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Toyota Prius: Saubermann mit Doppel-Herz

Sparsam, sauber und extrem angesagt: Mit dem Antriebskonzept von Benzin- und Elektromotor muss der Toyota Prius keine Angst vor Abgasgrenzwerten und der Zapfsäule haben.

Von Gernot Kramper

Toyota baut das Hightechspielzeug für Autofahrer, denen Umwelt und Zukunft mehr am Herzen liegen als Schleuderkurse und Beschleunigungswerte. Der Prius ist zurzeit das modernste und innovativste Energiesparauto, das man zu durchaus bezahlbaren Preisen kaufen kann.

Wäre Toyotas Hybrid-Wunder etwas für Sie?

"Da brat mir doch einer ein Ei"

Also ehrlich, optisch verrät der Prius nicht, was in ihm steckt. Von Avantgarde keine Spur, wohlwollend könnte man von Understatement sprechen. Der Wagen liegt wie ein halbes Osterei auf der Straße. Toyota leistet sich zwar keine Patzer, aber Highlights lassen sich auf der Karosserie auch nicht entdecken. Den Kühler ziert die für Toyota typische Erhebung, je nach Geschmack kann man von Delfin- oder Schweinswal-Haube sprechen. Die Front bezieht Kraft aus den großen, sympathischen Schweinwerfer-Augen. Die komplette Seitenfront macht dagegen einen seltsam unmodellierten Eindruck. Das Fahrzeug ist lang gestreckt wie ein Coupé, obgleich die Fahrleistungen eher an einen Mini-Van gemahnen. Auf der hinteren Ladeklappe sitzt ein bräsiger Spoiler, als hätte das Wunderauto so eine Windbremse wegen enormer Beschleunigungswerte nötig. Überflüssig zu sagen, dass die Sicht nach hinten durch den Windmacher deutlich eingeschränkt wird. Längs über dem Kabinendach laufen zwei Sicken. Beim ersten Anblick dieses Doppelknicks fürchtet man, ein herabgefallener Koffer habe das Dach verformt. Die Prius-Optik führt aber zu einem sehr niedrigen Luftwiderstandswert, schön ist das aber nicht.

"The Future of Hybrid is now!"

Innen drin sieht es schon mehr nach High Tech made in Japan aus. Digitale Anzeigen blinken und ein Mittenbildschirm, auf Wunsch stellt er das Zusammenspiel von Benzintriebwerk, Elektromotoren und Batterie dar. Endlich sieht man einmal, was unter der Haube geschieht. Kleinere Kinder können sich an dem Gewerkel gar nicht satt sehen. Für Erwachsene ist das Gimmick nach fünf Minuten überflüssig, dafür steuert das Multifunktionsdisplay per Touch-Screen alle wesentlichen Funktionen der Klimaanlage, der Stereoanlage und des Navigationssystems. Damit nicht genug, es können fast alle Funktionen auch vom Multifunktionslenkrad per Knöpfchen abgerufen werden. Unglaublich, was Toyota alles am und neben dem Steuerinstrument unterbringen konnte. Das eigentliche Lenkrad wurde leider vernachlässigt. Es fühlt sich erstaunlich billig und dürr in der Hand an.

Lautloser Schleicher

Der Start des Wagens erfordert eine kleine Umgewöhnung. Mit einem Knopfdruck geht es los und es passiert scheinbar nichts. Nur eine grünleuchtende "Null" informiert den Fahrer über sein Standtempo. Kein Geräusch lässt sich vernehmen, denn der Benzinmotor schlummert weiter vor sich hin, allein die elektrischen Kraftquellen stehen stand-by.

Ein Wählhebel für die Automatik will betätigt werden, dann kann es losgehen. Berührt man jetzt nur zart das Gaspedal, dann rollt der Prius lautlos an, angetrieben nur vom Strom. Erst beim weiteren Beschleunigen schaltet sich der Benziner ein. Vom ganzen Hybrid-High Tech unter der Haube bekommt der Fahrer nur die weitgehende Lautlosigkeit des Fahrzeugs mit. Auch im Betrieb säuselt der Benziner fast unhörbar vor sich hin. Sobald der Wagen steht, oder es ein Stück bergab geht, verabschiedet er sich ganz, und der Prius rollt ohne Geräusch dahin. Gesteuert wird der Spaß von einem Computer, der den jeweils energie-effizientesten Motor auswählt. Der Fahrer merkt davon nichts, der Antriebswechsel erfolgt ruckfrei und problemlos.

Im Verbrauch liegt der Prius dank des Hybrid-Antriebs bei nur knapp fünf Litern Super auf 100 Kilometer. Für einen Wagen dieser Größe ist das ein sehr guter Wert, aber auch keine Sensation. Mit einem modernen Diesel dieser Leistungskategorie lässt sich bei zurückhaltender Fahrweise ein ähnlicher Verbrauch realisieren. Der Öko-Aspekt der Hybrid-Technik wird also sichtbar, muss sich aber in der Zukunft weiter beweisen. Die Fahrleistungen sind ausreichend, mehr nicht. Der 1,5-Liter-Benziner liefert 78 PS - zusammen mit dem Elektroantrieb stehen 113 PS bereit, da kann man auch nicht die Welt erwarten. Bei 170 km/h wird übrigens abgeregelt. Laut Toyota soll das maximale Drehmoment aus der Kombination von Elektro- und Benzinantrieb 478 Newtonmeter betragen. Das mag so sein, aber davon merkt man nichts. Wer glaubt, ihm stelle Toyotas-Öko-Ei die gleiche Power zur Verfügung wie ein moderner Diesel mit Drei Litern Hubraum, der irrt.

Kein Raumwunder

Mit 4,45 Metern Länge ist der Prius kein Kleinwagen. Durch die elliptische Eiform sind die Platzverhältnisse aber nur "ordentlich". Der Kofferraum fasst 408 Liter, bei umgelegter Rückbank 1210 Liter. Die Verarbeitung im Innenraum entspricht dem hohen Standard bei Toyota, die Sitze sind erfreulich fest und bieten einen guten Halt.

Vielleicht ein Preiswunder

Mit etwa 25.000 Euro ist der Prius kein Schnäppchen, aber angesichts der verbauten Technik extrem knapp kalkuliert. Neben dem coolen Gefühl, einen "Hybrid" zu fahren, kann sich der Besitzer über eine gute Verarbeitung und in der "Executive"-Ausstattung über eine sehr gute Ausstattung freuen. Wer keine Sportwagenambitionen hat, wird von Leistung und Fahrverhalten nicht enttäuscht. Auf den Hybridantrieb gibt Toyota acht Jahre Garantie - allerdings eingeschränkt bis zu 160.000 Kilometern Laufleistung, für den Rest gelten die bei Toyota üblichen drei Jahre oder 100.000 Kilometer. Im Trend liegt man mit dem Prius allemal, nur wer den absoluten Sparhammer erwartet, der alle anderen Fahrzeuge in diesem Punkt deklassiert, muss abwarten, was der Hybrid-Antrieb in Zukunft bringen wird.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.