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Unterwegs mit Fahrrad-Guerillas Das passiert, wenn man Falschparker radikal entlarvt

Falschparker – für viele ein großes Ärgernis.
 
Diese Aktivisten haben sich entschlossen, etwas dagegen zu tun.
 
Das läuft nicht immer konfliktlos ab.
 
Mann: Wer macht den Wagen sauber jetzt?
Florian Mallok: Du, du hast falsch geparkt. Das ist nur Talkum.
Mann: Was heißt nur Talkum? Wer macht denn den Wagen jetzt sauber?
Aktivistin: Du, du stehst falsch.
Mann: Wegen einem Meter hier oder was? Boah, was für ein Spastenverein seid ihr denn?
 
Florian Mallok und seine Aktivistengruppe "Hamburg dreht sich" picken sich die besonders schlimmen Verkehrssünder heraus.
 
Eine lose Gruppe von 15 bis 20 Leuten, die sich über Facebook organisiert und Kontakte zu anderen Aktivisten in Deutschland pflegt.
 
Um dafür Aufmerksamkeit zu generieren, soll der Protest optisch opulent sein – und sicher auch provozieren.
 
LuftschlangenKonfetti und eindeutige Appelle sollen Falschparker auf ihr Fehlverhalten hinweisen.
 
Die Autos nehmen übrigens keinen Schaden.
 
"Vorne nochmal Talkum. Das ist total harmlos, geht mit Wasser sofort wieder ab. Kennt jeder noch aus dem Sport von damals. Da muss man keine Angst haben, dass es nicht abgeht. Wenn hier ein Unfall passiert und das Blut auf der Straße klebt, dann ist das deutlich schwieriger abzubekommen."
 
Auf dieser Tour markieren die Aktivisten dutzende Fahrzeuge, was die Ertappten auf die Palme bringt.
 
Frau: Hier kommt man nicht durch, kommt man nicht vorbei?
Mallok: Warum stellt ihre euch so hin?
Frau: Seid ihr jetzt happy, ich frag euch nur, seid ihr jetzt happy?“Was ist denn grade passiert?
Mallok: Wohnst du hier?
Frau: Ja, ich wohne hier, stell dir mal vor!
Mallok: Ja, warum stellst du dein Auto dann nicht vernünftig hin?
Frau: Wo, was heißt denn vernünftig? Wo blockiere ich denn jetzt gerade? Weil das Stückchen abgesenkt ist?
Mallok: Wollen wir das mit der Polizei klären?
Frau: Oar, ey!
Mallok: Wollen wir das machen, die Polizei rufen?
Mann: Ey, bleib stehen! Dann ruf sie doch!
 
 
Auch wenn sich die Falschparkerin uneinsichtig zeigt, fährt sie ihren Wagen aus der verbotenen Zone.
 
"Uns geht es um die gefährdenden Situationen, Leute die in Kurven parken und Sichtachsen verdecken und behindern, weil sie auf Radwegen und Schutzstreifen stehen und "nur mal eben" einkaufen gehen. Oder ihr Auto irgendwo gedankenlos falsch parken und auf dem Gehweg abstellen."
 
"Wir wollen hier nicht den Blockwart spielen. Das können wir auch gar nicht, das ist eine Lebensaufgabe allein die Osterstraße hier freihalten zu wollen. Es geht einfach um Sensibilisierung und dass das den Leuten einfach mehr ins Bewusstsein kommt."


Sebastian Bolenz, ebenfalls Mitgründer von "Hamburg dreht sich", nimmt Stadtplaner und Politiker in die Pflicht.
"Es herrscht Angst in der Politik vor der Wut der Autofahrer", so der 52-jährige Architekt.


Vielleicht muss Protest so unbequem sein, damit ein Umdenken stattfindet – zur Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer.
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Falschparker sind nicht nur Behörden ein Dorn im Auge. Für Fahrradfahrer stellen falsch abgestellte Fahrzeuge sogar Gefahren dar. Eine Hamburger Aktivistengruppe will mit kreativ-krawalligem Protest aufrütteln.
Von Martin Thiele

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