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Automarkt Autofahren für 99 Euro im Monat - wie funktioniert das Billig-Leasing?

Mit etwas Glück kann man einen Fiat 500 für weniger als 100 Euro leasen.
Mit etwas Glück kann man einen Fiat 500 für weniger als 100 Euro leasen.
© Fiat / PR
Wie kann man ein Auto für nur 99 Euro im Monat leasen? Schließlich kostet schon ein Kleinwagen 10.000 Euro. Wir fragten den Leasingexperten Robin Tschöpe, wie diese günstigen Raten zustande kommen.

99 Euro - das ist in etwa der Preis einer Monatskarte. Für diesen Betrag kann man durchaus schon ein Auto leasen. Versicherung und Sprit kommen zur Leasingrate noch hinzu, aber dennoch ist der Preis attraktiv. Schließlich handelt es sich um einen Neuwagen mit voller Garantie. Wie können Händler Leasingfahrzeuge überhaupt zu solchen Schnäppchenpreisen anbieten?

1. Sichtbarkeit der Marke

Jeder Hersteller möchte aus den verschiedensten Gründen viele Autos verkaufen. Ein Grund, den der Laie meist nicht kennt, ist die sogenannte "Sichtbarkeit" von Marke und Modell. "Je höher die Sichtbarkeit der eigenen Modelle ist, desto mehr Menschen werden auf die Marke aufmerksam", sagt Robin Tschöpe, der Gründer von leasingmarkt.de. Auto und Marke müssen Präsenz zeigen, um von potenziellen Kunden überhaupt wahrgenommen zu werden, um im Falle eine Kaufentscheidung überhaupt auf dem Radar aufzutauchen. Das kann durch – teure – Werbung geschehen, aber die besten Werbeträger sind Fahrzeuge auf der Straße. "Gibt es besonders attraktive Leasing-Konditionen, ist dies nicht selten die Folge einer großen Werbekampagne der Hersteller, um ein spezielles Modell oder die Marke im Allgemeinen mehr ins Rampenlicht zu rücken."

2. Kleinwagen sind billiger

Alle Rabatt- und Herstelleraktionen führen nicht dazu, dass ein SUV der oberen Mittelklasse für 99 Euro angeboten wird. Zunächst ist die Leasingrate vom Wert des Fahrzeugs abhängig. "Kleinwagenmodelle mit geringem Bruttolistenpreis sind daher schon für Raten von 99 Euro oder weniger zu haben." Besonders günstig wird es, wenn man auf Sonderausstattung verzichtet. Die "Lockangebote" beziehen sich meist auf ein Modell mit der günstigen Basismotorisierung. Eine längere Laufzeit und weniger Inklusivkilometer drücken die Rate meist ebenfalls.

3. Händler brauchen junge Gebrauchte

Der deutsche Autokäufer bevorzugt Gebrauchtwagen. Gern auch solche Modelle, die nur einige Jahre alt sind. Diese Fahrzeuge muss der Handel anbieten können. "Um gebrauchte Autos zu generieren, müssen diese zuvor im Neuzustand an den Mann und die Frau gebracht werden," sagt Tschöpe. In der Kalkulation steht das Leasing nicht allein, es bildet ein Paket mit dem späteren Verkauf des Gebrauchtwagens. Daher werden auch immer mehr Fahrzeuge mit sehr kurzen Leasingzeiträumen von nur 12 oder 24 Monaten angeboten. So sorgt der Handel für einen kontinuierlichen Nachschub an jungen Gebrauchtwagen.

4. Händler zahlen nicht für jedes Auto gleich viel

"Es ist üblich, dass Fahrzeughändler vom Hersteller Prämien erhalten, wenn sie eine bestimmte Anzahl an Autos vertreiben." Diese Prämien gibt es sozusagen "obenauf", wenn eine bestimmte Quote erreicht wird. Der Händler kann es sich leisten, an dem einzelnen Auto wenig zu verdienen, weil er zusätzlich die Prämie erhält. Um die Zielvorgaben zu erreichen, werden vor dem Stichtag häufig Händleraktionen mit Sonderkonditionen gestartet, damit auch genügend Fahrzeuge verkauft werden. In den Zeitfenstern dieser Aktionen tauchen auch Fahrzeuge in der Preisklasse unter 100 Euro auf, die sonst deutlich teurer sind.

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5. Günstige Lagerfahrzeuge

Autohändler bestellen Fahrzeuge beim Hersteller weit im Voraus. So erhalten sie bessere Konditionen und können trotz langer Lieferzeiten ihren Kunden zeitnah ein Auto besorgen. "Es gibt aber auch den Fall, dass Autohäuser zu viele Fahrzeuge eines bestimmten Modells vom Hersteller bezogen haben." Dann stehen diese Autos auf dem Hof und kosten Geld. Auch das führt dazu, dass die Preiskalkulation nach unten angepasst wird. Ein Blick auf die Höfe der Autohäuser lohnt sich daher in jedem Fall.

6. Billiges Geld

Beim Leasing spielen die Kapitalkosten des Fahrzeuges eine wichtige Rolle. Denn der Händler finanziert es vollständig, wenn er es ins Leasing gibt. Die derzeitige Niedrigzinsphase macht es möglich, Leasing sehr viel günstiger anzubieten, als es in einer Hochzinsphase möglich wäre.

7. Umweltboni und Kaufprämien

Staatliche Prämien können auch bei Leasingangeboten in Anspruch genommen werden, wenn bestimmte formale Bedingungen eingehalten werden.

Die Prämie subventioniert neben dem Kauf auch das Leasing von Elektroautos. Sie beträgt bis zu 6.000 Euro für reine Elektrofahrzeuge und bis zu 4.500 Euro für Plug-in-Hybride. Umgerechnet auf die Monate des Leasings ergeben sich so erstaunlich niedrige Raten - für Fahrzeuge mit relativ hohem Listenpreis.

Diese Faktoren führen dazu, dass die angebotenen Leasingraten nicht mit dem Listenpreis korrelieren. Es ist durchaus möglich, dass ein Fahrzeug mit einer geringeren Rate als ein anderes Auto angeboten wird, obwohl der Listenpreis weit höher ist. Ganz wichtig sind die Überführungskosten. Diese deutsche Spezialität ist meist nicht in der monatlichen Rate enthalten und drückt die realen Kosten nach oben. Häufig über die magische Marke von 100 Euro. Die Summe fällt nur einmal an. Bei kurzen Laufzeiten wirkt sie sich stärker aus, als wenn sie auf mehr Monate umgelegt wird. In einigen Leasingverträgen ist die Überführung bereits enthalten.

Beispielrechnung für einen Fiat 500:

Monatliche Rate = 99 Euro

Laufzeit = 36 Monate

Überführungskosten = 750 Euro

99 Euro x 36 Monate = 3.564 Euro

+ 750 Euro Überführung = 4.314 Euro / 36 Monate

= 119 Euro monatlich

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