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Siegesfahrt der Nachtwölfe: Putins Rocker wollen Berlin aufmischen

Die Rocker der Nachtwölfe wollen auf den Spuren der Roten Armee nach Berlin donnern, um dort die Niederlage der Faschisten gebührend zu feiern. Politiker in Polen sind entsetzt.

Alexander Zaldostanow auf der Anti-Maidan Demonstrantion in Moskau. Neben ihn einer der zentralen Politker des Aufstandes in der Ukraine Oleg Tsarev.

Alexander Zaldostanow auf der Anti-Maidan Demonstrantion in Moskau. Neben ihn einer der zentralen Politker des Aufstandes in der Ukraine Oleg Tsarev.

Das Verhältnis von EU-Europa und Russland hat enorm gelitten. Am sichtbarsten wird das an symbolischen Tagen wie dem 9. Mai dem Tag "des Sieges über den Faschismus" - so die Moskauer Sprachregelung. Kanzlerin Merkel mag nicht an Putins Siegesparade auf dem Roten Platz teilnehmen, dafür kommen Russlands Rocker zu ihr nach Berlin. Der Motorradclub Nachtwölfe hat eine große Fahrt auf den Spuren der Roten Armee angekündigt, die am 9. Mai in Berlin enden soll.

Im Jahr 2013 gab es so eine Sause schon einmal, damals hat sich nur niemand dafür interessiert. Die Rocker waren keine Veteranen der Roten Armee, die man hätte ehren müssen, und Motorrad Clubs sind berüchtigt dafür, jeden Anlass für eine Ausfahrt zu nutzen. So what. Diese Gleichgültigkeit ist vorbei, denn die Nachtwölfe sind eingefleischte Zweirad-Putinisten. Der Führer der Gruppe Alexander Saldostanow, genannt Chirurg, gilt als persönlicher Freund Putins. Und der lässt sich regelmäßig bei den Nachtwölfen - "meine Brüder" - blicken. Wobei man sagen muss, dass Putin barbusig auf dem Pferd in der Taiga eine bessere Figur abgibt als auf dem Motorrad.

Plen reagiert schockiert

Für Länder wie Polen ist die Fahrt offenbar eine Provokation. Die polnische Regierungschefin Ewa Kopacz hat die geplante "Siegesfahrt" jedenfalls so genannt. Sollten die russischen Motorradfahrer in irgendeiner Weise die Sicherheit gefährden oder Polen beleidigen, gebe es Gesetze, drohte Kopacz. Leitwolf Saldostanow setzte auf den groben Klotz aus Warschau einen entsprechenden Keil. "Man darf natürlich nicht vergessen, dass es Polen gab, die mit der Roten Armee bis nach Berlin gekämpft hatten. Aber es gab auch Polen, die Polizisten oder Aufseher in jüdischen Ghettos waren. Vielleicht gefällt ihren Nachkommen die Idee unserer Tour nicht", teilte der Chirurg in Moskau mit.

Das Stalingrad-Spektakel der Nachtwölfe

Tatsächlich lassen sich die Nachtwölfe in Punkt Patriotismus von niemand überbieten, was in Moskau nicht leicht ist. Echte Politiker halten sich bei ihren Aktionen zurück, die Rocker zelebrieren die krude Ideologie einer Vision von Eurasien ganz offen. Den wilden Mix von Versatzstücken aus Zarentum, orthodoxen Glauben, Stalinismus, UDSSR-Kult und natürlich Wladimir Putin aufgebrüht mit martialischen Hardrock konnte man bei der Feier des Clubs zum 70. Jahrestag des Siegs bei Stalingrad bewundern. Untermalt von Schlachtenlärm beschwor Chirurg allen Ernstes das "heilige" Stalingrad: "Stalingrad ist für die Menschheit genauso heilig wie Jerusalem, Mekka und Bethlehem."

Russische Mechaniker haben einen Bentley-Panzer aus Luxuswagen und Kettenfahrzeug gebaut.

Ein atemraubender Spagat der Ideologien, der in Russland aber gut ankommt: 200.000 verfolgten die Show vor Ort, zugleich wurde das Spekatkel live im TV übertragen. Und geboten wurde eine Show, die auch Rammstein alle Ehre gemacht hätte: Lebensgroße Modelle deutscher Bomber dröhnten über die Bühne. auf der sich ein Tiger-Panzer aus den Flammen schälte, bevor die Rote Armee mit Sturmangriff und T34 die Oberhand gewann.

Rocker-PR für den Kreml

Auf der Krim folgte eine ähnliche Veranstaltung im kleineren Maßstab, dass trug Oberwolf Saldostanow einen Platz auf der Sanktionsliste der USA ein. In Donezk waren die Wölfe natürlich auch aktiv. Offiziell mit einem Hilfskonvoi, darüber hinaus, kämpfen einzelne Mitglieder des 5000-Mann-Vereins auf Seiten der Aufständischen.

Auch an der Heimatfront kämpft der Club für das patriotische Russland. Der Chirurg hat den russischen "Anti-Maidan" mit begründet. Ende Februar organisierte diese Bewegung eine Demonstration von Zehntausenden von Putin-Anhängern in Moskau. Gedacht als Gegenpol zu den Maidanfeierlichkeiten in Kiew. Aus Sicht der Organisatoren sicher ein voller Erfolg, gegenüber der Moskauer Parade mit einem Meer von Georgs-Fahnen wirkte die Veranstaltung in Kiew recht übersichtlich.

Nachtrag: Offenbar gibt es viel Aufregung um wenige Biker. Inzwischen gibt es erste Hinwiese auf die tatsächliche Größe der Gruppe. Ein Sprecher des Museums Auschwitz-Birkenau, Bartosz Bartyzel, bestätigte, dass eine Gruppe russischer Motorradfahrer für den 29. April 30 Eintritte und eine Führung gebucht habe. Es scheint sich also nicht um Tausende zu handeln. In Deutschland bräuchten 30 Biker außer dem Visa überhaupt keine weiteren Genehmigungen für ihre Fahrten.

Gernot Kramper

Wissenscommunity