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Autorabatte: Die Droge Abwrackprämie

Neuwagen sind billig wie noch nie, der Kunde kann sich über Schnäppchen ohne Ende freuen. "Autos für die Hälfte", lautet das Motto. Die Automobilbranche wird von der Abwrackprämie in eine Rabattschlacht gezwungen. Kopfschmerzen und Kater nach der Prämienpartie sind vorprogrammiert.

Von Gernot Kramper

Wirtschaftskrise und Abwrackprämie haben im deutschen Automarkt eine Rabattschlacht entfesselt, wie man sie nie zuvor gekannt hat. Das CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen hat im März 2009 einen starken Anstieg der Rabattaktionen der Automobilhersteller festgestellt. Gegenüber dem Vormonat ist die Anzahl der Aktionen um 35 gestiegen. Insgesamt wurden 324 offene Aktionen in Form von Barrabatten, Gebrauchtwagenüberzahlungen, Sonderfinanzierungen und Sondermodellen ermittelt. Das sei der höchste Stand, den sie jemals ermittelt hätten, sagte Ferdinand Dudenhöffer zu stern.de. "Die Abwrackprämie ist wie Heroin und die Regierung hat jetzt die Dosis erhöht", sagte der Autoexperte.

Durchgesetzt hat sich eine zusätzliche Gebrauchtwagenprämie in Kombination mit dem staatlichen Zuschuss. Motto: "Wir verdoppeln die Abwrackprämie!" Die Autofirmen setzen in der Werbung auf die staatliche Abwrackprämie. Das Angebot der Regierung besitzt die notwendige Glaubwürdigkeit, eine attraktive Höhe und ist in aller Munde. Die allgemeine Diskussion hat der Prämie eine Bekanntheit verliehen, die ein einzelner Hersteller mit seiner Rabattaktion nie erreichen könnte. Ergebnis: Mitten in der Krise schießen die Zulassungszahlen in die Höhe, doch das allein ist kein Grund zum Jubeln. "Im Moment geht es vielen nur darum zu verkaufen, um irgendwie durch die Krise zu kommen. Aber am Ende wird man schauen, was für Geschäfte man tatsächlich gemacht hat, und dann wird es lange Gesichter geben", sagt der Autoexperte.

Ein Beispiel: Der Fiat Panda wird im Moment in der Kombination von Herstellerrabatt und Prämie zu einem Preis von 4999 Euro angeboten. Auch ohne Berücksichtigung der staatlichen Prämie gibt es 86 Aktionen, die dem Kunden Preisvorteile zwischen 15 und 30 Prozent einräumen. Autokäufer, die die Abwrackprämie in Anspruch nehmen, können zwischen 14 Aktionen und Autos auswählen, die ihnen Nachlässe von über 40 Prozent bieten. Salopp könnte man sagen, für diese Wagen zahlt man jetzt nur die Hälfte.

Den Kunden kann das Rabatt-Feuerwerk nur freuen. Die Datenbank von CAR-Center Automotive Research und stern.de bietet einen Überblick über die Preisschnäppchen. Für die Branche prognostiziert Dudenhöffer allerdings Probleme. "Geiz macht geil. Leider hört das Geizen nicht bei Kleinstwagen wie dem Aveo auf. Ab Golfklasse muss jetzt beim Preis nachgebessert werden. Die größeren Fahrzeuge kommen massiv unter Druck", sagt der Autoexperte. Auf den Markt würden neben der Prämie auch andere Faktoren einwirken, doch Prämie und Rabatt weckten eine Erwartungshaltung beim Kunden. "Ein Kleinwagen kostet inzwischen nur noch etwa die Hälfte. Da erwarten auch die Käufer teurerer Fahrzeuge ein entsprechendes Entgegenkommen."

Selbst der Golf VI muss rabattiert werden

Neu im Markt ist, dass immer mehr Fahrzeuge und Hersteller vom Rabattgeschehen erfasst werden. Größere Wagen und Wagen, die noch ganz frisch im Modellzyklus sind, müssen verbilligt werden. Bislang haben alle Hersteller ihre Fahrzeuge, die vor einem Modellwechsel stehen, in der einen oder anderen Weise gestützt. Das war normal, aber heutzutage muss Volkswagen selbst für den nagelneuen Golf VI einen Rabatt gewähren. So etwas hat es noch nie gegeben. Diese Nachlässe sind für die Hersteller besonders schmerzhaft. Opel zum Beispiel bietet für Meriva (3200 Euro) und Zafira (4000 Euro jeweils ohne Abwrackprämie) massive Verkaufshilfen an. Eine Marke wie Skoda rechnet schon bei den Listenpreisen mit dem spitzen Bleistift. Trotzdem gibt es für den Octavia einen Nachlass von fast 4000 Euro und für die riesige Limousine Superb sogar von 4500 Euro (jeweils ohne Abwrackprämie). In der Kompaktklasse muss der C4 von Citroen mit fast 25 Prozent Nachlass locken. Das sind runde 4000 Euro bei einem Grundpreis von 16.350 Euro, etwas weniger gibt es beim Ford Focus oder dem Fiat Bravo.

Und selbst die Premiumanbieter, die sich in den letzten Jahren aus den Rabattschlachten heraushalten konnten, müssen reagieren. "Diese Prämie ist eine Droge, da muss man noch Jahre dran knabbern", sagt Dudenhöffer. Unbestritten bleibt, dass insbesondere die Autohändler jetzt vom künstlichen Boom profitieren und über das Krisenjahr gerettet werden. "Aber in der Zeit nach der Prämie kommt das Erwachen mit Kopfschmerzen und Katerfrühstück." Im Kern handelt es sich bei dem Boom um vorgezogenen Konsum, je höher der Berg jetzt, umso tiefer das Tal danach.

Was kommt nach der Staatsbeihilfe?

Zusätzlich zerstört die Prämie auf Dauer das Vertrauen in den Wert des Produktes Auto. Auch bei den Kleinwagen. Wie jede Droge verlangt die Rabattitis eine Steigerung der Dosis. Im Jahr 2010 werde es kaum gelingen, dem Kunden zu erklären, warum er für ein Fahrzeug, dass er ein Jahr lang für 6000 Euro kaufen konnte, plötzlich 11.000 Euro bezahlen solle. Der "kalte Entzug" ohne Rabatte würde zum Erliegen des Verkaufs führen, eine weitere Rabattspirale der Hersteller nach dem Ende der staatlichen Förderung sei damit vorprogrammiert. so Dudenhöffer

Zudem zeigen Rabattdaten nur die "offizielle" Seite des Geschäfts. "Die ausgewiesenen Rabatte haben Sie sicher, noch bevor Sie beim Händler in den Verkaufsraum kommen", erinnert Dudenhöffer. Und dort wird dann weiterverhandelt. Während beim Fiat Panda kaum mehr zu erreichen sein wird als die 4999 Euro, wird man bei anderen Modellen erfolgreicher sein. Offiziell gewährt BMW für 5er und 7er-Reihe keinerlei Nachlässe. Die Realität im Showroom ist das nicht.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.