara gründete Suzuki 1988 das Segment der kleinen Geländewagen. Keiner ahnte, dass daraus später ein SUV-Trend werden würde, auf den zuletzt sogar Autobauer wie VW mit Tiguan und Ford mit dem Kuga springen würden. Einholen werden sie Suzuki freilich kaum. Weltweit wurden vom Vitara und Grand Vitara bereits knapp 2,4 Millionen Exemplare verkauft. Unter den kompakten Sport Utility Vehicles nimmt der Grand Vitara heute so etwas wie eine Ausnahmestellung ein. Denn das Suzuki-Modell hat nie den Bezug zum echten Geländewagen verloren. Noch immer besitzt er ein sperrbares Mittendifferenzial und ein Reduktionsgetriebe, das dem Fahrer ermöglicht, auch schwierige Offroad-Passagen zu meistern. Sämtliche Konkurrenten seiner Klasse haben sich mittlerweile von dieser mechanischen Hilfe verabschiedet oder nie so etwas besessen.

Im Gelände kaum zu schlagen

Was diese Technik bringt, zeigt das Gebiet um Aras de los Olmos. Selbst steile Geröllstrecken hinauf ins 2000 Meter hohe Javalambre-Gebirge klettert der Grand Vitara scheinbar mühelos empor. Im 4L-Modus, der sich per Drehschaler an der Mittelkonsole einlegen lässt, verteilen sich jeweils 50 Prozent der Motorkraft fest auf Vorder- und Hinterachse. Erstmals und exklusiv rüstet Suzuki das V6-Modell mit einer Bergan- und Bergabfahrthilfe aus. Wie von Geisterhand dirigiert zockelt der Grand Vitara dann mit fünf km/h denselben steilen Hang hinunter, den er eben noch erklomm. Über das ESP halten die Bremsen den Wagen exakt auf Tempo. Der Fahrer braucht nur noch zu lenken, während der rechte Fuß auf dem Boden ruht. Sobald Gas gegeben wird, schaltet das elektronische System ab. Die perfekte Kür im Gelände erfordert jedoch für die Konstrukteure einen Kompromiss auf der Straße. Da unter dem Grand Vitara nicht die moderne Pkw-Architektur anderer SUV steckt, erreicht der Suzuki auch nicht ganz deren Fahrkomfort. Schlechtere Untergründe teilt das Fahrwerk deutlich mit. Mehr davon betroffen ist allerdings die dreitürige Ausführung, deren Radstand gegenüber dem Fünftürer 20 Zentimeter kürzer ist. Mit dem komplett neu entwickelten Sechszylinder-Benziner hat der Grand Vitara prinzipbedingt wenig Mühe, flott voran zu kommen. Er ist der erste Suzuki-SUV, der Tempo 200 km/h schafft. Ein wenig Temperament nimmt ihm jedoch die Fünfgangautomatik. Häufig braucht sie eine Gedenksekunde, bis sie merkt, was der Fahrer will.

Der V6 kostet Sprit

Beim Thema Verbrauch bemüht sich Suzuki um Schadensbegrenzung und stattete den V6 mit allerlei Leichtlaufelementen und einer variablen Ventilsteuerung aus. Dennoch: Gewicht, Automatik und Leistung fordern ihren Tribut. 10,6 Liter/100 km sollen laut Hersteller durchschnittlich durch die Einspritzdüsen fließen. Im Alltag dürften es wohl noch zwei Liter mehr sein. Und wer nach einem Geländetag auf den Bordcomputer schaut, sollte nicht weinen, wenn der Verbrauch mit einer 20 vor dem Komma beginnt. Auch der Preis von 36.000 Euro klingt zunächst happig. Doch es gibt wohl keinen SUV in dieser Klasse, der mit Extras derart voll gestopft ist. Für die Sicherheit sind sechs Airbags und ESP an Bord, die Komfort-Liste umfasst: Klimaautomatik, Glasschiebedach, Tempomat, Leder, Navigation mit 30 GB Festplatte, Keyless Start, Xenonlicht und neu designte 18-Zoll-Leichtmetallfelgen. Ob bei der kleinen Auflage von 750 Stück das Grand Vitara Topmodell allerdings gleich zu einem Sammlerstück wird – wie Suzuki hofft – steht auf einem anderen Blatt.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.