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Das vernetzte Auto: Online auf vier Rädern

Kurz die Mails im Auto checken, etwas auf Facebook posten oder Staunachrichten abrufen: Das Auto der Zukunft geht online. Doch wer dabei das Steuer übernimmt, ist noch offen.

Von Gernot Kramper

Wo ist die nächste Tankstelle? Was kostet dort das Benzin? Sind im Parkhaus noch Plätze frei? Was gibt es Neues auf Facebook? Diese Fragen werden in Zukunft auch am Steuer beantwortet, das Netz drängt ins Auto. Und das macht auch Sinn: Warum sollte man zum Beispiel im Wagen, wenn man Zeit zum Musikhören hat, auf sein Spotify-Abo verzichten? Anwendungen gibt es jede Menge.

Allerdings zieht die Technik bislang nicht richtig mit. Autos sind Internetmuffel, weil Autohersteller das WWW bislang eher als Bedrohung, denn als Chance gesehen haben. Selbst im Bus ist mobiles Internet heute eine Selbstverständlichkeit: Da man ja nicht selbst fahren muss, reicht das eigene Smartphone. Am Steuer ist das so nicht möglich. Doch das integrierte Internet-Vergnügen bleibt selbst in sündhaft teuren Autos der Oberklasse immer noch die Ausnahme.

Leisten kann sich die Industrie die Internetabstinenz nicht. Einsteigen und Offline-Sein - das wird vom Kunden nicht mehr akzeptiert. Schon 2016 wird der integrierte Web-Zugang im Auto entscheidend bei der Kaufentscheidung sein, prognostiziert die Beratungsfirma Capgemini.

Internet vom Autohersteller

Zumindest die Premiumhersteller haben die Aufholjagd aufgenommen. BMWs "Connected Drive" kann dem Fahrer zum Beispiel eingehende Mails vorlesen. Mercedes hat sogar einen eigenen App-Shop gestartet. Der Nutzer hat nichts mit der Infrastruktur von Apple oder Google zu tun, seine Daten liegen in einer Daimler-Cloud. Auch Einsteigermodelle wie Audi A1 oder die Mercedes A-Klasse bieten einen mobilen Online-Zugang. Die Integration von WhatsApp, Facebook und E-Mail ist nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Autos werden zumindest optional mit großen berührungsempfindlichen Bildschirmen ausgestattet, die den Oberflächen der Smartphones auffällig ähneln. Es ist nur eine Frage von wenigen Jahren, bis die Mehrzahl der neuen Autos mit einem Multifunktionsbildschirm ausgerüstet sein wird, der Smartphone und Auto perfekt verbindet.

Warum teuer, wenn es auch billig geht?

Ausgerechnet in dem für die Autoindustrie wichtigem Zukunftsfeld "mobiles Internet" kann billig aber teuer schlagen. Die Angebote von Mercedes, Audi und BMW haben nämlich eine Gemeinsamkeit: Sie kosten einiges. Internet und Multimedia sind nicht unter 2000 Euro extra zu haben. Vielen Kunden ist das zu teuer. Die meisten Interverbindungen im Auto werden daher heute ganz einfach hergestellt: Der Fahrer nimmt sein Smartphone in die Hand und bedient es wie gewohnt. Das ist risikoreich und verboten.

Notwendig ist es das gefährlche Gefummel nicht, es gibt auch sichere Billiglösungen: Über einen Adapter oder Bluetooth wird das Smartphone integriert. Mit einem Gerät eines Nachrüsters wie Parrot ist diese Funktionalität zu Preisen ab 200 Euro sogar in ein Altauto einbaubar. Die Zusatzkosten sind gering, weil die Kunden das teure Smartphone mitsamt Vertrag ohnehin besitzen. Die App-Stores sind vertraut und offen für alle Anbieter - entsprechend groß ist die Konkurrenz. Die Preise für Programm und Kartenupdates liegen bei einer App weit unter den derzeitigen Preislisten der Autohersteller. Updates für ein paar Hundert Euro und antiquierte Oberflächen, die jahrelang nicht aufpoliert werden, sind bislang der Standard, den Autofahrer gewohnt sind. Die verwöhnten Smartphone-Nutzer wird man so nicht gewinnen können. Eine Herausforderung, der sich die Autohersteller stellen müssen.

Wettkampf um die beste Bedienbarkeit

Das Auto wird ein mobiles Endgerät, das ist sicher. Es fragt sich nur, ob es der Autoindustrie gelingt, mit ihrer Bordelektronik selbst das intelligente Herzstück des Systems zu liefern. Oder ob das Auto nur ein komplexer, aber dummer Adapter mit Bildschirm, Steuerungselementen und Lautsprechern sein wird, an den sich herkömmliche Smartphones andocken, die dann die Web-Herrschaft an Bord übernehmen.

Für Autohersteller ist das eine echte Horrorvorstellung. Flüchten die Kunden nämlich in den Play- oder den iTunes-Store, bedeutet dies Autoelektronik, die über Apple oder Google verkauft wird. Die Autoindustrie würde nicht nur die Margen in diesem wichtigen Zukunftsgeschäft ganz verlieren, obendrein würden Kunden- und Fahrzeugdaten an ihnen vorbei bei Drittanbietern landen.

Smarter als ein Smartphone

Für die Autohersteller ist die Lage aber nicht hoffnungslos. Ein Smartphone ist eigentlich nicht für einen Autofahrer gedacht, selbst die praktische Steuerung über Fingergesten ist am Steuer nicht optimal. Im Auto bietet sich eher eine Kombination von Sprachsteuerung plus Lenkradtasten an. Multimedia im Auto müsste also besonders einfach zu bedienen sein, es müsste smarter als ein Smartphone sein.

Der Wettlauf um besonders nutzerfreundliche Systeme ist also eröffnet. Ob Autohersteller und Zulieferer wie Bosch aber Firmen wie Apple beim Thema Bedienbarkeit schlagen können, ist zumindest zweifelhaft. Selbst VW-Chef Martin Winterkorn musste zugeben, dass Apple in diesem Punkt derzeit den "Goldstandard" setzt. Einem Standard, dem die Autohersteller noch weit hinterherrennen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.