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GAZ Automobilwerke in Russland: Russisch Roulett

Russlands Lkw-Hersteller GAZ erfindet sich neu. Mit massiven Investitionen und modernen Fertigungsanlagen hat er sich neu aufgestellt und drängt auch bereits in den Export.

Manfred Einbeck, CEO des GAZ-Hauptaktionärs Russian Machines

Manfred Einbeck, CEO des GAZ-Hauptaktionärs Russian Machines

Es ist gerade mal ein paar Jahre her, da stand der russische Autobauer GAZ kurz vor der Pleite. Dort, wo zu Sowjet-Zeiten neben Bussen, Transportern und Lastwagen die Funktionärslimousinen Wolga und Tschaika oder üppige Staatskarossen in Einzelanfertigung gebaut wurden, drohte das Aus. Zwar machen die zumeist schon 1932 errichteten Backsteingebäude auf dem weitläufigen Gelände in Nischnij Nowgorod, rund 500 Kilometer östlich von Moskau, immer noch einen wenig Vertrauen erweckenden Eindruck. Und in den zigfach getünchten Zäunen um die Grünflächen wechselt sich wie gehabt der rote Sowjetstern mit dem Firmenlogo ab, dem trabendenden Hirschen. Doch in den Hallen selbst ist längst wieder Hoffnung eingekehrt - und moderne Zeiten.

Russisch Roulett
Manfred Einbeck, CEO des GAZ-Hauptaktionärs Russian Machines

Manfred Einbeck, CEO des GAZ-Hauptaktionärs Russian Machines

Auf mehr als 200.000 Quadratmetern laufen Škoda Yeti und Octavia, VW Jetta und der Mercedes Benz Sprinter Classic vom Band. Parallel dazu GAZ-eigene Kombis, Busse und Pritschenwagen. Über 40.000 Fahrzeuge produziert VW hier aktuell im Jahr, ausschließlich für den russischen Markt. Ausgelegt ist das Werk für 100.000 Stück - aber die Schwäche des Rubel hat erst einmal einen Strich durch die hochgesteckten Ziele gemacht. Immerhin: Vom Sprinter lief nach nicht mal einem Produktionsjahr im Sommer der 10.000 Van vom Band.

Produziert wird unter den gleichen Qualitätskriterien wie in den deutschen Stammwerken. Während VW noch die meisten Teile, die in Nischnij Nowgorod montiert werden, aus Mexiko und Deutschland anliefert, baut Mercedes die OM646-Dieselmotoren, die in den Sprinter Classic ihren Dienst tun, komplett im GAZ-Motorenwerk Jaroslawl. Dort5 montiert GAZ seine Vier- und Sechszylinder-Reihenmotoren mit dem besten, was der Maschinenbau derzeit weltweit zu bieten hat. Die neuen GAZ-Fertigungen wurden 2013 zusammen mit Beratern von Toyota entworfen. Umgerechnet knapp 290 Millionen Euro Umsatz machte allein das Motorenwerk im vergangenen Jahr, rund 20.000 Diesel- und bald auch Erdgasmotoren werden von 4.800 Mitarbeitern gebaut. Das Stammwerk, ein paar Straßen weiter, fertigt heute schwere V-Dieselmotoren mit bis zu 800 PS und wird im nächsten Jahr 100. GAZ-Motoren aus Jaroslawl treiben Lkw genauso an wie Muldenkipper für den Bergbau, Traktoren, Mähdrescher oder Stromgeneratoren.

GAZ selbst hat 13 Werke in acht Regionen Russlands und beschäftigt 44.000 Mitarbeiter. Der Autobauer erfindet sich gerade neu. Pkw stehen nicht mehr auf der Liste. Dafür wird das Lkw-Portfolio nach und nach auf einen modernen Stand gebracht. In den vergangenen fünf Jahren hat GAZ fast 36 Milliarden Rubel in die Einführung neuer Technologien und die Erneuerung des Sortiments gesteckt - nach aktuellem Kurs sind das rund 520 Millionen Euro. Pressen, Karosseriebau, Lackierei, Montage - alles neu. Die Schweißausrüstung kommt aus Südkorea von LG, die Lackiererei von Haden und Eisenmann, die Presslinien aus Japan - allerdings ist die Fertigungstiefe noch deutlich tiefer als in westeuropäischen Autofirmen.

Ein Beispiel ist der Einbau der Sitze. Während die im Westen von Zulieferfirmen vollständig montiert geliefert werden, erfolgt in Nischnij Novgorod die komplette Sitzmontage am Band: Federn, Gestell, Schaumstoffteile, Stoffbezüge - alles wird vor Ort zusammengebaut. Der Hauptgrund dafür, sagt Wadim Sorokin, CEO der GAZ Gruppe, sei das Fehlen von Zulieferer-Strukturen. Das allerdings soll sich möglichst schnell ändern: Kühler für Nutzfahrzeuge, Auspuffanlagen, VW-Achsen, Rahmen und Befestigungsmaterial kommt schon von lokalen Lieferanten. Die Modellreihen bei den Leichten Nutzfahrzeuge sind grundlegend überarbeitet worden und entsprechen westeuropäischen Standards: Euro-5, moderne Ergonomie, konkurrenzfähige Motoren. Den Start machte Anfang 2014 der 3,5-Tonner GAZelle Next als Pritschenwagen mit Doppelkabine, Kleinbus und als Kastenwagen. Dieses Jahr sind vor allem die größeren Fahrzeuge dran, wie der Offroad-Schwerlast-Lkw Ural Next. Helfen soll dabei eine Art Plattform-Strategie: Fahrerhaus-Modul, Türen, Fahrgestell und Motoren sind unter den Modelllinien weitgehend austauschbar.

Insgesamt finden sich in der Modellpalette über 300 Typen von Sonderfahrzeugen - vom Milchlaster über den Bienenstock-Transporter bis zum Schneepflug und der mobilen Kaffeebar. Bei den leichten Lkw hat GAZ in Russland einen Marktanteil von 56 Prozent, bei den reinen Fahrgestellen in diesem Bereich sind es 79 und bei den kleinen Bussen gar 93 Prozent. "In Russland," sagt Manfred Einbeck, Deutscher und CEO des GAZ-Hauptaktionärs Russian Machines (RM), "ist GAZ eine Marke, die tief verwurzelt ist in der Gesellschaft." Als Hersteller von mittleren Lkw rangiert GAZ bei den Stückzahlen europaweit auf Platz sechs - vor Peugeot, Opel, oder Iveco. Wer mit der GAZelle Next unterwegs ist, der merkt nicht mehr viel Unterschied zu preiswerteren westlichen oder asiatischen Importmodellen. Geräuschentwicklung und Beschleunigung, Geradeauslauf und Getriebeabstufung, Lenkung und Sitze - nicht unbedingt Premiumklasse, aber durchaus konkurrenzfähig. Das Armaturenbrett ist aus Hartplastik, steckt dafür im rauen Arbeitsalltag aber einiges weg und ist übersichtlich organisiert.

Hinter dem GAZ-Eigentümer Russian Machines steckt ein engmaschiges und verzweigtes Firmengeflecht. Hauptaktionär ist Basic Element, einer der Konzerne von Oleg Deripaska. Der 47jährige Betriebswirtschaftler ist einer der jüngsten russischen Oligarchen. Zu dem Imperium des Milliardärs gehören unter anderem auch Flughäfen, Versicherungen - und eben Russian Machines mit Sitz in Moskau. Zu RM selbst gehört außer GAZ eine Reihe von Firmen, die schweres Baugerät herstellen, Eisenbahnwaggons, Traktoren, Flugzeuge und mehr, darunter auch im Westen bekannte Marken wie die Traktorenbauer Fendt und Ferguson.

GAZ selbst produziert vor allem für den heimischen russischen Markt, für die GUS-Staaten und Länder wie Serbien oder die Türkei. Exportierte GAZ 2013 noch in 23 Länder, so waren es ein Jahr später schon 33 Länder. Jedes vierte Produkt von RM geht in den Export. Aber Wadim Sorokin liebäugelt durchaus schon mit dem westeuropäischen Markt. Die entsprechende Europäische Ganzfahrzeug-Typgenehmigung zumindest hat GAZ bereits in der Tasche. Von Pleite redet in Nischnij Nowgorod keiner mehr.

pressinform

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.