Volvo C70 D5 Sonne ist geil!


Vergesst den Geiz. Zwei Buchstaben führen dazu, dass der große Knauser Kunde, das Geld mit vollen Händen ausgibt. CC - Cabrio Coupé. Der C70 verschwindet schneller aus dem Verkaufsraum, als er am Band montiert werden kann. Mit 180 Diesel-PS will Volvo die Attraktivität weiter steigern.
Von Gernot Kramper/Göteborg

25 Sekunden braucht Volvos Guck-in-die-Luft um sein Metall-Schleier abzustreifen, dann sitzen vier Personen behaglich unter der Sonne. Der Reiz der Blech-Klapper ist so groß, dass Volvo das Produktionsziel für 2006 um ein Viertel nach oben korrigieren konnte.

Die Zeiten dass Volvos aussahen, wie der Nothammer für den Studienrat sind lange vorbei. Fraglos wurde mit dem C70 ein besonders gelungenes Baby auf die Straße geschickt. Kein Wunder, entstand es doch unter Mithilfe der Designschmiede Pininfarina. Das dach wirkt aus einem Guss, die Probleme der typischen Buckelform konnte Volvo geschickt vermeiden Die drei Dachteile verstauen sich klaglos selbst im Kofferraum. Die Karosserie zeigt sich verwindungssteif. Knarzen und Knurzen gibt es nicht. Die Rücksicht über das Heck ist nicht gerade genial. Wer sich die Länge seines Fahrzeugs nicht merken kann, sollte die Einparkhilfe ordern, bevor er den Italo-Wikinger den Po anschrammt. .

Narbenfreies Einsteigen

Angenehm fällt auf, dass der Holm der A-Säule nicht dazu neigt, den Passagieren beim Ein- und Aussteigen die Augen auszustechen. Wer aber bei imponierender Körpergröße und geschlossenem Autodach die Hintersitze erreichen will, benötigt die Gewandtheit eines Aals. Selbst wenn der Vordersitz bis zum Anschlag nach vorn gefahren wird, erinnert das Entreé eher an den Einstieg in eine Panzerluke. Wenn sich die stattliche Oma eingeladen hat, muss entweder der Beifahrersitz für sie geräumt werden, oder das Dach zur Not auch bei strömenden Regen geöffnet werden. Anders wird sie nie die hinteren Sitze erreichen können. Der C70 macht sich 1,82 Meter breit auf der Strasse. Das reicht vorne für ur-gemütliches Kuscheln auf der Cruising-Route, während sich hinten die Knie in die Sitze bohren. Im Fond haben Kinder bequem auf langen Strecken Platz, andere Personen sollten Langstreckentrips vermeiden. Aber wo sieht das wirklich anders aus?

Ikea-Innenraum

Herrscht außen italienische Grandezza, so fällt der Innenraum skandinavisch kühl aus. Wer möchte kann sich schicke Alublenden für zusätzliches Geld einbauen lassen. Zum echten Highlight reicht es aber nicht. Auf der Mittelkonsole tummeln sich die Knöpfchen wie bei der Völkerschlacht von Leipzig, das ist nicht mehr State of the Art.

Über den Kofferraum mit 404 Litern darf man nicht meckern, auch 200 Liter Restinhalt bei geöffnetem Dach gehen in Ordnung. Stoffdächer lassen etwas mehr Volumen übrig. Für vier Passagiere mit großen Gepäck reicht es aber oben offen niemals aus. Nettes Feature: Per Knopfdruck lupft sich das zusammengefaltete Dach um 30 Zentimeter selbst an, damit man leichter an den Stauraum darunter kommen kann.

Nur nicht hetzen

In jeder Beziehung ist der C70 etwas für die komfortgewohnte Crusing-Klintel. Die Fahrt im geschlossenen Abteil ist so ruhig wie in der Limousine, fährt man oben offen sollten man die Scheiben oben lassen, dann bleibt man von Wind und Wirbeln verschont. Bei runter gefahrenen Scheiben tost es dafür gewaltig

Das Fahrwerk mag es ebenfalls gern etwas gemütlicher, klaglos federt es alle Unebenheiten mit. Straff wie ein Roadster, war offenkundig kein Ziel. Das muss auch nicht sein. Der C70 durchfährt alle Kurven mit Präzision, fühlt sich dabei weder schwammig noch schwankend an.

Mehr als genug Dieselpower

Den C70 gibt es mit drei Benzinmotoren: ein 2,4-Liter-Fünfzylinder mit 140 oder 170 PS sowie ein 2,5-Liter-Fünfzylinder mit 220 PS und Turboaufladung. Vorgestellt wurde nun auch der Fünfzylinder-Turbodiesel mit Commonrail-Direkteinspritzung. Dieses Triebwerk soll den Wagen auf den Dieselmärkten attraktiver machen. Ohne frage lässt der Diesel wenig Wünsche offen, aus 2,4 Liter Hubraum schöpft er 180 PS. Mehr als genug also für den Genussschweden, dessen Gewicht von 1,7 Tonnen ohnehin keine Sportwagenform erwarten lässt. Für 225 km/h reicht es aus. Im Durchschnitt will der Motor dafür mit 7,3 Litern verköstigt werden. Im kalten Morgen angelassen, klötert der Motor zunächst etwas vor sich hin. Aber warmgelaufen schnurrt er dafür umso harmonischer. Das Drehmoment von 350 Newtonmeter steht ab zwischen 1750 Umdrehungen zur Verfügung. Serienmäßig ist die Fünfgangautomatik an Bord, auch sie sorgt für relaxtes Vorwärtskommen.

Das Dach der Begehrlichkeit

Mit Automatik und Diesel hat Volvo eine gelungene Kombination im Angebot. Der C70 setzt erfolgreich auf Komfort und das es gut so. Keinesfalls verbirgt in jedem Autokäufer ein Rallyefahrer. Von Größe und Design erwächst dem Schweden mit dem Eos ein ernsthafter Konkurrent. Fraglich nur, ob das Volkswagen-Image ausreicht um Volvo-Interessenten abzuwerben.


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