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Tuning am Ende der Welt - in Ulan-Ude: Zwitschern statt Spoiler

In der Mongolei ist Autofahren ein Erlebnis. Tuning ebenso. Das Aufmotzen und Individualsieren von Autos in der Mongolei hat nur wenig mit West-Coast-Customs und Pimp-My-Ride-Romantik zu tun. Der Ansatz ist viel pragmatischer.

Tuning à la Pimp-My-Ride in Ulan-Ude ist speziell, sehr speziell. Wer riesige Chrom-Felgen und Bügelbrett-Spoiler Anbauteile sucht, wird hier nicht fündig. Auch wenn so langsam das Aufmotzen des Autos und des Motors, wie man es im Westen kennt, durchsetzt. Ein bis zwei Kunden pro Jahr verlangen diese optische und motorseitige Vitaminspritze. Vor allem Fahrer eines Honda Integra, eines Honda MR2, eines Toyota Civic wollen mehr Kraft unter der Haube. "Das sind ein bis zwei pro Jahr", sagt Sergey Bokov schmunzelnd. Der Preis? Verhandlungssache. Wie so oft in Russland.

Der 34jährige Russe und Inhaber eines Tuning-Shops ist ein sympathischer Zeitgenosse. Freundliche Augen, fester Händedruck und eine ruhige Stimme. Sobald man sein kleines Reich betritt, ist es aber mit der Ruhe vorbei. Immer wieder ertönt das zweitönige Zwitschern, wie man es von amerikanischen Autos kennt, wenn die Türen verschlossen werden und die Alarmanlage scharf geschalten wird. Nur dass dieser Doppelton so infernalisch laut ist, dass er eine Unterhaltung fast unmöglich macht. Die Ursache für den Lärm ist ein 15-Jahre-alter weißer Toyota Corolla, der mit offener Motorhaube auf dem weißgefliesten Boden steht und an dem zwei Mechaniker herumwerkeln.

Die Installation von Alarmanlagen gehört zum Hauptgeschäft von KaiZen-Tuning. Um sich die Versicherung zu sparen, kaufen sich die Autofahrer lieber eine Alarmanlage. Die muss halt so laut sein, damit der Besitzer des Wagens sofort gewarnt wird, wenn sich jemand an seinem Eigentum zu schaffen macht. Die Kosten für den Einbau dieser Technik betragen zwischen 6.000 und 30.000 Rubel (137 bis 685 Euro). "In der Regel wollen die Leute nicht mehr als 10.000 Rubel ausgeben", erklärt Sergey Bokov. Dann kann das Auto nur mit dem Schlüssel gestartet werden, der den Code austauscht. Bei den Luxusversionen kann das Auto dann auch per SMS ent- oder verriegelt werden. Zwei bis drei Autos werden so in Sergey Bokovs Werkstatt gesichert. Da in Ulan-Ude gerne auf Kontakt gefahren wird, brauchen die Autofahrer nicht selten eine neue Front- oder Heckstoßstange. "Neben neuen Reifen und Stahlfelgen, die wegen der schlechte Straßen kaputtgehen, ist das auch ein gutes Geschäft", freut sich Bokov.

Neben dieser pragmatischen Form der Veränderung des fahrbaren Untersatzes, setzt sich zunehmend das Sound-Tuning durch. In der mongolischen Großstadt wollen die Menschen zunehmend öfter eine anständige Stereoanlage in ihrem Auto haben. Lautsprecher der Marke DLS oder Kenwood-CD-Spieler gehören zu den gerne genommenen Elementen. Doch nicht nur neue Modelle bekommen die wattstrotzenden Musikgeneratoren eingebaut. Auch die Fahrer eines in die Jahre gekommenen Shigulis und Wolgas wollen immer mehr auf die Ohren haben. Ein zweiter Trend in Ulan-Ude ist das Folieren. Die Umsetzung der individuellen Optik ist unkompliziert und vergleichsweise günstig. Airbrush ist bei seinem Klientel nicht gefagt. Die Optik des Autos soll im Osten Russlands immer variabel bleiben. Gefragt sind klare Linien statt, Airbrush-Tribals.

Reichtümer kann man mit diesem Geschäft nicht verdienen. Noch nicht. Das weiß auch Sergey Bokov. Doch für ihn ist das Schrauben an den Autos Herzenssache. Nachdem er sein Maschinenbaustudium aus familiären Gründen abbrechen und in die BWL-Fakultät wechseln musste. Doch das Benzin im Blut verflüchtigte sich nie vollständig. Als er die Chance hatte, Bankdirektor zu werden, entschied er sich zusammen mit zwei Freunden eine Tuning-Firma aufzubauen. Die beiden anderen Teilhaber sind mittlerweile wieder abgesprungen. Doch Bokov zieht sein Ding durch.

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Und das mit aller Konsequenz. Denn die Gegend, in der sich seine Werkstatt befindet ist so gar nicht hip oder glamourös. In der Gregoriew-Straße, findet man statt glitzernder Schaufenster und leuchtender Reklametafeln staubgraue Gebäude, die sich an einer schmalen Straße entlang schlängeln. Doch die bunten Schilder des Tuningsshops, die mit kyrillischer Schrift um zwei Eingangtore platziert sind, durchbrechen den tristen Anblick. Neben der Telefonnummer, fällt das eine Wort ins Auge, das in lateinischer Schrift geschrieben ist. "KaiZen" steht über einem Eingangstor. Kaizen ist japanisch und bedeutet "Wandel zum Besseren. Das ist auch der Name und das Motto von Sergey Bokovs Tuning-Firma. "Der Kunde ist König. Wir wollen immer perfekte Arbeit abliefern", erklärt der junge Russe mit den wachen Augen. Das gelingt ihm und seinem Team mit einfachen aber innovativen Mitteln.

Press-Inform / pressinform

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