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Autokauf: Leasing, Finanzierung, Flatrate - Wie soll ich mein Auto finanzieren?

Nur die wenigsten Kunden können den neuen Wagen bar bezahlen. Diese Begriffe verwirren: Flatrate, Drei-Wege-Finanzierung und Leasing. Wir führen durch den Dschungel der Angebote.

Beim Autokauf sind die Finanzierungskonditionen entscheidend.

Beim Autokauf sind die Finanzierungskonditionen entscheidend.

Ist ein Bankkredit billiger?

In Sonderaktionen bieten Autohersteller über ihre Hausbanken subventionierte Finanzierungen an. Dann werden Zinsen von 0 %, und 1.9 % aufgerufen. Derartige Konditionen bekommen Sie bei keiner Hausbank – hier lohnt sich die Finanzierung über das Autohaus. Unter "normalen" Bedingungen sind die Finanzierungskonditionen der Autobanken allerdings keineswegs immer optimal, allerdings sind sie auch nicht sensationell schlecht, die Konditionen liegen in der üblichen Range.

Derzeit leben wir in einer Zeit des billigen Geldes. Mit guter Bonität können Sie bei einer Bank auch sehr günstige Kredite bekommen – eventuell billiger als die mormale Finanzierung über das Autohaus.

Mit einem Kreditvergleichsrechner im Internet haben Sie gute Chancen ein besseres Angebot zu finden. Aber Vorsicht: Häufig wird hier die Höhe des effektiven Jahreszins mit einem "ab" versehen.

Geringe Kreditwürdigkeit und "Scoring"

Bei Banken erhalten Sie den attraktiven, niedrigsten Zinssatz nur, wenn Sie in Fragen "Kreditwürdigkeit" ein ausgezeichnetes Scoring erhalten. Eine 1a Wertung erhält derjenige mit festen und hohen Einkommen, bester Zahlungsmoral und guter Wohngegend. Sollten Sie nicht zu den Traumkunden der Bank gehören, können sich die Konditionen massiv verschlechtern. Dann sieht der scheinbar "schlechtere" Kredit der Autobank schnell wieder besser aus. Die Autobanken bieten jedem kreditwürdigen Kunden den beworbenen Zinssatz an. Auch wenn Sie nur ein mittelprächtiger Kunde sind, müssen Sie keinen Aufschlag befürchten.

Problemkunden nützt diese großzügige Regelung allerdings nichts. Wer bei einer Bank keinen Kredit genießt, bekommt auch beim Autohaus keine Finanzierung.

Kreditabsicherung

Bei den Prozenten schauen die Kunden genau hinein, bei der Versicherung des Kredits gegen Arbeitslosigkeit und andere Unbill nicht. Das nutzen die Banken aus, die Absicherungen für Kredite sind häufig außerordentlich teuer. Bevor Sie unterschreiben, müssen Sie genau untersuchen, wovor die Versicherung schützt, ob Sie Ihnen nützt und ob Sie sie brauchen. Hier ist Misstrauen angebracht. Nur weil Sie Beamter sind, heißt das nicht, dass die Bank Sie nicht gegen Arbeitslosigkeit versichern möchte.

Kann ich besser verhandeln, wenn ich bar bezahle?

Es wird gern behauptet, dass man beim Händler  mehr Rabatt erhält, wenn man bar bezahlt, aber meist stimmt das so nicht. Bei einem Kredit mit "normalen" Zins verdient der Händler am Abschluss des Vertrages. Warum sollte er spendabler sein, wenn die Bank das Geschäft macht? Spezielle Finanzierungskonditionen wie die Null-Zins-Aktionen werden als Rabattaktion meist vom Hersteller angeboten und sind weitgehend unabhängig von der Marge des Händlers. Es funktioniert also nicht, den geldwerten Zinsvorteil zu berechnen, und als Barrabatt zu reklamieren. Tipp: Sprechen Sie die Möglichkeiten beim Händler offen an.

 Wie kalkuliere ich die Kreditkosten?

Wenn man den Anzeigen glaubt, kostet ein Wagen immer nur eine runde Summe - etwa 199 Euro im Monat. Die Wahrheit ist meist komplizierter. Häufig setzt sich die Finanzierung aus drei Blöcken zusammen: Anzahlung, Monatsraten in der Finanzierungsphase und Restrate. Anzahlung ist die Summe, die sie sofort einbringen. Ratenhöhe mal Anzahl der Monate ergeben die Kosten während der Finanzierung. Die Restrate gibt den kalkulierten Restwert an. Sollten Sie den Wagen behalten wollen, müssten Sie diese Summe bezahlen. Sollten Sie das Geld nicht zwischendurch angespart haben, benötigen Sie eine Anschlussfinanzierung. Aus der Summe der drei Einzelfaktoren ergeben sich die Kosten für das Fahrzeug – zuzüglich der Kosten für die Anschlussfinanzierung.

 Lohnt sich Privat-Leasing?

Es wird häufig behauptet, dass sich Privat-Leasing nicht lohne, weil die Kosten anders als bei Geschäftsfahrzeugen nicht von der Steuer abzusetzen sind. Diese Ansicht ist falsch. Im direkten Vergleich von Leasing und Kauf schneidet Leasing häufig schlechter ab, weil beim Kauf häufig ein Barkauf unterstellt wird und keine Finanzierungskosten angesetzt werden. Wer jedoch beim Kauf den Preis finanziert, steht beim Leasing nicht per se schlechter da. Leasingangebote sind auch darum teuer, weil es sich um die Nutzung von fabrikneuen bzw. neueren Fahrzeugen handelt. In den ersten Autojahren ist der Wertverlust besonders groß. Wer auch beim Kauf vorhat, einen neuen Wagen nur zwei oder drei Jahre zu nutzen, erleidet den Wertverlust genauso wie der Leasingkunde. Die Kalkulation beim Leasing ist für den Kunden undurchsichtiger als beim Kauf. Entscheidend für die Güte des Angebot sind zwei Faktoren: der angesetzte Restwert des Fahrzeugs und der Zins, der der Kalkulation unterliegt. Beide Faktoren können die Leasingrate verdeckt subventionieren und sie für den Kunden interessant machen. Leasing ist interessant, wenn: a.) der neue Wagen regelmäßig gewechselt werden soll b.) keine Probleme beim Weiterverkauf auftreten sollen c.) in den Leasingkonditionen Rabatte versteckt werden.

Ein  Kauf ist eher interessant, wenn: a.) der Wagen sehr lange gefahren werden soll b.) die Möglichkeit zum Barkauf besteht.

Wissenswert: Die Verbindlichkeiten durch das Leasing werden von der Bankwirtschaft wie eine Kreditschuld begriffen. Es ist also möglich, mit zwei Leasingverträgen die eigene Kreditwürdigkeit komplett auszuschöpfen. Dann kann es passieren, dass man keinen weiteren Kredit mehr erhält.

Was sind Flatrate-Angebote?

Bei Ford heißt es "Flatrate" aber auch die anderen Hersteller haben vergleichbare Finanzierungen im Angebot. Für die monatliche Rate gibt es ein umfangreiches Paket. Es umfasst das gewählte Fahrzeug, die Versicherung, die Wartungskosten und eine umfangreiche Garantie. An zusätzlichen Kosten fallen dann nur noch Sprit und Steuern an. Die jeweiligen Bedingungen variieren, wer sich für so ein Angebot interessiert, sollte daher nicht nur auf die lockenden Überschriften achten, sondern auch auf die konkrete Ausgestaltung etwa beim Versicherungsschutz achten. Weil ein "Flatrate"-Angebot nicht nur das Fahrzeug umfasst, kann es nur schwer mit anderen Finanzierungsformen direkt verglichen werden. Für denjenigen, der seine monatliche Belastung möglichst einfach kalkulieren will, sind diese Angebote dagegen optimal. Wirklich spannend werden Flatrate-Angebote allerdings nicht durch die überschaubare Kalkulation, sondern weil sie rabattiert werden. Typisch ist dabei ein niedriger Finanzierungszins.

Tipp: Autofahrer mit hohen Versicherungsprozenten profitieren bei Flatrate-Angebote häufig von einer vergleichsweise günstigen Kfz-Versicherung

Was ist eine Drei-Wege-Finanzierung?

Bei dieser Finanzierungsform kommt die Zahl "Drei" gleich doppelt ins Spiel. Zuerst gibt es die drei typischen Finanzierungsbestandteile (Anzahlung, monatliche Rate und Schlusszahlung) und dazu kommen drei mögliche Entscheidungen am Ende der Finanzierung: Begleichen der Schlussrate, Umfinanzierung der Schlussrate oder Rückgabe des Fahrzeugs. Sie bietet dem Kunden Vorteile, weil er bis zum Ende der Fahrzeugnutzung die freie Entscheidung hat, ob er den Wagen übernehmen oder zurückgeben möchte. Tolle Sache, möchte man sagen, aber eigentlich ist das nichts Besonderes. Bei einem normalen Leasingvertrag oder einer Flatrate-Finanzierung haben Sie nicht immer das verbriefte Recht, den Wagen zum Restwert zu übernehmen. Praktisch sträubt sich der Händler aber nie gegen den Verkauf. Wer den Wagen am Ende beahlten will, sollte eine herkömmliche Finanzierung durchrechnen. Die Drei-Wege-Finanzierung führt meist zu einer relativ geringen monatlichen Belastung und zu einer hohen Schlusszahlung. Diese Restzahlung wird die ganze Laufzeit über verzinst. Das ist bei normalen und hohen Zinssatz eher ungünstig. Wird die Drei-Wege-Finanzierung jedoch mit einem Niedrigzinssatz aufgepimpt, spricht nichts gegen diese Form der Kreditgestaltung.

Das konkrete Angebot entscheidet 

Eine wirkliche Entscheidung, welche Finanzierungsform die richtige ist, kann man in der Theorie nicht treffen. In der Autobranche gibt es unzählige Ideen den Autoverkauf zu fördern, jede Maßnahme macht einzelne Angebote attraktiver und andere unattraktiver. Nehmen wir an, sie wollen ein Modell der gehobenen Mittelklasse ganz normal kaufen und finanzieren. Sicher hätten Sie auch einen Rabatt bekommen. Wenn der Hersteller seine Markanteile aber mit Null-Zins-Leasing-Angeboten verteidigt, kann es sich durchaus lohnen, die Finanzierungsform zu wechseln.

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