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Alternative Mobilität: Streit um Vorfahrt für Elektroautos

Nach langer Hängepartie kommt das deutsche Öko-Auto unter dem Druck des globalen Klimawandels langsam voran. Das Kabinett will den "Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität" beschließen.

Deutsche Anbieter warten auffälliger als bisher in der Spitzengruppe der saubersten Autos mit geringem Spritverbrauch auf, was ihnen der eher kritische Verkehrsclub Deutschland VCD am Dienstag erstmals in seiner Autoliste bescheinigte. Zugleich macht die in einigen Wochen scheidende schwarz-rote Bundesregierung in einem Aktionsplan für das Elektroauto mobil.

Das Kabinett will an diesem Mittwoch den "Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität" als einen der letzten Akte der auslaufenden Wahlperiode beschließen. Die Kundschaft würde am liebsten eher heute als morgen solche Autos ordern - und verschiebt nach einer Umfrage der Nürnberger Marktforschung Puls vorschnell bereits den Verkauf des alten Autos.

Kaufanreize für den Kunden

Zur Markteinführung von Elektroautos empfiehlt die Regierung in ihrem Aktionsplan wegen der hohen Batteriekosten Kaufanreize für die Kunden. Diese Hilfe sei für die ersten 100 000 solcher Autos geplant, bestätigten Regierungskreisen. Bis 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen fahren - als kleiner Beitrag zur "Weg-vom-Öl-Politik". Das Umweltministerium hatte sich zuvor nicht mit seinem Plan durchsetzen können, wonach sich die scheidende Bundesregierung schon jetzt auf eine spätere Prämie von 5000 Euro festlegt.

Während die Windstrombranche bereits gezielte Unterstützung für die Einspeisung von Ökoenergie ins Netz der Strom-"Tankstellen" anmahnt, warnen Umweltverbände vor einer einseitigen Förderung. Nach Einschätzung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) bleiben Elektroautos auch in den nächsten Jahren noch Nischen- und Luxusfahrzeuge.

Doch jeder fünfte mögliche Autokäufer zögert derweil die Anschaffung eines Neuwagens hinaus, um auf Elektroautos zu warten, wie eine Umfrage der Nürnberger Marktforschung Puls ergab. Über die künftige Motorisierung herrsche große Unsicherheit. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) warnte vor einseitiger Förderung: Wenn die Regierung für 2020 eine Million solcher Autos anstrebe, stünden diesen immerhin 50 Millionen Autos mit Benzin- und Dieselantrieb gegenüber. Umweltminister Sigmar Gabriel hat den Plan der Bundesregierung zur Förderung von Elektroautos gegen Kritik von Umweltverbänden verteidigt. Der SPD-Politiker sagte am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin, es gehe darum, die Autos mit erneuerbaren Energien fahren zu lassen und nicht mit Strom aus Kohle- oder Atomkraftwerken. Aber sogar schon beim heutigen Energiemix seien die Fahrzeuge in ihrer Umweltbilanz besser als benzin- oder dieselbetriebene Fahrzeuge.

Fieser Crash beim Driften

Aktuelles Umweltranking

Auch die Automobilindustrie betont immer wieder, bei allem Hype um das Elektroauto werde der Verbrennungsmotor noch lange Zeit das Straßenbild beherrschen. Doch hier geht es um die lange verschlafene Entwicklung des Abbaus der schädlichen Kohlendioxid-Emissionen. Dieser kommt in Deutschland allmählich in Gang, wie der VCD in seiner diesjährigen "Auto-Umweltliste" über saubere Autos und "Stinker" deutlich macht. Unter den zehn derzeit saubersten Wagen sind sieben aus Japan und drei deutsche Modelle. Im Vorjahr war nur ein Fabrikat "Made in Germany" in der Spitzengruppe.

Gesamtsieger in punkto CO2-Ausstoß, Spritverbrauch, Schadstoffe und Lärm wurde der neue Toyota Prius Hybrid mit Elektro- Zusatzmotor. Auf den Plätzen sieben und acht liegen zwei Smart- Modelle, auf Rang zehn ein VW Polo 1.6 TDI. Bewertet wurden rund 350 Fahrzeuge. "Wer ein umweltverträgliches Auto kaufen will, hat so viel Auswahl wie nie zuvor", sagte der verkehrspolitische Sprecher des VCD, Gerd Lottsiepen. Dies gelte auch für Touren mit Kindern, großen Koffern oder "wenn der Papa 1,95 Meter groß ist". Zur Jahresmitte habe der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) aller neu zugelassenen Personenwagen in Deutschland mit im Schnitt 155 Gramm pro Kilometer um zehn Gramm unter dem Wert des Jahres 2008 gelegen. Die zehn Besten der aktuellen Umweltliste kämen im Schnitt auf 100 Gramm.

Übrigens: Die Ergebnisse zum Elektroauto sollen die Minister für Wirtschaft und Verkehr, Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Wolfgang Tiefensee (SPD) vorgestellt werden. Zuvor stand eigentlich noch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf der Teilnehmerliste. Mit der Änderung sollte wohl die Schärfe einer möglichen Auseinandersetzung der Kontrahenten Guttenberg und Gabriel vor der Öffentlichkeit genommen werden.

DPA/AP

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