Hybrid-Highway Japan säuselt davon


Fährt uns Japan weiter an der Hybrid-Front davon? Während deutsche Hersteller erst gegen Ende des Jahrzehnts mit eigenen Kreationen auf den Markt kommen, fährt Toyota bereits mit der dritten Generation vor. Und hat noch andere Ideen im Köcher.
Von Michael Specht

Geschossen wird von allen Seiten. Toyota kennt das. Besonders von der deutschen Konkurrenz. Hybrid sei zu teuer, zu aufwändig, zu schwer, würde sich eh nie rechnen und überhaupt, der Diesel sei klar das bessere Antriebskonzept. Wie immer: Der Japaner lächelt und schweigt. Wuselt weiter, tüftelt, erfindet, patentiert.  

Vorsprung durch Technik

Zehn Jahre ist es her, als Toyota mit dem ersten Hybrid-Pkw auf den Markt kam, dem Prius. Nur ein paar Ökopuristen trauten sich anfangs hinters Lenkrad. In den USA bald auch Film- und Fernsehstars, was in Kalifornien fast einen Hybrid-Hype auslöste. Auf einen Prius muss man mittlerweile bis zu einem halben Jahr warten. Eine Hochburg ist die kalifornische Stadt Santa Barbara. Wer dort unachtsam über die Straße latscht, hat gute Chancen, von einem Prius niedergestreckt zu werden. Und je mehr Diskussionen es momentan um Kohlendioxid und Klimakollaps gibt, desto mehr steht das alternative Antriebskonzept des Autoriesen im Rampenlicht. 2006 verkaufte Toyota schon rund 430.000 Hybridautos weltweit. In drei Jahren sollen es eine Million sein. Das ist fast so viel, was Mercedes, Audi oder BMW an konventionellen Autos vom Band rollen lässt. Knapp 280.000 der vergangenen Jahresproduktion waren Prius. Würde er nicht so langweilig aussehen, es wären sicher noch viele Tausend mehr.

Jetzt plant Toyota einen neuen Angriff, nutzt geschickt seinen Vorsprung durch Technik. Auf dem Genfer Autosalon konnte sich der Kunde schon mal eine Vorstellung von der nahen Hybrid-Zukunft machen. Der Hybrid X, ein flacher, vanähnlicher Fünfsitzer mit mehr Glas als Blech soll den Auftakt zu einer ganzen Hybrid-Familie einläuten. So ähnlich wie er könnte dann der dritte Prius aussehen. Selbst das Thema Sport lässt Toyota beim Hybrid nicht aus. In unter fünf Sekunden sprintet ein kantig-keiliges und 400 PS starkes Coupé namens FT-HS von Null auf Hundert, könnte knapp 300 km/h rennen und verbraucht so viel wie ein Kompaktmodell. Entworfen wurde es in Kalifornien.  

Radikale C02-Reduktion

Auch technisch soll der nächste Prius einen weiten Sprung nach vorne machen. Bestehen bleibt nur das Vollhybridsystem. Heißt, man kann das Auto auch im reinen E-Modus fahren. Sämtliche elektronische Komponenten werden leichter, kleiner und leistungsfähiger. Im Antriebsstrang steckt dann ein E-Motor mit mehr als 50 kW Leistung, der kaum größer als eine Konservendose ist. Ganz klar rutscht der CO2-Ausstoß auf weit unter 100 Gramm pro Kilometer. Im Moment liegt er bei 104.

Da möchte auch Honda hin. 109 g/km schafft der Civic Hybrid heute. Im jetzigen, recht schräg designten Modell aber wird es zukünftig keinen Hybridantrieb mehr geben. Honda plant einen von Grund auf neu konzipierten Hybrid in der Größe eines Jazz, der aber trotzdem Platz für fünf Personen bietet. 2009 soll das Auto auf den Markt kommen. Das Absatzziel lautet 200.000 Stück pro Jahr, weltweit. Im Gegensatz zum Prius ist der Civic ein milder Hybrid, ist also für die reine Elektrofahrt nicht ausgelegt. Bei ihm sitzt zwischen Motor und Getriebe der E-Motor und hilft beim Beschleunigen sowie beim Laden der Batterie beim Bremsen.  

Problemzone Batterie

Während Honda und all die anderen Hersteller beim Thema Batterie, eine der Achillesfersen bei den Hybrid-Autos, an der Nickel-Hydrid-Technik festhalten, zündet Toyota schon die nächste Stufe: Lithium-Polymer. Mit den Lithiumzellen, sie stecken unter anderem in jedem Laptop, lässt sich das Volumen bei gleicher Leistung etwa halbieren. Oder man macht es umgekehrt: Größe belassen, dann verdoppelt man die Power.

Bestens gerüstet will Toyota auch sein, wenn wegen Feinstaub und Stickoxid aufgrund der jüngst verabschiedeten Luftreinhaltungsgesetze Innenstädte für Stinkerautos gesperrt werden. Dann schlägt die Stunde der "Plug-in-Hybride", die so gut wie fertig entwickelt sind. Sie besitzen größere Batterien, die extern an der Steckdose geladen werden können. Zielkunden sind Pendler. Nachts tanken die ihren Hybrid randvoll mit Strom, fahren morgens mit dem Benziner bis zur Stadtgrenze und den restlichen Weg mit Null Emission ins Büro. Reichweite im E-Modus: 80 Kilometer.  

Wer will in die City?

Aber nicht nur für Hausbesitzer im Speckgürtel der Großstädte sind solche Plug-in-Hybride interessant. Momentan rennen Kurierdienste wie DHL und UPS den Toyota-Leuten die Bude ein, weil sie ahnen, was auf sie zukommen könnte. Ihre jetzigen Flottenautos sind später die ersten, die nicht mehr in die Städte dürfen.


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