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Seat Leon: Rassige Form-Sache

Ungewöhnliches Design und ein sportliches Fahrwerk zeichnen den neuen seat leon aus. Nicht so geglückt ist die Cockpitgestaltung.

Peter Weyer

Andreas Schleef ist kein Typ, der auf die Sahne haut. Grund dazu hätte der Seat-Chef aber. Spaniens Autobauer ist inzwischen den Ruf los, nur eine große Schrauberbude zur Resteverwertung aus dem VW-Mutterkonzern zu sein. Spätestens seit dem Audi 3 Sportback, der im Herbst 2004 auf den Markt kam, war damit Schluss. Denn der wurde für das Schwesterunternehmen, so Schleef, "komplett hier bei uns in Barcelona entwickelt".

Und weil es von Anfang an so geplant war, gibt es auch einen Seat-Ableger davon: den neuen Leon. Kein Wunder, dass sich der eigentlich besonnene Deutsche wie ein stolzer Spanier fühlt. Zumal ihn obendrein fast alle Konkurrenten um seine Kunden beneiden. Im Durchschnitt sind die nämlich nur 37 Jahre alt und zählen mit großem Abstand zu den jüngsten der Branche.

Schleef widersteht jedoch der Versuchung, seine Modelle als Fahrmaschinen für die Disco-Schickeria anzubieten: "Diese Strategie kann schnell in die falsche Richtung gehen." Beispielsweise könnten Kunden um 40 plus abgeschreckt werden. Deshalb formuliert Schleef, mit 20 Vorstandsjahren im Konzern ein gewiefter Fuchs, den Anspruch eleganter: "Wir wollen auch die, die sich jung fühlen." Scheint zu klappen. Im Mai hat die spanische Marke in Deutschland erstmals einen Zulassungsanteil von zwei Prozent überschritten.

Was der neue Leon kann, klärt ein stern-Fahrbericht.

Verkehrssünder benutzen verbotenerweise den Standstreifen.

Glanz & Gloria:

steigend. Das liegt am Design der Seat-Modelle. Auch das des Leon ist unverwechselbar, weswegen er aus der Masse heraussticht. Rassig gerundet, erinnert er mit seinem italienischen Flair sogar entfernt an Alfa Romeo. Was nicht zuletzt auch an einem Detail liegt: Die Griffe der hinteren Türen sind in den Dachpfosten versteckt - eine Lösung, die es bereits bei zwei Alfa-Modellen gibt.

Gleiten & Geniessen:

zwiespältig. Der Vierzylindermotor läuft bemerkenswert leise und ermöglicht zusammen mit dem Sechsganggetriebe (Serie in den leistungsstärkeren Zwei-Liter-Varianten) entspanntes Rollen. Allerdings ist der Spanier knapp geschnitten. Das bringt nicht nur den Beinen der Fondpassagiere Enge. Auch vorn sollten zwei stämmige Erwachsene keine Berührungsangst haben. Knackpunkt ist die Cockpitgestaltung. Während es an der Ablesbarkeit von Tacho und Drehzahlmesser nichts zu meckern gibt, sind die Bedienknöpfe für Umluft und Klima nicht nur zu mickrig ausgefallen, sondern vor allem falsch platziert. Sie sind in der Mitte des Armaturenbretts angebracht. Besser wäre jedoch, wenn dort der Bedienungsmonitor fürs Radio und Navigationsgerät wäre, auf den der Fahrer weit häufiger schaut als auf die Temperatur- und Lüftungseinstellung. Stattdessen sitzt der Bildschirm augenunfreundlich weit unten, fast auf Höhe des Schalthebels.

Gas & Spass:

fetzig. Der Leon ist knackiger ausgelegt als seine Konkurrenten. Dazu passen auch die straff konturierten Sitze. Glanzpunkte sind die präzise und gleichzeitig gefühlvolle Lenkung sowie eine sportliche Getriebeabstufung, die in allen Gängen kürzer ausfällt als üblich. Damit geht's zügig ab, allerdings ohne dass der Wagen zur Krawallbüchse wird. Das bedeutet aber auch, dass das Auto nichts für schaltfaule Gesellen ist. Und wer die harte "Sport-up"-Ausführung bestellt, sollte den letzten Hexenschuss schon eine Weile hinter sich haben.

Geld & Wert:

verlockend. Der Leon kostet in der Basisversion 3410 Euro weniger als ein vergleichbarer Audi A3 - was jedoch nicht bei der Sicherheitsausstattung eingespart worden ist. Ein Wermutstropfen: Eine Klimaanlage kostet Extrageld.

Fazit:

flotte Alternative für Durchblicker und preissensible Design-Freunde, denen die Konzernbrüder zu teuer sind, die aber trotzdem VW-Qualität schätzen.

Peter Weyer / print

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